CULTURE CLUB: über diese Romane habe ich noch nicht geschrieben – Leseupdate #4

CULTURE CLUB: über diese Romane habe ich noch nicht geschrieben – Leseupdate #4

Auch wenn ich wirklich gerne lese, gerate ich schnell in Leseflauten. Lesen ist etwas, das mich zwar entspannt, das allerdings trotzdem meine volle Aufmerksamkeit verlangt. Wenn ich den ganzen Tag in der Uni war und sowieso schon viel gelesen habe, fehlt mir oft abends einfach die Geduld zum lesen und ich schaue lieber Netflix oder Amazon Prime. Wenn mich ein Buch so richtig begeistert, dann lese ich eigentlich in jeder freien Minute, aber das ist natürlich nicht bei jedem Buch so. Dementsprechend lange dauert es auch, bis ich mal wieder genug Romane beendet habe, um ein Leseupdate für euch zu tippen. Manchmal gehen dann auch einfach ein paar Geschichten unter, weil es sich einfach nicht lohnt. Heute möchte ich das nachholen und euch all‘ die Bücher des letzten Jahres vorstellen, über die ich hier noch nicht geschrieben habe. Let’s go!

„Die erste liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ von John Green

Katherine V. fand Jungs eklig. Katherine X. wollte, dass sie nur Freunde bleiben. Katherine XIX. brach ihm das Herz.
Colin ist ein echtes Wunderkind: Er beherrscht elf Sprachen fließend, liebt Anagramme und gilt als wandelndes Lexikon. In der Liebe nützt ihm das allerdings wenig – gerade hat ihn zum neunzehnten Mal ein Mädchen namens Katherine verlassen. Auf einer Autofahrt durch die USA, zu der ihn sein bester Freund Hassan überredet hat, entwickelt Colin ein Theorem, mit dem er ab sofort vorausberechnen will, wann ihn eine Freundin abservieren wird. Als er Lindsey kennenlernt, scheint sich seine mühsam ertüftelte Formel tatsächlich zu bestätigen – aber hat er auch wirklich alle Variablen berücksichtigt? (Klappentext)

Bevor John Green die Erzähler seiner Romane weiblich werden ließ, schrieb er aus der männlichen Perspektive. So auch in seinem zweiten Roman, „Die erste Liebe“. In meinem vorletzten Leseupdate habe ich dieses Buch bereits erwähnt, da ich es gerade gelesen habe, war allerdings noch nicht ganz überzeugt. Ja, die Story braucht ein bisschen, um in Fahrt zu kommen, aber dann ist sie doch ganz wunderbar. Irgendwie witzig und ironisch, nicht ganz so tiefgründig wie andere Werke Greens, aber dafür sommerlich und frei. Beim lesen hatte ich die ganze Zeit eine amerikanische Kleinstadt vor Augen, deren Einwohner im Teenageralter einfach nur versuchen, einen schönen Sommer zu haben. Ein schöner Roman, der gut unterhält und „Summer Vibes“ verbreitet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

„Tote Mädchen lügen nicht“ von Jay Asher

Als Clay aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon … (Klappentext)

Diesen Roman habe ich letzten Sommer in Dänemark innerhalb von zwei oder drei Tagen verschlungen. Die Serie hatte ich ein paar Wochen vorher beendet und wollte dann endlich mal die Buchvorlage lesen. Für die Serie habe ich eine Art Hassliebe empfunden, ich fand einfach alles Figuren so furchtbar unsympathisch. Klar, die auf den Kassetten sollen auch nicht unbedingt sympathisch erscheinen, aber auch Hannah und Clay fand ich nicht besser. Clay war nervig und Hannah, nun ja, in der Serie nicht so ganz nachvollziehbar. Im Roman hingegen schon! Ich finde zwar immer noch, dass sie mit einigen Figuren zu hart ins Gericht geht, aber letztlich war es ja nicht ein einziges schreckliches Erlebnis, das sie in den Selbstmord getrieben hat, sondern eine Aneinanderreihung von vielen Erlebnissen. Manche davon weniger schrecklich als andere. Das Buch fand ich eindringlicher als die Serie und Clay war mir hier viel sympathischer. Natürlich ist Selbstmord ein schwieriges Thema und hat in der Literaturgeschichte schon zu einigen Diskussionen geführt. So kam es im 18. Jahrhundert nach der Lektüre von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ (habe ich tatsächlich auch gelesen) zu einer ganzen Reihe an Selbstmorden, die man heute als „Werther-Effekt“ bezeichnet. Jedoch geht „Werther“ deutlich weniger reflektiert mit dem Selbstmord um, als „Tote Mädchen lügen nicht.“. Sicher, dieser Roman ist nicht für jeden geeignet, aber bei Menschen, die psychisch gesund sind, sehe ich keine Grund, das Buch nicht zu lesen. Es ist nämlich wirklich gut und sehr spannend!

„Hundert Stunden Nacht“ von Anna woltz

Emilia hat sich die Kreditkarte ihres Vater geschnappt und einen Flug nach New York gebucht. Sie will einfach nur weg. Aber das Apartment, das sie übers Internet gemietet hat, gibt es gar nicht, und zu allem Überfluss kündigt sich Wirbelsturm Sandy an. Zum Glück lernt sie Seth, Abby und den ziemlich verrückten Jim kennen. Zusammen warten sie in der Wohnung von Seth und Abby auf den Sturm, der die Stadt bald fest im Griff hat: das Haus beginnt zu wackeln, dann fällt der Strom aus. Die vier müssen immer enger zusammenrücken, ob sie wollen oder nicht. (Klappentext)

Dieser Roman hat ein großes Manko: die Protagonistin Emilia ist erst 14 Jahre alt und damit ist es ziemlich unrealistisch, dass sie tatsächlich ganz alleine von Holland nach New York reist. Generell war die Geschichte ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Von dem wirklich sehr hübschen Cover und dem spannenden Klappentext angezogen, bin ich bereits ein paar Mal um das Buch herumgeschlichen, bis ich es mir tatsächlich gekauft habe. Vorgestellt hatte ich mir eine Lovestory, vielleicht von Collegestudenten oder von High School Schülern im Senior Year. Da die Protagonisten aber doch noch echt jung sind und Emilia zu dem eine Bakterienphobie hat, war nicht ganz so viel mit Lovestory. Trotzdem ist das kein schlechtes Buch, das sei hier einmal extra betont! Es ist nur einfach anders, als man es sich vorstellt. Es geht viel mehr darum, seine persönlichen Ängste und Vorbehalte zu überwinden und sich Menschen zu öffnen, mit denen man auf den ersten Blick vielleicht nichts zu tun haben wollte. Außerdem weckt der Roman unglaubliches Reisefieber in einem. Es ist, denke ich, allseits bekannt, dass ich unbedingt einmal nach New York möchte, aber beim lesen dieses Buches war die Sehnsucht nach der größten Stadt der USA ziemlich, ziemlich groß.

„Wunder“ von Raquel J. Palacio

August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Via in New York. August ist schlagfertig, witzig und sensibel. Eigentlich könnte alles ganz normal sein in seinem Leben. Doch eines trennt August von seinen Altersgenossen: Sein Gesicht ist entstellt, und unzählige Operationen hat er schon über sich ergehen lassen müssen. Das ist auch der Grund, warum er noch nie auf einer öffentlichen Schule war und bisher zu Hause unterrichtet wurde. Das neue Jahr aber soll alles ändern. August wird in die fünfte Klasse der Bezirksschule gehen und natürlich hat er Angst. Angst davor, angestarrt und ausgegrenzt zu werden. Doch August wäre nicht August, würde er nicht auch diese Herausforderung mit Bravour meistern! (Klappentext)

Ein herzzerreißend schöner Roman ist „Wunder“. Wirklich. Die Geschichte ist aus verschiedenen Perspektiven erzählt. So kommt nicht nur August, sondern auch seine große Schwester Via und andere Kinder aus der Schule zu Wort. Sie alle schildern ihre ganz persönliche Sicht auf August und sein erstes Schuljahr an einer öffentlichen Schule. Dadurch kann man die Figuren und ihre Handlungen so gut nachvollziehen und hat nicht nur Mitgefühl mit August, sondern auch mit den anderen. Der Roman regt definitiv zum Nachdenken an. Lässt einen seinen eigenen Umgang mit Menschen und besonders mit Menschen, die vielleicht nicht der Norm entsprechen, reflektieren. Es hilft dabei, Vorurteile und Voreingenommenheit zu überwinden. Ich kann euch die Lektüre von „Wunder“ wirklich nur wärmstens ans Herz legen. Und wenn ihr nicht genug von der Geschichte bekommen könnt, gibt es auch noch einen wundervollen Film, bei dem ich eigentlich die ganze Zeit nur geweint habe.

„Zwei in einem Traum“ von Lucy Keating

Seit Alice denken kann, träumt sie von Max. Nacht für Nacht. Er ist der perfekte Junge für sie, wenn auch nur in ihrer Fantasie. In ihren Träumen sind Max und sie unsterblich ineinander verliebt und erleben gemeinsam die romantischsten Abenteuer. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Eines Tages steht Max plötzlich vor ihr. Im echten Leben! Dieser Max ist allerdings ganz anderes als der Junge aus ihren Träumen, denn er ist abweisend und will von Alice nichts wissen. Alice fängt an zu zweifeln. Kann es sein, dass sie sich ihre Traumwelten mit Max immer nur eingebildet hat? Oder erlebt Max das Gleiche wie sie und will es nur nicht zugeben? Alice ist hin und hergerissen. Aber sie spürt immer stärker, dass sie ein Happy End erleben möchte. Und dieses Mal nicht nur in ihren Träumen… (Klappentext)

Achtung, dieser Roman ist verdammt kitschig. Der Klappentext lässt es schon erahnen, aber hinter den Buchdeckeln schlummert sehr viel Kitsch. Erzählt werden zwei Handlungsstränge. Auf der einen Seite hätten wir die Traumwelt von Alice und auf der anderen Seite das „echte“ Leben am Tag. Sie träumt von Max, mit dem sie sehr romantische, aber dadurch auch etwas kitschige Dates erlebt. Am Tag versucht sie dann herauszufinden, woher diese Träume kommen und warum Max sie ignoriert. Für mich persönlich waren die Figuren und ganz besonderes Max einfach irgendwie zu perfekt und auch zu flach, das hat mir leider nicht so gut gefallen. Die Sprache ist ganz okay, es geht wesentlich besser, aber auch deutlich schlechter. Wer auf romantische Geschichten steht und sich einfach ein bisschen berieseln lassen möchte, der wird mit diesem Buch sicher sehr glücklich sein. Für diejenigen, die eher poetische und tiefgründige Liebesgeschichten wie „Eleanor & Park“ und „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ lesen wollen, ist dieser Roman allerdings nicht so gut geeignet.

„The Hate U Give“ von Angie Thomas

Starr ist in zwei Welten zu Hause: in dem schwarzen Viertel, in dem sie aufgewachsen ist, und in ihrer überwiegend weißen Privatschule. Als ihr bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, muss Starr sich entscheiden: Wird sie schweigen oder ihre Stimme erheben? (Klappentext)

Wenn ich Englischlehrerin wäre, würde ich diesen Roman sofort mit meinen Schülern lesen. Die Story ist so eindringlich und so wichtig, dass ich sie an so viele Menschen wie möglich weitergeben möchte. Okay, Angie Thomas Schreibstil ist manchmal vielleicht etwas einfach und wenig ausgeschmückt und man muss sich auch daran gewöhnen, dass Slang mittels Anglizismen dargestellt wird, aber dennoch ist dieser Roman mehr als empfehlenswert. Die Grundstory, also dass ein Dunkelhäutiger in einer amerikanischen Großstadt ohne triftigen Grund von einem hellhäutigen Polizisten erschossen wird, ist leider nicht nur Fiktion, sondern harte Realität. Daher finde ich den Roman auch so wichtig. Hier wird sich mit einem echten Thema auseinandergesetzt und gibt den Leuten eine Stimme, die sonst vielleicht nicht zu Wort kommen. Außerdem lernt man unglaublich viel über die Black Lives Matter Bewegung und erfährt die wahre Bedeutung von Thug Life, nämlich „The Hate U Give Little Enfants Fucks Everybody“.

Welche Bücher habt ihr so gelesen?

xoxo Ruth



6 thoughts on “CULTURE CLUB: über diese Romane habe ich noch nicht geschrieben – Leseupdate #4”

  • Hey Ruth,
    das waren schöne Empfehlungen! The Hate U Give steht bei mir auf der Leseliste, seit wir vor ein paar Wochen im Englisch Unterricht darüber geredet haben. Bald kommt übrigens auch der gleichnamige Film heraus. Ich wollte dir noch den Roman „Dich immer wiedersehen“ empfehlen – der ist wirklich schön und spielt in New York :)
    xx anna von annadenktnach.wordpress.com

    • Hey Anna,
      dankeschön! Ohh, wie toll, dass ihr da in der Schule drüber gesprochen habt! Auf den Film freue ich mich auch schon richtig🙏🏻.
      Danke für den Tipp, werde ich mir direkt mal ansehen :)
      Liebe Grüße
      Ruth

  • Ich kann dir bei dem Buch The Hate U Give vollkommen zustimmen, denn als Schülerin und auch allgemein finde ich es wichtig, dass unsere Gesellschaft mehr mit solchen Themen und Büchern konfrontiert wird, da sie uns so viel mehr Weisheiten und Bewusstsein geben. Ganz liebe Grüße, Kirsten

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