CULTURE CLUB: Rezension zu „One of us is lying“ von Karen M. McManus

CULTURE CLUB: Rezension zu „One of us is lying“ von Karen M. McManus

Ich weiß, normalerweise schreibe ich keine klassischen Rezensionen zu meinen gelesen Büchern, sondern verarbeite sie in meinen Leseupdates. Aber dieses Mal hatte ich richtig Lust auf einen klassischen Rezensionspost. Das Buch, um das es gehen soll, ist „One of us is lying“ von Karen M. McManus aus dem Jahr 2017 und es hat mich so dermaßen vom sprichwörtlichen Hocker gehauen, dass ich meine Gedanken dazu einfach mit euch teilen musste. Viel Spaß also bei meiner ersten Rezension!

worum es geht

In „One of us is lying“ geht es um die fünf Schüler Brownyn, Addy, Nate, Cooper und Simon. Die ersten vier erfüllen die klassischen High School Klischees: Brownyn ist schlau und steht kurz vor der Bewerbung in Yale, Addy ist erst kürzlich zur Homecoming Queen gewählt worden und eines der beliebten Mädchen der Schule. Nate ist der geheimnisvolle BadBoy, der am Wochenende Drogen vertickt und Cooper ist der Baseballstar der Schule, dem eine glorreiche Zukunft bevorsteht. Und dann ist da noch Simon. Simon hat die schulinterne Gossip-App entwickelt, auf der sich stets als wahr entpuppende Gerüchte über die Schülerschaft verbreitet. Alle fünf müssen eines Nachmittags nachsitzen. Im Grunde nichts ungewöhnliches, doch dann bekommt Simon plötzlich einen allergischen Schock und stirbt wenig später im Krankenhaus. Daraufhin ermittelt die Polizei wegen Mordes und ausgerechnet Simons Mitschüler sind die Hauptverdächtigen.

meine erwartungen an den roman

Vor dem ersten Lesen habe ich eine Story à la „Tote Mädchen lügen nicht erwartet“. Figuren, denen man nicht trauen kann, weil sie alle irgendwie wie der Feind wirken. Distanzierte Beschreibungen. Außerdem war ich irgendwie davon ausgegangen, dass sich die gesamte Handlung an einem Tag erstrecken würde. Man abwechselnd Polizeibefragungen aus der Gegenwart und dann immer wieder Rückblenden lesen würde. Also quasi genau so, wie man es aus Mystery/Thriller Serien und Filmen kennt.

Das cover

Ich fürchte, ich muss hier jetzt gestehen, dass ich jemand bin, der Bücher schon irgendwie nach dem Aussehen beurteilt. Zumindest bevor ich etwas anderes über sie gehört habe. In der Buchhandlung gehe ich immer zu erst zu den Büchern mit einem schönen Cover und einem ansprechenden Titel. Ist beides nicht der Fall, sinken die Chancen drastisch, dass ich das Buch kaufen werde. Natürlich kann man sich schon mal von einem hübschen Äußeren täuschen lassen und am Ende kauft man ein Buch, dass einfach nur furchtbar von innen ist (andersherum geht das natürlich auch), aber das ist jetzt nicht unbedingt das Thema des Beitrags, hehe. Das Cover von „One of us lying“ hat mich zwar angesprochen, aber noch nicht direkt zu 100% von sich überzeugt, da ich es erst nach ein paar Besuchen in der Buchhandlung auch wirklich mitgenommen habe. Im Nachhinein weiß ich gar nicht mehr warum. Eigentlich finde ich das Cover nämlich sehr wohl ansprechend. Es ist schlicht, aber nicht unauffällig. Nicht zu überladen, aber auch nicht minimalistisch. Durch die Farbhalting (besonders rot und schwarz/grau-weiß Töne) passt es sehr gut zum Genre und zur Thematik. Das Foto spiegelt durch das Vorhalten des Zeigefingers irgendwie auch den Titel wider. Eigentlich mag ich auch Fotos nicht so mega gerne auf Covern, aber hier passt es irgendwie. Mir gefällt das deutsche Cover übrigens auch viel besser als das englische Original, es wirkt in meinen Augen irgendwie hochwertiger.

die figuren

Kommen wir nun zu den Figuren. Es wird immer abwechselnd aus der Sicht von Brownyn, Addy, Nate und Cooper erzählt. Dies geschieht stets in der Ich-Perspektive, was es dem Leser erleichtert, mit den Figuren mitzufühlen. Man wird in ihre persönliche Geschichte eingeführt, was es erleichtert, ihre Handlungen in der Gegenwart zu verstehen. Auf den ersten Blick wirkt es so, als seien alle Figuren einem klischeehaften Teeniefilm entsprungen, sämtliche Figurenstereotypen sind vertreten: die Streberin, die Prinzessin, der Kriminelle und der Sportler. Aber schnell wird klar, dass diese Figuren mehr sind als nur das. Jeder macht innerhalb der Geschichte seine ganz eigene, persönliche Entwicklung durch und der Leser darf ihn dabei begleiten. Manches mag vielleicht absehbar gewesen sein, aber grundsätzlich haben mich die Figuren doch überrascht. Sie sind gut konzipiert und es fällt einem leicht, sich in sie hineinzuversetzen. Untereinander agieren sie erst argwöhnisch, kommen sich jedoch immer näher, was auch nachvollziehbar ist. So ist auch eines meiner neuen Buch OTPs entstanden, hehe. Meine Lieblingsfigur war übrigens Nate aka mein neuer Book Boyfriend, dicht gefolgt von Brownyn. Aber auch Cooper und Addy haben mir gefallen.

die sprache und der schreibstil

Bei Sprache und Schreibstil bin ich bekanntlich immer etwas kritischer. Ich stehe einfach total auf Metaphern, verschachtelte Sätze und Poesie. Das alles gibt es in „One of us is lying“ jetzt nicht unbedingt, allerdings hat das Buch jetzt auch nicht unbedingt den Anspruch. Die Dialoge klingen realistisch und die Sprache ist Teenagern angepasst. Und zwar nicht auf die Art, wie manche Erwachsene vielleicht denken, dass Jugendliche reden würden, sondern tatsächlich realitätsnah. Nicht jeder Satz ist gleich stark, aber im Grunde gibt es auch was Sprache und Schreibstil angeht nichts zu meckern.

atmosphäre und spannung

Verdammt, dieser Roman ist spannend. Er ist ein wahrer „Page Turner“. Ich habe über die Hälfte an einem Tag verschlungen und das obwohl ich höllische Kopfschmerzen hatte. Man möchte einfach permanent wissen, wie es weitergeht. Man möchte wissen, wer Simons Mörder ist und welche Motive er hatte. Und man möchte mehr über die persönlichen Beziehungen der Protagonisten erfahren. Obwohl die Liebesgeschichte zwischen zwei der Figuren ja eigentlich eher nebensächlich ist, schließlich handelt es sich um einen Thriller und nicht um einen Liebesroman, hat sie mich persönlich mehr berührt als die in klassischen Lovestories. Als Leser hat man selbst Schmetterlinge im Baum, wenn die beiden zusammen auftreten und das heißt ja schon mal was. Die Chemie stimmt auf jeden Fall. Die Atmosphäre ist geheimnisvoll und ein bisschen düster, aber nicht zu düster.

die handlung

Ich zwar oben schon beschrieben, worum es geht, möchte aber dennoch ein paar Worte zur Handlung bezüglich Logik etc. verlieren. Ich habe die Handlung als in sich schlüssig empfunden. Die Geschehnisse ergeben Sinn und sind auch nicht völlig realitätsfern. Der Leser wird ein paar Mal auf eine falsche Fährte geführt, ahnt eigentlich das gesamte Buch über nicht, wer der Täter ist bzw. wie die Geschichte ausgeht. Obwohl einige Geschehnisse einem gewissen „Klischeerahmen“ folgen, ist die Handlung dennoch nicht vorhersehbar. Mich hat das Ende wirklich überrascht und war von dem ein oder anderen Plottwist echt begeistert. Was mir übrigens auch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass wenig „um den heißen Brei“ herumgeredet wird. Die Autorin verliert sich selten bis gar nicht in immer den selben inneren Monologen ihrer Figuren. Bei manchen Büchern ist es ja schon mal so, dass immer wieder die gleichen Gedankengänge wiederholt werden. Manchmal nur ein wenig anders formuliert, oft aber auch fast im gleichen Wortlaut. Das ist bei „One of us is lying“ nicht der Fall.

die zielgruppe

Vielleicht ist es auch noch ganz interessant, einmal die Zielgruppe dieses Werkes genauer zu betrachten. Laut Genre handelt es sich um einen Thriller. Aber es ist auch ein Jugendbuch. Jugendliteratur LIEBE ich ja, wie ihr wisst. Woran das liegt weiß ich nicht, aber ich mag einfach den Stil von Jugendromanen. Die sind irgendwie doch immer noch hoffnungsvoll. Zukunftsorientiert. Oft tiefgründig und meist nicht einfach „nur“ ein Buch für Jugendliche. Thriller habe ich ehrlich gesagt noch nicht so viele gelesen, aber durch „One of us is lying“ habe ich definitiv Blut geleckt. Ohh, das klang jetzt makaberer als beabsichtigt, bitte verzeiht mir ;). Allerdings habe ich auch schon häufiger gelesen, dass es wohl eher ein harmloser Thriller sein soll. Aber es ist ja wie gesagt für Jugendliche, da muss es ja jetzt auch nicht immer das blutrünstigste vom blutrünstigsten sein, oder? Wenn ihr diese typischen Teenie-Mystery-Serien wie „Pretty Little Liars“ oder „Riverdale“ mögt, dann seid ihr hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Mich hat die Grundsituation, also vier, okay, eigentlich fünf, Jugendliche beim Nachsitzen, die (vermeintlich) alle die typischen Stereotypen ausfüllen und sich gegenseitig nicht wirklich kennen, sehr an den Filmklassiker „The Breakfast Club“ aus den 80ern erinnert. Wer also Fan von diesem Film ist, kann es gerne auch mal mit „One of us is lying“ versuchen. Solltet ihr eine gute Lovestory suchen, findet ihr diese ebenfalls hier.

fazit:

Wie man vielleicht gemerkt hat, hat mir das Buch unglaublich gut gefallen. Es hat mich wahnsinnig mitgenommen und ich habe nach dem Lesen erstmal stundenlang das halbe Internet nach Fotos und Videos dazu durchforstet. Dazu zählt auch das hundertfache Googeln nach einer möglichen Verfilmung. Bisher gibt es dazu zwar noch nichts offizielles, aber der ganze Stoff schreit doch nur so nach einer Netflix-Serie. Für einige der Figuren hätte ich auch schon die perfekten Besetzungsvorschläge. Die hauptsächlich aus „The Originals“ bekannte Schauspielerin Danielle Campbell würde sich beispielsweise bestimmt sehr gut in der Rolle der Brownyn machen. Und wird Lili Reinhart vielleicht unsere nächste Addy? Ich jedenfalls würde mich mega freuen, wenn es eine Verfilmung gäbe! Kommen wir noch einmal zurück zu meiner Gesamtbewertung: „One of us is lying“ konnte mich eigentlich in allen hier genannten Kategorien zu 100% überzeugen. Nach dem Lesen habe ich zwar für einen Moment mit dem Ende gehadert (an dieser Stelle soll allerdings nicht zu viel verraten werden ;)), aber im Nachhinein empfinde ich auch das als wirklich gelungen. Ich habe beim lesen wirklich mit den Figuren mitgefühlt, sie waren einfach richtig gut konzipiert. Das Leseerlebnis ist bei diesem Roman sehr hoch. Insgesamt kann ich nicht anders, als dieses Buch mit der vollen Punktzahl, also 10 von 10 möglichen Punkten zu bewerten. Bisher ist das die beste Geschichte, die ich 2019 gelesen habe und kommt auch definitiv auf die Liste der besten Bücher, die ich je gelesen habe. „One of us is lying“ ist eines meiner neuen Lieblingsbücher und eine absolute Herzensempfehlung an euch da draußen!

Bewertung: 10/10 Punkten

Habt ihr diesen Roman schon gelesen?

xoxo Ruth



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