REZENSION: Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte von Anne Freytag

REZENSION: Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte von Anne Freytag

Während man bei manchen Büchern ewig braucht, bis man sie endlich beendet hat, so verschlingt man andere in wenigen Tagen. Letzteres war bei mir auf jeden Fall bei Anne Freytags „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ der Fall, welches ich heute gerne mit euch besprechen möchte. Viel Spaß also beim lesen!

Zum Buch:

Titel: Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte I Autorin: Anne Freytag I Verlag: Heyne fliegt I Seiten: 416 I Erstveröffentlichung: 27. Mai 2019 I Preis: 16€ (Hardcover) I ISBN: 978-3-453-27194-4 I Zum Buch

Darum geht’s:

Rosa und Frank begegnen sich am anderen Ende der Welt. Durch Zufall oder weil es so sein soll. Sie sind sich ähnlich und doch grundverschieden – Rosa widersprüchlich, Frank ruhig. Zusammen sind sie nicht nur weniger allein, sondern ziemlich nah dran an vollständig. Sie beschließen, gemeinsam weiterzureisen und einen alten Camper zu kaufen. Doch dann taucht unerwartet Franks bester Freund David auf, und mit ihm ändert sich alles. Sind drei einer zu viel oder hat genau er noch gefehlt? Diese Frage stellt sich immer wieder, während sie zu dritt Tausende Kilometer durch Australiens unendliche Weite fahren, vor ihnen nur der Horizont, über ihnen nichts als Himmel und zwischen ihnen mehr, als Worte je beschreiben könnten. (Klappentext)

„Es ist noch gar nicht so lange her, da war Rosa nur eine Farbe und David mein bester Freund. Seitdem ist viel passiert.“

-Anne Freytag: Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte, S. 9

Handlung

Der Leser begleitet in diesem Roman die drei Protagonisten Frank, Rosa und David auf ihrer Reise durch Australien. Dabei müssen sie sich mit sich selbst, aber auch miteinander auseinandersetzen. So werden besonders Freundschaft, Liebe und Eifersucht thematisiert. Schnell wird klar, dass beide der Junges Gefühle für Rosa entwickeln. Aber was ist mit ihrer Freundschaft und Rosas Gefühlen? Das Thema „Liebesdreieck“, das ja vielen schon zum Hals heraushängt, da es ja wirklich oft verwendet wird, wird hier ganz anders aufgerollt, als vielleicht anfangs erwartet. Mit dem Ausgang des Konflikts hatte ich so jedenfalls nicht gerechnet, weswegen ich sehr positiv überrascht war. Ein bisschen Abwechslung tut einfach sehr gut.

Grundsätzlich weckt das Buch auf jeden Fall auch das Reisefieber in einem. Australien war nie ein Land, das mich groß interessiert hat. Ich konnte meine Klassenkameraden nicht verstehen, als sie kurz nach dem Abi ihre Taschen gepackt und sich auf die andere Seite der Welt begeben haben. Nicht, weil ich nicht verstehen kann, warum man nach dem Abi reisen möchte, sondern eher, weil ich das Ziel nicht verstanden habe. Das einzige Land, das mich noch weniger interessiert als Australien ist Japan. Deswegen habe ich auch lange gebraucht, um mir „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ zu kaufen. Jetzt bin ich aber froh, dass ich es doch gekauft habe. Denn das Buch macht echt Lust auf dieses von uns dann doch ziemlich weit entfernte Land. Landschaft und Leute werden liebevoll und wunderschön beschrieben, ich hatte teilweise echt das Gefühl, mit Rosa, Frank und David im Camper zu sitzen und die Gegend zu erkunden. Das Buch hat Australien für mich zu einem potenziellen Reiseziel verwandelt. Etwas, das Filme und Fotos vorher nie geschafft haben.

Figuren

Schon bei „Nicht weg und nicht da“, was der erste Freytag-Roman war, den ich gelesen habe, habe ich das unglaubliche Gespür der Autorin für ihre Figuren bewundert. Man bekommt bei ihr direkt das Gefühl, sie würde die Geschichte von echten Menschen beschreiben. Ihre Figuren sind bis ins kleinste Detail authentisch und dadurch natürlich unglaublich plastisch. Es wird hier aus drei Perspektiven (immer in der ersten Person Singular) erzählt. Zu erst sind es nur Rosa und Frank, aber nach wenigen Seiten kommt auch Davids Perspektive hinzu.

Auf Frank würden die Worte „stille Wasser sind tief“ wohl am besten passen. Er ist jemand, der lieber erst einmal beobachtet, anstatt zu handeln. Wenn er redet, findet er aber irgendwie doch ziemlich gewaltige Worte. Ich mochte es sehr, seine Gedanken zu lesen, weil er mir unglaublich viel über Menschen seiner Art verraten hat. Ich persönlich bin eher ein extrovertierter Mensch und finde den Umgang mit extrem introvertierten Menschen daher manchmal ein wenig kompliziert. Frank hat mir jedoch gezeigt, dass sich solche Menschen oft ihren Teil denken, anstatt ihn zu sagen, dass sie dadurch aber nicht weniger Meinung haben als jemand anderes. Frank ist außerdem ein kleiner Träumer, manchmal ein wenig naiv, aber nicht auf die nervige Art.

David, der schon lange Franks bester Freund ist, ist ganz anders als dieser. Er ist ein Frauenheld, ziemlich selbstbewusst, fast schon arrogant. Er kommt aus einem reichen Elternhaus und im Grunde ist sein ganzes Leben schon vorgeplant. Aber er hat es auch nicht leicht. Im Laufe der Geschichte erfährt man, was David schon alles so durchmachen musste und das ist ziemlich viel Mist. Er ist vielleicht die klischeebehafteste Figur, denn sind wir mal ehrlich, jemand wie David kommt in fast jedem New Adult-Roman vor, aber er ist trotzdem mein Liebling geworden. Denn irgendwie hat Anne Freytag es geschafft, ihm dennoch so viel Tiefe zu verleihen, dass sämtliche Klischees von ihm abfallen und man nicht das Gefühl hat, seine Story schon irgendwo anders mal gelesen zu haben.

Rosa ist das einzige Mädchen in der Runde und kannte weder Frank noch David vorher. Frank lernt sie im Hostel kennen und ist zuerst wenig begeistert, als David zu ihnen stößt. Rosa braucht die Reise als Reise zu sich selbst. Sie hat das Gefühl, sich selbst verloren zu haben und ist nun auf der verzweifelten Suche zurück zu sich. Ihren inneren Konflikt fand ich sehr gut dargestellt, ich konnte sie in vielerlei Hinsicht nachfühlen, fand ihre Reaktionen immer angemessen und realistisch. Ich dachte am Anfang, ich würde sie vielleicht am wenigsten mögen, weil ich oft mit den weiblichen Figuren meine Probleme habe, aber das ist hier zum Glück nicht eingetroffen.

Schreibstil

Ich halte es definitiv nicht für übertrieben, wenn ich sage, dass Anne Freytag mit den besten Schreibstil hat, den es aktuell so auf dem (deutschen) Markt gibt. Bei ihr stimmt einfach das Timing. Sie erzählt so geschickt, dass man nur so durch die Seiten fliegt, aber gleichzeitig will man auch jeden Satz zwei- oder gar dreimal lesen, weil sie einfach so wunderschön sind. Ich markiere mir nur sehr selten schöne Sätze in Büchern. Manche kleben sich ja gefühlt jedes Buch mit Post-It’s voll, da bin ich definitiv anders, aber bei „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ habe auch ich mir den ein oder anderen Satz markiert. Anne Freytag schreibt sich das Herz ihrer Leserinnen und Leser und sorgt dafür, dass man den Schreibstil in dem Buch, das man danach liest, automatisch als schlechter einstuft. Diese Frau hat es einfach drauf!

„Manchmal tut man Dinge, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Man weiß es davor, man weiß es währenddessen und man spürt es danach.“

Anne Freytag: Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte, S. 83

Fazit

Ich glaube, es ist ziemlich offensichtlich, dass mir „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ ziemlich gut gefallen hat. Es ist jetzt knapp vier Wochen her, dass ich es gelesen habe und ich denke immer noch über die Geschichte nach. Sie hat mich berührt und mich viel über Liebe und Freundschaft gelehrt. Und irgendwie auch über gesellschaftliche Normen, die man manchmal auch einfach mal brechen kann. Ich mochte das australische Setting überraschend gerne, habe die Figuren geliebt und den Schreibstil mal wieder vergöttert. Für mich gehört Anne Freytags vierter Roman definitiv in die Kategorie „Lieblingsbuch“ und hat auch auf Goodreads schon fünf Sterne von mir bekommen. Ich kann und möchte das Buch jedem ans Herz legen, auch wenn ihr vielleicht eigentlich keine Jugendbücher lest. Ich habe jetzt auch länger keinen mehr gelesen, aber bin SO dankbar, diesen gelesen zu haben.

Habt ihr „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ schon gelesen?

xoxo Ruth



6 thoughts on “REZENSION: Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte von Anne Freytag”

  • Das Buch kenne ich noch nicht! Nach ‚Mein bester letzter Sommer, das mir nicht wirklich gut gefallen hat, möchte ich der Autorin aber noch eine Chance geben, vielleicht ja mit ‚Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte’😊

    • Ich kenne „Mein bester letzter Sommer“ leider noch nicht, es liegt allerdings auf meinem SuB. Ich würde es einfach noch einmal versuchen, „Mein bester letzter Sommer“ war ja auch Anne Freytags Debüt, seitdem hat sie sich bestimmt gesteigert :)

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