REZENSION: Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu

REZENSION: Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu

Als ich 2019 auf der Frankfurter Buchmesse war, war ich auf der Signierstunde von Anne Freytag und Adriana Popescu. Von letzter hatte ich bis dato noch nichts gehört und habe mir dann noch in der Schlange einen Roman von ihr gekauft, und zwar „Mein Sommer auf dem Mond“. Anfang März habe ich ihn dann auch tatsächlich gelesen und möchte heute gerne meine Gedanken zu dem Buch mit euch teilen!

Infos zum Buch:

Titel: Mein Sommer auf dem Mond I Autorin: Adriana Popescu I Verlag: cbt I Seiten: 400 I Preis: 13,00€ (Paperback) I Erscheinungsdatum: 12. März 2018 I ISBN: 978-3-570-31198-1 I Zum Buch

Darum geht’s:

Cooler Sportler, niedliche Träumerin, lässiger Underdog und freche Sprücheklopferin – alles nur Fassade …
… und die müssen Fritzi, Bastian, Tim und Sarah aufgeben, als sie mit ihren tiefsten Geheimnissen im Therapiezentrum auf Rügen landen. Einen lebensverändernden Sommer lang werden die vier vom Schicksal zusammengewürfelt und ordentlich durchgeschüttelt. Dabei wachsen sie über sich hinaus, finden ihr wahres Selbst, großen Mut und entdecken die erste wahre Liebe … (Klappentext)

“ ‚Es sieht gar nicht aus wie eine…eine…‘ Meine Mutter betrachtet das große Gebäude vor uns und versucht dabei, die richtigen Worte zu finden. Schließlich zuckt sie stimm die Schultern. ‚Eine Klapse?‘ Mein Vorschlag bringt mir nur einen strengen Blick meines Vaters ein, der gerade meinen Koffer aus dem Auto hievt. ‚Es ist keine Klapse, Fritzi. Das ist eine Einrichtung, in der Jugendliche mit psychischen Problemen Hilfe finden.‘ Mama lächelt mich aufmunternd an, als wäre das nichts, wofür man sich in Grund und Boden schämen sollte, sondern ein hart erarbeiteter Erfolg: mit gerade mal sechzehn in die Therapie zu gehen.“

-Adriana Popescu: Mein Sommer auf dem Mond, S. 5

Handlung:

Der Leser begleitet die vier Jugendlichen Fritzi, Bastian, Tim und Sarah, wobei nur die ersten beiden tatsächlich zu Wort kommen und immer abwechselnd erzählen, während ihres Sommers in eine Therapiezentrum. Sie alle sind dort, weil sie an einer psychischen Erkrankung leiden. Außer bei Fritzi, die ihr Leiden direkt am Anfang bereits benennt, erfährt der Leser erst nach und nach, weswegen die anderen eigentlich dort sind. Angeschnitten werden dabei ziemlich ernste Themen wie Selbstmord, Mobbing oder auch ein Coming Out. Da bin ich auch schon direkt an meinem ersten Kritikpunkt: Der Roman beschäftigt sich mit psychischen Krankheiten, macht sie mit zum Hautptthema der Geschichte, aber bleibt dabei leider zu oberflächlich. Die Darstellung solcher Krankheiten empfinde ich als super schwierig. Nur wenigen Autoren gelingt es, Krankheiten, die man von außen meistens nicht sehen kann, so darzustellen, dass sie für den Leser nachvollziehbar werden. Dass man eben nicht das Gefühl bekommt „Oh Gott, die stellt sich aber an“. Das ist nicht nur für das Lesegefühl blöd, sondern verzerrt auch völlig das Bild von psychischen Erkrankungen. Wird das Thema gut behandelt, wird der Leser für Krankheiten dieser Art ein Stück weit sensibilisiert. Man wird verständnisvoller, erkennt, warum seelische Gesundheit so wichtig ist und wie schlecht es den Menschen geht, die eben nicht gesund sind. Wird das Thema schlecht umgesetzt, dann passiert genau das Gegenteil. Es werden noch mehr Vorurteile aufgebaut.

In „Mein Sommer auf dem Mond“ finde ich das Thema jetzt nicht furchtbar schlecht realisiert, aber ich hätte mir mehr gewünscht. Ich fand es sehr schwer, mich in die Figuren hineinzuversetzen und habe mich immer mehr von ihnen distanziert. Das fand ich sehr schade!

Süß fand ich allerdings die leichte Liebesgeschichte und das Sommerfeeling. Der Roman spielt in Deutschland, genauer gesagt auf Rügen, was ich mal eine überraschende Abwechslung fand. Oft spielen Geschichten deutscher Autoren entweder in deutschen Großstädten oder sogar im Ausland. Die Geschichte wirkte dadurch einfach ein bisschen näher und ich habe mich direkt an so manchen Sommerurlaub am Meer (in meinem Fall tatsächlich eher Nordsee, auch wenn Rügen natürlich in der Ostsee liegt) erinnert gefühlt. Das mochte ich sehr!

Figuren:

Wie eingangs erwähnt begleiten wir in diesem Roman vier Jugendliche. Sie alle sind erstmal Repräsentanten klassischer Stereotypen, wie sie ja auch bereits im Klappentext genannt werden. Schnell lernen wir aber, dass die Figuren mehr sind, als nur das. Sie alle haben ihr Päckchen zu tragen. Da ich nicht Spoilern möchte, welche der Charaktere an welcher Krankheit erkrankt ist (das würde die Spannung und auch irgendwie den Sinn des Buchs nehmen), kann ich hier nur recht oberflächlich auf sie eingehen. Manche machen innerhalb der Geschichte durchaus eine Entwicklung durch, anderer eher weniger. Fritzi beispielsweise, die ja eine der Erzähler ist, fand ich nicht so gelungen. Ich hatte oft Probleme, sie zu verstehen und ihre Gefühle nachzuvollziehen. Bei Bastian ist das schon eher gelungen, da er einfach ein bisschen „durchdachter“ wirkte als Fritzi. Generell hätte ich mir gewünscht, dass auch die anderen Figuren mal zu Wort gekommen wären. Tim kam mir noch recht nah vor, Sarah war aber sehr schwer zu verstehen. Ingesamt sind die männlichen Figuren in „Mein Sommer auf dem Mond“ gelungener als die weiblichen.

Schreibstil:

Da ich zuvor „Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte“ von Anne Freytag gelesen habe und ich Freytags Schreibstil absolut vergöttere, war ich hier erst ein wenig enttäuscht. Nur weil Adriana Popescu was den Schreibstil anbelangt meiner Meinung nach nicht mit Anne Freytag mithalten kann, heißt das nicht, dass ihr Schreibstil schlecht ist! Er ließ sich schnell und flüssig lesen, man fliegt als Leser quasi durch die Zeilen. An manchen Stellen schreibst sie erfrischend humorvoll und insgesamt ist ihr Schreibstil wirklich angenehm.

Fazit:

Insgesamt fand ich „Mein Sommer auf dem Mond“ von Adriana Popescu durchaus unterhaltend. Einige Schwächen tun sich leider durch die zu oberflächliche Darstellung psychischer Erkrankungen sowie die fehlende Nähe zu den Figuren auf. Überzeugend waren das Setting, das Sommergefühl, das das Buch vermittelt und der flüssige Schreibstil. Ich würde diesen Jugendroman als leichte Sommerlektüre empfehlen. Wer eine tiefgründige Beleuchtung von seelischen Beschwerden sucht, der sollte lieber zu einem anderen Buch greifen. Daher gehört das Buch für mich in die Kategorie „Für zwischendurch“ und wird mit drei Sternen bewertet!

Habt ihr „Mein Sommer auf dem Mond“ schon gelesen?

xoxo Ruth



2 thoughts on “REZENSION: Mein Sommer auf dem Mond von Adriana Popescu”

  • Das Buch kenne ich noch nicht! Danke für die Review, ich war mir anfangs unsicher, was man von der Geschichte erwarten kann, jetzt kann ich das Buch auf meine To Read Liste setzen, wenn ich mal Sommerfeeling brauche 😌

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