REZENSION: Clockwork Angel von Cassandra Clare

REZENSION: Clockwork Angel von Cassandra Clare

Ich muss leider gestehen, dass ich ein bisschen genervt war von (Urban) Fantasy-Geschichten. Ich habe im Februar zwei Romane des Genres begonnen, die mich leider beide nicht so wirklich überzeugen konnten. Und dabei hatte ich mich sowohl auf den zweiten Teil von „One Treu Queen“ als auch auf „Das neunte Haus“ von Leigh Bardugo ziemlich gefreut. Aber beide Bücher waren irgendwie so gar nicht mein Fall und ich wollte erstmal eine kleine Urban Fantasy Pause einlegen. Ich habe dann auch zwei Jugendbücher hinter einander gelesen, bis ich eines morgens urplötzlich auf die Idee kam, „Clockwork Angel“ von Cassandra Clare zu lesen. Meine Mutter, die Bibliothekarin ist, habe ich erstmal direkt gebeten mir die Reihe mitzubringen und noch am selben Abend habe ich den ersten Band der Chroniken der Schattenjäger gelesen. Die Reihe ist übrigens die Vorgeschichte zu den Chroniken der Unterwelt, die ich vor fünf Jahren mal sehr geliebt habe. Jedenfalls die ersten drei Bücher. Mittlerweile habe ich „Clockwork Angel“ gelesen und möchte heute meine Rezension dazu mit euch teilen.

Infos zum Buch:

Titel: Clockwork Angel I Autorin: Cassandra Clare I Genre: Urban Fantasy I Verlag: Arena I Seiten: 567 I Ersterscheinung Deutschland: Februar 2011 I Preis: 18,99€ (Hardcover), 14,99€ (Taschenbuch) I ISBN: 978-3-401-50799-6 I Zum Buch

Darum geht’s:

London, 1878. Ein mysteriöser Mörder treibt in den dunklen Straßen der Stadt sein Unwesen. Ungewollt gerät Tessa in den Kampf zwischen Vampiren, Hexenmeistern und anderen übernatürlichen Wesen. Als sie erfährt, dass auch sie eine Schattenweltlerin ist und zudem eine seltene Gabe besitzt, wird sie selbst zur Gejagten. Doch dann findet sie Verbündete, und zwar im Institut der Schattenjäger. Dort trifft sie nicht nur auf James, hinter dessen zerbrechlicher Schönheit sich ein tödliches Geheimnis verbirgt, sondern auch auf Will, der mit seinen Launen jeden auf Abstand hält – jeden, außer Tessa. Tessa ist völlig hin und her gerissen, und weiß nicht, wem sie trauen soll. Schließlich sind die Schattenjäger ihre natürlichen Feinde (Klappentext)

„Will grinste. ‚Manche Bücher sind gefährlich. Es empfiehlt sich also, vorsichtig zu sein‘, entgegnete er. ‚Bei Büchern empfiehlt es sich immer, vorsichtig zu sein.‘, konterte Tessa, ‚denn Worte haben die Macht, uns zu verändern.'“

Clare, Cassandra: Clockwork Angel, S. 108

Handlung:

Wie bereits am Anfang erwähnt ist „Clockwork Angel“ ein Prequel. Es ist also durchaus sinnvoll, zuerst die Chroniken der Unterwelt zu lesen, aber im Notfall geht es auch ohne Vorwissen. Denn natürlich wird auch hier die wundervolle Urban Fantasy-Welt, die Cassandra Clare geschaffen hat, ausreichend erklärt. Schauplatz ist das London des spätes 19. Jahrhundert, was mir unglaublich gut gefallen hat. Ich konnte mir die schmutzigen Straßen und das durch die dichte Wolkendecke immer leicht gräulich wirkende London super gut vorstellen. Die Fantasy-Elemente, also in dem Fall die Schattenjäger und die Schattenwesen passen meiner Meinung nach auch super in dieses Setting und wurden wunderbar eingewebt.

Die Handlung an sich ist spannend und teilweise auch echt unerwartet. Ich war echt manchmal überrascht, wenn es die Autorin mal wieder geschafft hat, eine falsche Fährte zu legen. Wir haben es hier wirklich mit Urban-Fantasy erster Sahne zu tun. Ich weiß jetzt wieder, warum ich dieses Genre so liebe! Danke, Cassandra Clare ❤️.

Figuren

Die Hauptfigur ist Tessa Gray. Sie ist von New York nach London gekommen, um ihren vermissten Bruder Nate zu suchen. Zu dem hatte sie stets eine tiefe Verbindung und vermisst ihn daher sehr. Zu Beginn ist sie noch recht ängstlich und unsicher. Ihr passieren eine Reihe blöder Dinge und sie hat am Anfang leichte Probleme, den Schattenjägern zu vertrauen. Im Verlauf der Geschichte blüht sie jedoch richtig auf. Sie entwickelt Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit, möchte sich hinter niemandem verstecken und ist ihre eigene Person. Auch die etwas veralteten Ansichten andere Figuren teilt sich nicht. Ich mochte Tessa wirklich gerne. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die ich gerne auf ihrer Reise begleite.

Will ist einer der männlichen Hauptfiguren. Er war mir teilweise ein echtes Rätsel. Mal nett, mal unausstehlich, aber immer mit einem lässigen Spruch auf den Lippen unterwegs. Er ist super verschlossen, spricht nicht über seine Gefühle und für Dinge, die er am Ende sagt bzw. tut hätte ich ihm gerne eine verpasst, aber das geht bei Buchfiguren ja leider nicht. Grundsätzlich ist Will natürlich der typische Bookboyfriend: gut aussehend, geheimnisvoll, ein bisschen ruppig. Aber solange man das gut umsetzt, habe ich kein Problem mit diesem Klischee. Und in „Clockwork Angel“ wurde es gut umgesetzt.

Dann gibt es noch Jem. Mit ihm bin ich irgendwie noch nicht so richtig warm geworden. Er schleppt eine schwere und auch sehr traurige Geschichte mit sich herum, aber trotzdem konnte ich mich bisher noch nicht so richtig für ihn erwärmen. Nach jetzigem Stand der Dinge bin ich jedenfalls eher Team Will und nicht Team Jem.

Dann gibt es eine Reihe von Neben- und Randfiguren. Von denen mag ich am liebsten Charlotte. Sie ist eine starke Frau, die in einer Zeit, in der Frauen nicht viel zu sagen hatten, eine Art Vorkämpferin für Frauenrechte ist. Ich fand sie echt toll! Ihr Mann Henry ist wohl so ziemlich die liebenswerteste Figur der Geschichte. Er ist ständig dabei, irgendetwas zu erfinden und hat für mich einfach diesen zerstreuter Professor-Charme. Wen ich nicht so mochte, was Jessamine, was vielleicht an ihren altmodischen Ansätzen und ihrer gesamten Vorstellung vom Leben liegt. Es gibt noch mehr Figuren, aber die kann ich jetzt nicht alle einzeln beschreiben. Ich kann aber sagen, dass sie alle ziemlich gut ausgearbeitet sind und irgendwie auch alle ihre eigene Geschichte haben. Wie echte Menschen eben auch.

In „Clockwork Angel“ gibt es auch ein Wiedersehen mit dem Hexenmeister Magnus Bane, was ich sehr mag, denn Magnus war schon immer eine der interessantesten Figuren im gesamtem Schattenjäger-Universum. Auch werdet ihr die Vorfahren einiger bekannter Figuren aus der Vorgänger-Geschichte kennenlernen. Die Lockwoods zum Beispiel spielen auch in der Vorgeschichte eine Rolle.

Noch ein paar Worte zu den Antagonisten: die fand ich wirklich alle sehr gut gemacht. Es gibt ganz verschiedene, aber sie alle haben, in meinen Augen, ihre Rolle als Bösewichte ziemlich gut gespielt. Ich bin heilfroh, dass sie alle nur Fiktion sind!

Schreibstil:

Ich hatte ehrlich gesagt schon vergessen, wie toll der Schreibstil von Cassandra Clare doch ist. Ich liebe ihre Art des Erzählens einfach! Hier hat sie die dritte Person gewählt und springt manchmal auch zu den anderen Figuren. Generell erzählt sie nicht so Figuren fokussiert, sondern eher wie ein klassischer Erzähler manchmal ein bisschen distanzierter. Es gelingt ihr dadurch aber trotzdem, ausreichend Innensicht auf die Figuren mit einzubringen. Meistens wird aus der Sicht von Tessa erzählt, aber die anderen Figuren kommen auch zu Wort. Oder aber der Erzähler tritt ganz aus den Figuren heraus und kommentiert das Geschehen von ein bisschen weiter weg. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, in dem das so war und es daher hier sehr genossen.

Die Sprache ist einigermaßen an die Zeit angepasst. Es wurde definitiv darauf geachtet, die Figuren möglichst authentisch sprechen zu lassen, was mir sehr gut gefallen hat. Das in Kombination mit dem etwas komplexeren Schreibstil hat das Lesen ein bisschen verlangsamt, aber das ist ja nicht weiter schlimm.

Fazit:

„Clockwork Angel“ hat mir super gut gefallen. Ich mochte die Story, die Figuren, das Setting, die Sprache und den Schreibstil sehr gerne. Man fühlt sich in der Geschichte wohl, Spannung wird direkt aufgebaut und man will unbedingt wissen, wie es weiter bzw. ausgeht. Dennoch hat mir irgendetwas gefehlt, weswegen ich nicht voll fünf Sterne geben kann. Die aufkeimende Liebesgeschichte zwischen zwei der Figuren kam mir ein kleines wenig zu kurz und ich hätte mir ein bisschen mehr Interaktion diesbezüglich gewünscht. Trotzdem kann ich jetzt schon sagen, dass die Chroniken der Schattenjäger ab sofort zu meinen Urban Fantasy-Favoriten gehören. Daher kommt „Clockwork Angel“ mit 4,5 von 5 Sternen immer noch in die Kategorie „Lieblingsbuch“.

Habt ihr „Clockwork Angel“ schon gelesen?

xoxo Ruth



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