REZENSION: Selection 1-3 von Kiera Cass

REZENSION: Selection 1-3 von Kiera Cass

Fast genau drei Jahre lang habe ich keinen dystopischen Roman mehr gelesen. Wir haben im Englisch LK in der Q1 eben solche Romane behandelt und das hat mir, einer eigentlich begeisterten Leserin dieses Genres, die Freude daran genommen. Ich hatte keine Lust mehr, auf immer das gleiche Schema. Auf kaputte Gesellschaften, die der aktuellen den Spiegel vorhalten wollen, auf den einen Protagonisten, der die Ungerechtigkeit des Systems als einziger durchblickt und rebelliert. Andere nerven Liebesdreiecke, mich haben eben Dystopien genervt. Doch dann habe ich den buchigen Teil von TikTok entdeckt und ständig wurde da die „Selection“-Reihe von Kiera Cass in die Kamera gehalten, eine dystopischen Jugendbuchreihe, die oft als Mischung aus „Der Bachelor“ und „Tribute von Panem“ beschrieben wird. Und so wurde ich „geinfluenced“. Ich hab jetzt die ersten drei Teile der Reihe innerhalb kürzester Zeit gelesen und möchte euch heute eine Sammelrezensionen präsentieren. Viel Spaß! Ich werde dabei so vorgehen, dass ich Figuren und Schreibstil zu allen drei Teilen zusammenfasse, die Handlung aber in drei Teile splitte. Bitte beachtet, dass dann dort auch Spoiler auftreten können. Ich werde jedoch versuchen, den Rest möglichst spoilerfrei zu gestalten.

Infos zum Buch:

Titel: Selection I Autorin: Kiera Cass I Verlag: Fischer I Genre: YA Dystopie I Seiten: 368 I Erstveröffentlichung Deutschland: 22.01.2015 I Preis: 9,99€ (Taschenbuch) I ISBN: 978-3-7335-0030-6 I Zu Teil 1

Die Chance deines Lebens? 35 perfekte Mädchen – und eine von ihnen wird erwählt. Sie wird Prinz Maxon, den Thronfolger des Staates Illeá, heiraten. Für die hübsche America Singer ist das die Chance, aus einer niedrigen Kaste in die oberste Schicht der Gesellschaft aufzusteigen und damit ihre Familie aus der Armut zu befreien. Doch zu welchem Preis? Will sie vor den Augen des ganzen Landes mit den anderen Mädchen um die Gunst eines Prinzen konkurrieren, den sie gar nicht begehrt? Und will sie auf Aspen verzichten, ihre heimliche große Liebe? (Klappentext)

Titel: Die Elite I Autorin: Kiera Cass I Verlag: Fischer I Genre: YA Dystopie I Seiten: 384 I Erstveröffentlichung Deutschland: 23.07.2015 I Preis: 9,99€ (Taschenbuch) I ISBN: 978-3-7335-0095-5 I Zu Teil 2

DAS GANZ GROSSE GLÜCK …? Von den 35 Mädchen, die um die Gunst von Prinz Maxon und die Krone von Illeá kämpfen, sind mittlerweile nur noch 6 übrig. America ist eine von ihnen, und sie ist hin- und hergerissen: Gehört ihr Herz nicht immer noch ihrer großen Liebe Aspen? Aber warum hat sich dann der charmante, gefühlvolle Prinz hineingeschlichen? America muss die schwerste Entscheidung ihres Lebens treffen. Doch dann kommt es zu einem schrecklichen Vorfall, der alles ändert. (Klappentext)

Titel: Der Erwählte I Autorin: Kiera Cass I Verlag: Fischer I Genre: YA Dystopie I Seiten: 384 I Erstveröffentlichung Deutschland: 25.05.2016 I Preis: 9,99€ (Taschenbuch) I ISBN: 978-3-7335-0096-2 I Zu Teil 3

35 perfekte Mädchen waren angetreten. Nun geht das Casting in die letzte Runde: Vier Mädchen träumen von der Krone Illeás und einer Märchenhochzeit. America ist noch immer die Favoritin von Prinz Maxon,doch auch ihre Jugendliebe Aspen umwirbt sie noch immer heftig. Sie zögert, denn sie liebt beide. Doch jetzt ist der Moment der Entscheidung gekommen: America hat ihr Herz vergeben, mit allen Konsequenzen. Komme, was wolle … (Klappentext)

Handlung Buch 1:

„Der Bachelor“ trifft auf „Tribute von Panem“ beschreibt ziemlich gut, worum es in „Selection“ geht. Nach dem vierten Weltkrieg existieren die Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr so, wie wir sie derzeit kennen, stattdessen gibt es den Staat Illeá – eine Monarchie, dessen Gesellschaft in acht verschiedene hierarchische Kasten gegliedert sind. Die Königsfamilie befindet sich in Kaste eins und genießt eine Menge Privilegien, je niedriger die Kaste, desto weniger Privilegien und auch desto ärmere Lebensverhältnisse. Ähnlich dem Distrikt-Prinzip in Panem. Um den Ehepartner des Thronfolgers zu bestimmen, gibt es in Illeá das Casting. Der Thronfolger darf dort aus 35 Mädchen aus theoretisch allen Kasten des Staates wählen, wen er zu seiner Königin machen möchte. Ganz wie beim Bachelor.

Die Protagonistin America kommt aus Kaste fünf, ihre Eltern sind Künstler. Eigentlich gegen ihren Willen, denn sie hat bereits heimlich einen Freund, nimmt sie schließlich doch am Casting teil. Denn alle Teilnehmer bekommen Geld geschickt und die Teilnehmer steigen automatisch in Kaste drei auf. Aus Liebe zu ihrer Familie und nicht weil sie die große Liebe finden möchte, nimmt sie also teil. Im Palast angekommen, sieht sie sich konfrontiert mit 34 anderen Mädchen, die alle unterschiedliche Ziele verfolgen und dem Prinzen Maxon, der irgendwie doch netter ist, als sie vermutet hatte.

In diesem ersten Teil der Reihe steht der Bachelor-Anteil klar im Vordergrund. Die dystopischen und damit eigentlich zu hinterfragenden Strukturen stehen im Hintergrund. Generell wirkt Illeá nicht so weit von den USA entfernt, wie andere Zukunftsvisionen dessen es oft sind. Es gibt keine technischen Neuerungen, dafür sind Computer fast ausgestorben. In höheren Kasten unterscheidet sich das Leben vermutlich kaum von unserem. Das fand ich im ersten Moment auch gar nicht so schlimm, weil so eben nicht mein typisches „Dystopieproblem“ entstanden ist. Und es gab mehr Identifikationsfläche mit dem Leben der Figuren. Auch hat mir die Idee mit dem Casting total gut gefallen. Ich bin eigentlich kein Fan vom Bachelor und gucke das höchstens mal zur Belustigung, aber hier hat mir das Prinzip gut gefallen. Und es war eine kreative und außergewöhnliche Idee. Die Geschichte ist auf jeden Fall spannend und unterhaltsam und macht den Leser nach jedem beendeten Kapitel neugierig auf das nächste.

Handlung Buch 2:

Buch zwei hat mir nicht so gut gefallen wie der Vorgänger. Es wurde nun deutlicher, wie ungerecht das System ist, aber es wurde mir zunächst zu wenig hinterfragt. Generell wirkte die ganze dystopische Welt auf mich nicht so ausgeklügelt, wie man es aus manch anderen Geschichten gewohnt ist. In der Mitte von „Die Elite“ hat sich dann zumindest der erste Punkt geändert. Durch ein einschneidendes Ereignis im Palast wird immer deutlicher, wie sehr der Staat Illeá seine Bürger terrorisiert und wie viel Macht er besitzt. Und auch, dass ein König nicht immer ein guter Mensch ist. Ich war teilweise wirklich geschockt von den Grausamkeiten, die der Staat seinen Bürgern antut. Auch in Band zwei gab es wieder Rebellenangriffe, die ich allerdings ein bisschen unrealistisch fand. In Illeá gibt es wohl zwei verschiedene Rebellengruppen, die Nord- und die Südrebellen. Und mehr oder weniger abwechselnd greifen sie den Palast an. Dass das einmal passiert, gehört natürlich zum Spannungsbogen, aber mehrere Angriffe fand ich irgendwie ein bisschen fragwürdig.

Im zweiten Teil ist mir dann auch nochmal bewusst geworden, warum ich eigentlich nie „Bachelor“ gucke. Mich stört einfach dieses ständige Besitzergreifen, die Eifersüchteleien und das übertriebene Drama. Das gibt es auch in „Die Elite“. Und manche andere Kandidatinnen haben mich wirklich auf die Palme gebracht! Zusätzlich entwickelt sich noch eine Art Liebesdreieck, denn America weiß nicht, ob sie sich in Prinz Maxon verliebt hat oder ob sie doch lieber ihre Jugendliebe Aspen zurück haben möchte, der plötzlich als Wachmann im Palast auftaucht.

Handlung Buch 3:

Nach dem ich am Ende vom zweiten Teil ziemlich aggressiv war (blöde, blöde Figuren waren der Grund dessen), bin ich mit einer deutlich negativeren Einstellung in „Der Erwählte“ gestartet als zuvor in „Die Elite“. Ich war ein bisschen genervt von den Figuren, von Maxon und America, aber auch von den Nebenfiguren. Die beiden hatten definitiv ein Vertrauensproblem und das hat sich auch über den ganzen Band gezogen. Das war zwar teilweise spannend, aber teilweise auch eher nervig. Obwohl America sich eigentlich für Maxon und gegen Aspen entschieden haben, hatten beide, aus mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen, Probleme, dem anderen ihre wahren Gefühle zu gestehen. Das sich dadurch entstehende Hin und Her hat mir nicht so gut gefallen.

Deutlich besser fand ich aber den Umgang mit der Gesellschaft Illeás. Im zweiten Teil wurde das ja bereits ab der Hälfte angedeutet, aber erst in Band drei wird wirklich deutlich gemacht, was in diesem scheinbar perfekten Staat alles schiefläuft. Auch wenn es ein bisschen an Komplexität mangelt, haben mir die Entwicklungen wirklich gut gefallen.

Figuren:

Die Protagonistin und Erzählerin in „Selection“ ist America Singer. Sie kommt aus der fünften Kaste und soll eigentlich Sängerin werden. Sie hat von Anfang an einen starken, eigenen Willen, doch nutzt ihn erst ab Mitte des zweiten Bandes wirklich. Ab da wird sie auch zur typischen Protagonistin einer Dystopie, was mich aber überraschenderweise nicht so sehr gestört hat, wie befürchtet. America lässt sich nicht den Mund verbiegen, nicht mal vom König und das fand ich sehr bewundernswert. Ihren inneren Konflikt und ihr ewiges Hin und Her zwischen Maxon und Aspen konnte ich hingegen nicht ganz so gut verstehen. Und wenn sie von Anfang an ehrlich zu sich selbst und auch zu manchen anderen Figuren gewesen wäre, hätte ihr das eine Menge an Ärger erspart. Aber grundsätzlich war sie eine gute und im Großen und Ganzen auch sympathische Protagonistin, deren Geschichte man gerne verfolgt hat.

Maxon ist der Prinz von Illeá und soll beim Casting eine Frau und gleichzeitig die künftige Königin finden. Ich hatte mir Maxons Charakter ein wenig anders vorgestellt, einfach nicht so nett. Er ist durch und durch ein gutgläubiger Mensch. Er hegt gegen niemanden einen Groll, ist freundlich und zuvorkommend und glaubt an die große Liebe. Maxon ist ein Prinz Charming. Er ist Märchenprinz durch und durch. Und daher leider auch ein bisschen langweilig. Ich hätte mir oft gewünscht, dass er mal einen echten Fehler macht oder mal wütend und nicht immer nur enttäuscht ist. Am Ende von Teil drei hat er dann allerdings tatsächlich noch so einen Moment. Für viele ist Maxon der ultimative Bookboyfriend und obwohl es erfrischend war, mal einen wirklich netten Mann präsentiert zu bekommen, ist er für mich kein Bookboyfriend geworden. Aber das macht ihn nicht zu einer schlechten Figur und ich kann auch wirklich nachvollziehen, warum viele ihn so lieben.

Dann gibt es noch Aspen, mit dem America früher zusammen war. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, habe ich keine wirkliche Meinung zu Aspen. Er hat keinen echten Charakter und ist dadurch ein bisschen negativ aufgefallen, als er zu America sagte, sie habe nicht das Zeug dazu, Prinzessin bzw. Königin zu sein. Ähm Hallo?? Aber ansonsten erfährt man einfach zu wenig über ihn, um ihn richtig bewerten zu können.

Die anderen Kandidatinnen sind charakterlich ziemlich durchmischt und einige sind ja auch nicht lange in die Handlung eingebunden, da Maxon sie früh nach Hause schickt. Am wichtigsten für die Geschichte sind, neben America, Marlee, Celeste, Elise, Natalie und Kriss. Unter ihnen gibt es ganz unterschiedliche Charaktereigenschaften. America versteht sich am besten mit Marlee, Celeste verkörpert die typische Antagonistin. Sie ist die Zicke. Aber irgendwie mochte ich sie, jedenfalls mehr als Kriss. Aber warum das so ist, kann ich leider nicht verraten ;).

Americas Familie besteht aus zwei Eltern und fünf Kindern, wobei die beiden Älteren bereits ausgezogen sind. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, Americas kleiner Bruder Gerad sei vergessen worden, wurde dann aber doch wieder in die Handlung integriert. Meine Lieblingsperson von den Singer war der Vater, der ein unglaublich gutes Gespür für seine Kinder besitzt und America in allem, was sie tut, bedingungslos unterstützt.

Und dann hätten wir da noch das Königspaar, König Clarkson und Königin Amberly. Die Königin wird von den anderen Figuren immer in den Himmel gelobt, ich fand sie ein wenig blass und ohne wirklichen Charakter. Der König hingegen hat einen Charakter, aber seinen wahren lernt man erst im zweiten Teil kennen. Aber ich kann euch so viel verraten: Clarkson war definitiv NICHT meine Lieblingsfigur.

Sprache und Schreibstil:

Den Schreibstil habe ich als recht schlicht empfunden. Es gab keine besonderen Ausschmückungen auf sprachlicher Ebene, aber die Geschichte lässt sich schnell und leicht lesen. Man stolpert über keine komplizierten Begriffe und kann die Handlung ungestört auf sich wirken lassen. Sicherlich gibt es bessere Schreibstile, aber ich war im großen und ganzen zufrieden, vor allem weil mein Lesefluss so unterstützt werden konnte und ich förmlich durch die Zeilen geflogen bin. Ich habe tatsächlich ziemlich schnell gelesen, was bei mir eher selten ist, ich lese eigentlich relativ langsam.

Fazit:

Insgesamt haben mir die ersten drei Teile der „Selection“-Reihe von Kiera Cass gut gefallen. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, die Liebesgeschichte war süß und America eine wirklich starke Figur. Die dystopische Welt war mir an ein paar Stellen nicht ausgeschmückt genug und ich hätte mir ein bisschen mehr Erklärungen gewünscht. Ich denke allerdings, dass man die Reihe auch nicht unbedingt wegen der Gesellschaftskritik liest. Vielen LeserInnen geht es vermutlich eher um die Liebesgeschichte bzw. den Bachelorkonflikt. Manchmal waren mir Passagen oder Gespräche zu kitschig und ich habe mich auch teilweise etwas zu alt für die Geschichte gefühlt. Wäre ich jünger gewesen, hätte ich bestimmt fünf Sterne gegeben, so gebe ich jetzt einen weniger. Einzeln betrachtet bekommen der erste und der dritte Teil jeweils vier Sterne, der zweite 3,5. Es gibt übrigens noch zwei weitere Teile, die thematisieren allerdings andere Figuren und ich habe momentan nicht das Bedürfnis, deren Geschichte zu lesen. Aber vielleicht ändert sich das ja auch noch.

Habt ihr „Selection“ schon gelesen?

xoxo Ruth



6 thoughts on “REZENSION: Selection 1-3 von Kiera Cass”

  • Ich bin jetzt beim dritten Teil angekommen. Aber ich pausiere grad da ich ein neues Buch begonnen hab, bevor der dritte Teil ankam. Es gefällt mir bis jetzt ganz gut und ich bin schon gespannt wie es weiter geht. Ich find diese Bachelor artige Story interessant .

  • Ich habe die gesamte Reihe als Teenie gelesen und mochte sie eigentlich auch ganz gerne. Wenn man mit nicht zu hoher Erwartung Richtung Gesellschaftskritik an die Büchef herangeht sondern eher mit einer recht kitschigen Drama-Bachelor-Serie rechnet, dann erfüllt sie alle Voraussetzungen 😅 Manchmal lese ich solche eher niveaulosen Serien ganz gerne, sie unterhalten ganz gut und lassen sich einfach schnell herunter lesen. Bei Selection speziell mochte ich die Idee vorallem die Beachreibungen der Kleider und der diversen royalen Events des Castings, das gab ein schönes Märchengefühl, wobei mich ebenfalls manche Figuren und auch die Dreiecksgeschichte zunehmend genervt hat!

    • Ja, da kann ich dir nur zustimmen! Die Reihe ist nicht sonderlich tiefgründig oder gesellschaftskritisch, aber sie unterhalten irgendwie und sind ein angenehmer Begleiter!
      Liebe Grüße

  • Die Reihe habe ich nicht gelesen, und wenn ich ehrlich bin, interessiert mich die Geschichte Null! Mit „der Bachelor“ kann ich nichts anfangen und eine Königsfamilie in der Zukunft hört sich auch nicht nach einem Thema an, dass mir gefallen könnte… da hätte ich mehr Lust auf den gesellschaftskritischen Teil in der Geschichte, aber wenn der nicht so viel Raum bekommt, ist die Reihe wohl oder übel nichts für mich!

    • Ich glaube, da hast du ganz richtig erkannt, dass die Geschichte dann tatsächlich nichts für dich sein könnte😅. Also ich mag „Der Bachelor“ auch nicht wirklich, aber vermutlich dann doch noch mehr als du ;)
      Liebe Grüße
      Ruth

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