LIFEUPDATE #11: Online-Semester, Ausflüge und Rassismus

LIFEUPDATE #11: Online-Semester, Ausflüge und Rassismus

Mein letztes Lifeupdate ist noch gar nicht so lange her. Am 15. April veröffentlichte ich die zehnte Ausgabe meines virtuellen Tagebuchs, heute ist der 6. Juni, nicht ganz zwei Monate sind vergangen. Aber es gibt tatsächlich einiges zu berichten bzw. einige Themen die ich einfach gerne ansprechen möchte. Und das mache ich nun mal am liebsten im Lifeupdate. Viel Spaß!

Wie es mir mit dem Online-Semester ergeht

Am 15. April hatte das Semester noch gar nicht angefangen und ich dementsprechend keine Erfahrungswerte zum Online-Semester. Das hat sich jetzt geändert und ich muss sagen, dass ich es gar nicht so schlimm finde. Außer in einem Kurs habe ich alle meine Veranstaltungen über Zoom. Und das funktioniert erstaunlich gut. Natürlich kommt es keiner Veranstaltung im „echten“ Leben gleich, aber ich halte es für eine gute Alternative. Derzeit habe ich in besagten Veranstaltungen nicht das Gefühl, einen Nachteil zu haben. Im Gegenteil. Die Dozenten sind um einiges verständnisvoller als in normalen Semestern. Durch die Online-Veranstaltungen habe ich zusätzlich auch noch ein enormes Zeitersparnis. Ich brauche für eine Strecke von mir zuhause bis zur Uni zwischen 50 und 60 Minuten (da sind jetzt aber alle Wartezeiten und Fußwege mit einberechnet). Das ist, würde ich jetzt mal sagen, nicht wenig, aber im Vergleich zu vielen anderen noch absolut okay. Die Uni liegt einfach nur ziemlich ungünstig, aber ich habe eigentlich trotzdem kein Problem mit der Anfahrt. Dennoch freue ich mich natürlich über die fast zwei Stunden Zeit, die ich durch das Online-Semester gewonnen habe. Am Anfang des Semesters muss ich allerdings sagen, dass ich ein bisschen viele Aufgaben zu erledigen hatte. Jedenfalls kam mir das so vor. Mittlerweile hat sich allerdings alles eingependelt und ich habe meine Routinen gefunden, sodass ich derzeit relativ entspannt durch das Semester gehe. Ich hoffe allerdings trotzdem, dass die kommenden Semester wieder einigermaßen normal stattfinden können. Das klassische Campusleben und die echte Interaktion mit Kommilitonen und Dozenten fehlt mir nämlich tatsächlich.

Back to work

Seit zwei Wochen arbeite ich auch wieder. Wie viele von euch sicherlich wissen, arbeite ich in einem recht bekannten Dekorationsunternehmen und konnte, aufgrund der durch Corona bedingten Geschäftsschließungen etwas mehr als zwei Monate nicht arbeiten. Eigentlich wäre es ein bisschen weniger gewesen, da die Geschäfte ja erst Mitte März geschlossen wurden, ich aber dummerweise vorher zwei Wochen mit einer Mandelentzündung flach lag. Jetzt bin ich aber ganz froh, endlich wieder arbeiten zu können. Es ist ein großer Schritt in Richtung Alltag und Normalität. Auch wenn man mit Maske arbeiten und ständig auf den nötigen Abstand achten muss. Aber immerhin ist es ein Anfang und das Geld finde ich jetzt auch nicht schlecht ;).

Das Drama eines Urlaubs

Wir hatten für diesen Sommer eine USA-Reise geplant. Erst ein paar Tage New York, dann ein West Coast-Roadtrip. Tja, und dann kam Corona. Wir hatten uns bereits dazu entschieden, die Reise zu stornieren und sogar schon eine Alternative innerhalb Deutschlands gebucht, als uns unserer Reiseveranstalter mitteilte, es sei nicht möglich, die Flüge zu stornieren. Die Flüge sind der mit Abstand teuerste Teil der Reise und wir waren als Familie nicht bereit, diese hohe Summe an Geld zu zahlen, ohne dafür etwas zu bekommen. Also haben wir unsere Stornierung zurückgenommen und warten jetzt. Darauf, dass die Reisewarnung für Reisen außerhalb der EU aufgehoben oder verlängert wird und darauf, ob die USA ihr Einreiseverbot vor Beginn unserer Reise aufheben. Sollte das nicht der Fall sein, dann bekommen wir unser Geld zurück. Wenn nicht, dann fliegen wir. Für mich ist das ein komisches Gefühl. Meine Traumreise ist zum Greifen nah, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit können wir sie nicht antreten. Für den Fall dass doch, müssen wir allerdings trotzdem planen. Packlisten schreiben, uns überlegen, was wir alles unternehmen wollen, das Visum beantragen etc. Es ist ein seltsames Gefühl, aber damit muss ich jetzt irgendwie umzugehen lernen. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden!

Ausflug zur Burg Eltz

An Pfingsmontag haben wir einen Ausflug zur Burg Eltz gemacht. Diese ist etwa 1h 15min von Köln entfernt und daher gut für einen Tagesausflug geeignet. Letztes Jahr waren wir ja schon bei der Geierlay-Brücke, die gar nicht so weit weg von der Burg ist und dieses Jahr wollten wir dann auch die Burg bzw. deren Umgebung erkunden. Wir haben uns gegen eine Burgbesichtigung entschieden und lieber nur diese Wanderung gemacht. Diese führt durch unterschiedliche Landschaften (Wald und Feld) und vorbei an der prächtigen Burg Eltz. Wir persönlich haben die Wanderung allerdings in der Mitte und nicht am Anfang begonnen (es ist eine Rundwanderung, daher ist das ja egal). Die Burg Eltz liegt nämlich ziemlich in der Mitte, wir wollten sie allerdings so früh wie möglich sehen, um nicht mit 100 anderen Touristen davor zustehen. Und ich sage euch, das war eine geniale Idee! Wir waren gegen halb 9 am Parkplatz, von wo aus man noch etwa 15min bis zur Burg läuft. Als wir dort ankamen, waren außer uns nur eine Handvoll anderer Menschen dort. Als wir am Ende der Wanderung noch einmal an der Burg vorbei kamen, sah das schon ganz anders aus. Wir konnten ungestört unsere Fotos machen und dann zur Wanderung aufbrechen. Ein weiterer Vorteil des frühen Starts war außerdem, dass es dann noch nicht so warm war. So war die Wanderung wirklich schön und angenehm. Wenn ihr sie auch machen wollt, würde ich euch allerdings dringend empfehlen, entsprechendes Schuhwerk (Wanderschuhe!) anzuziehen. Die Wanderung ist 12,6km lang und wird auf der Website mit „mittel“ ausgezeichnet. Es geht doch einige Male auf und ab und das teilweise recht steil. Da braucht man einfach Schuhe, die dem standhalten. Dennoch hat mir der Ausflug sehr viel Spaß gemacht und es hat sich ein bisschen wie Urlaub angefühlt!

Die schwerste Prüfung?

Die bisherigen Prüfungen in meinem Studium haben mir keine Probleme bereitet. Ich habe immer alles direkt im ersten Versuch bestanden und die Noten waren auch immer entsprechend. Nun steht am Mitte Juli allerdings eine Prüfung an, die mir wirklich Angst macht. Ich studiere ja Geschichte und an der Uni Köln braucht man dafür das Latinum. In der Schule hatte ich allerdings Französisch. Also musste ich das Latinum an der Uni nachholen. Und jetzt stehe ich kurz vor der Abschlussprüfung. Im Januar habe ich zwar bereits eine Art Zwischenprüfung gemacht und diese auch mit einem halben Fehler bestanden (womit ich kurz vor der Klausur allerdings überhaupt nicht gerechnet hatte), aber in der Klausur ging es auch um die Übersetzung eines Textes von Caesar. In der Abschlussprüfung übersetzen wir Cicero. Und ich sage euch, das ist nochmal etwas ganz anderes. Mit dem Niveau der Schulprüfung ist diese Latinumsprüfung schwer zu vergleichen, sie liegt irgendwo zwischen der Klausur am Ende der EF und einer Abiturklausur in Latein. Also jedenfalls der Übersetzungsteil. Zum Glück ist meine Klausur eine reine Übersetzungsklausur, eine Freundin von mir braucht Latein auf einem noch höheren Niveau und muss eine Kombiprüfung aus schriftlicher Übersetzung und mündlicher Prüfung bei der Bezirksregierung machen. Da bin ich noch ganz gut dran. Angst vor der Klausur habe ich dennoch. Mal habe ich nämlich das Gefühl, eigentlich ganz sicher in meinen Lateinkenntnissen zu sein, mal eben nicht. Und das ist ein Gefühl, das ich so nicht wirklich kenne. Aber naja, ich werde einfach versuchen, das beste aus der Klausur rauszuholen, damit ich diesen eher unerfreulichen Teil meines Studiums endlich abschließen zu können.

Ein paar Gedanken zu Rassismus

Abschließen möchte ich diesen Beitrag gerne mit ein paar Gedanken zum Thema Rassismus. Auch vor der Ermordung George Floyds durch einen Polizisten in den USA gab es dort bereits häufiger Vorfälle von Polizeigewalt gegen schwarze Menschen (Ich entscheide mich in diesem Beitrag für die Bezeichnung „schwarz“, weil das, laut meiner Recherche, die präferierte Ausdrucksweise ist). Doch dieses Mal ist das Fass irgendwie zum Überlaufen gekommen. Weltweite Proteste, Spendenaufrufe und Aktionen in den sozialen Medien rufen dazu auf, endlich etwas an dem immer noch gegenwärtigen Rassismusproblem in den USA, aber auch weltweit, zu ändern. Und das finde ich so, so gut! Rassismus ist etwas, das ich nicht verstehe. Für mich sind alle Menschen gleich. Egal, welche Hautfarbe, Nationalität, Religion, sexuelle Orientierung oder welches Geschlecht sie haben. Es gibt keine biologische Grundlage bzw. Rechtfertigung für Rassismus und in meinen Augen sollte es auch keine soziale geben.

Und obwohl ich das denke, bin auch ich nicht ganz frei von Rassismus. Jedenfalls nicht von Alltagsrassimus, der weißen Menschen vielleicht gar nicht mehr auffällt, weil er uns aktiv nicht betrifft bzw. nicht zu unserer Realität gehört, aber er ist dennoch da. Ich schäme mich dafür, dass ich mich schon mal gewundert habe, warum jemand, der auf den ersten Blick vielleicht nicht „deutsch“ aussieht, perfekt deutsch kann. Dass ich mich frage, wo die Leute „ursprünglich“ her kommen. Ich dachte, ich zeige damit Interesse, aber nein, eigentlich ist die Frage ziemlich herablassend. Erstens ist es ziemlich privat und dann ist die Frage mit einer ganze Menge Leid verknüpft: Sklaverei, Verschleppung, Vertreibung, Flucht – das alles schwingt in dieser Frage mit, ohne dass ich es bemerkt habe. Und dafür schäme ich mich. Oder auch dafür, dass ich, wenn ich selbst schreibe, immer nur Geschichten über weiße Menschen schreibe. Noch nie habe ich mir eine Figur überlegt, die dunkle Haut hat oder vielleicht nicht aus Europa oder Nordamerika stammt. Aber das will ich jetzt ändern. Ich will mich informieren, um auch die letzten rassistischen Gedanken, egal wie unterbewusst sie waren, aus meinem Kopf zu verdrängen. Und ich will mehr darüber sprechen. Vor zwei Jahren habe ich „The Hate U Give“ von Angie Thomas gelesen, das Buch hat mich damals aufgrund der Theamatik schwer beeindruckt und jetzt ist es aktueller denn je. Das hat mich damals schon ein ganzes Stück weitergebracht, aber ich bin immer noch nicht am Ziel. Vielleicht ist man das nie, aber man sollte niemals aufhören, sich diesbezüglich weiterzubilden. Aktuell lese bzw. höre ich „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters und ich finde es so, so wichtig! Außerdem habe ich Geld gespendet. Denn das ist das, was ich tun kann. Mich informieren, mich weiterbilden, spenden, über das Thema reden, mein Wissen verbreiten und Menschen unterstützen, die sich aktiv gegen Rassismus einsetzen. Wir sind alle gleich. Und daher sollten wir auch alle gleich gut behandelt werden. Von der Polizei und von den Mitbürgern.

„Und genau da liegt das Problem. Wir lassen zu, dass Leute solche [rassistischen] Dinge sagen, und dann sagen sie die so oft, dass es für sie total okay und für uns normal ist. Wozu hat man eigentlich eine Stimme, wenn man in den entscheidenden Momenten schweigt?“

– Thomas, Angie: The Hate U Give. München 2017, S. 288

Wie geht es euch aktuell?

xoxo Ruth



2 thoughts on “LIFEUPDATE #11: Online-Semester, Ausflüge und Rassismus”

  • Dass ihr die Reise stornieren wolltet, habe ich noch mitbekommen und es tut mir echt leid, dass ihr da jetzt in so einer unsicheren Situation seid 😣 so eine Reise sollte etwas aufregendes und Tolles sein, auf das man sich freuen kann und nichts, bei dem man nicht weiß, ob es nicht vielleicht besser ist, sie erstmal nicht zu machen! Ich hoffe, du und deine Familie bekommt noch das Ende, das ihr euch wünscht 💓

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