REZENSION: V is for Virgin von Kelly Oram

REZENSION: V is for Virgin von Kelly Oram

Kaum ein Buch hat auf Bookstagram, Booktube oder den Buchblogs in letzter Zeit so viel (negative) Aufmerksamkeit bekommen wie „V is for Virgin“ von Kelly Oram. Das neuste Buch der „Cinder & Ella“-Autorin stand vor Erscheinungstermin auch schon auf meiner Leseliste. Die sehr gespaltenen Meinungen, die dann im Netzt kursierten, haben mich skeptisch gemacht, mich dann aber auch davon überzeugt, das Buch doch zu lesen, um mir meine eigene Meinung bilden zu können. Wie diese ausgefallen ist, könnt ihr in der heutigen Rezension lesen!

Infos zum Buch:

Titel: V is for Virgin I Autorin: Kelly Oram I Verlag: One I Genre: Young Adult I Seiten: 336 I Erstveröffentlichung Deutschland: 29.05.2020 I Preis: 12,90€ I ISBN: 978-3-8466-0098-6 I Zum Buch

Darum geht’s:

Val Jensen wird von ihrem Freund verlassen – weil sie mit dem Sex bis zur Ehe warten will. Als ihre Geschichte über YouTube viral geht, wird sie unter dem Namen Virgin Val landesweit bekannt. Das Chaos scheint perfekt, als schließlich Rockstar Kyle Hamilton vor ihr steht: Der Sänger der Boyband Tralse hat es sich nämlich zum persönlichen Ziel gemacht, sie zu verführen. Womit Kyle allerdings nicht gerechnet hätte: Val bereitet ihm ganz schönes Herzklopfen … (Klappentext)

„Ich wusste, dass es so kommen würde. Als Zach mir sagte, dass seine Eltern das Wochenende über nicht in der Stadt wären, und mich fragte, ob ich rüberkommen und mit ihm einen Film ansehen wolle oder so was, wusste ich, an was er eigentlich dachte.“

Oram, Kelly: V is for Virgin. Köln 2020, S. 7.

Handlung:

„V is for Virgin“ behandelt das Thema Jungfräulichkeit und wie es ist, mit dem Sex bis zur Ehe warten zu wollen. Dabei liegt der Grund für die Entscheidung der Protagonistin, warten zu wollen, nicht bei religiösen, sondern persönlichen Gründen. Jungfräulichkeit ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft fast schon ein Tabuthema ist, dabei ist eigentlich absolut nichts verwerfliches daran, jeder war schließlich mal Jungfrau. Es ist auch nicht verwerflich, Jungfrau bleiben zu wollen bzw. bis zur Ehe zu warten. Aber es ist auch nicht verwerflich, eben nicht warten zu wollen. Und Sex zu haben. Leider ist der Autorin der Spagat zwischen diesen unterschiedlichen Auffassungen nicht gelungen. Es werden durchaus gute Ansätze vertreten: denn das Buch spricht sich durchaus für eine Öffnung der Gesellschaft aus, die Jungfräulichkeit nicht als Tabu ansieht bzw. etwas, über das man einfach nicht spricht, sondern sie dafür sensibilisiert, dass es okay ist zu warten und dass man sich nicht zum Sex drängen lassen sollte, wenn man noch nicht bereit ist. Dabei verfehlt das Buch jedoch vollkommen, auch die andere Seite zu berücksichtigen. Nicht alle Teenager, die sexuell aktiv werden, werden zu früh aktiv. In dem Buch wird das aber, jedenfalls unterschwellig, so dargestellt. Es wird regelrechtes Slutshaming betrieben, was ich absolut nicht okay finde.

Die Lovestory war für mich teilweise leider nicht nachvollziehbar. Ich konnte kaum Anziehung zwischen den Figuren spüren und warum eine Seite der anderen quasi komplett „verfallen“ ist, war für mich unrealistisch und ausschließlich auf Oberflächlichkeit beruhend. Es gab auch einfach zu viele Interessenten, die um Valerie gebuhlt haben, sodass schließlich sogar ein Liebesdreieck entstanden ist, mit dem ich erstens nicht gerechnet hätte und das ich auch zweitens nicht stimmig fand.

Insgesamt war mir leider die gesamte Handlung zu oberflächlich und auch irgendwie zu kindisch. Vielleicht bin ich mittlerweile zu alt für Young Adult-Geschichten, die nicht von vornherein mit Tiefgang rezipiert werden.

Figuren:

Die Protagonistin von „V is for Virgin“ ist Valerie Jensen. Ihre Entscheidung, mit dem Sex zu warten ist eine vollkommen individuelle, die ich auch in keinster Weise kritisieren möchte. Ich fand es sogar sehr gut, dass sie die ganze Zeit über strikt für ihre Meinung einsteht und nicht einknickt. Da zeigt sie echte Größe und Charakterstärke. Weniger gut finde ich jedoch ihren Umgang mit Menschen, die eben nicht warten wollen. Sie schert alle, die Sex haben, über einen Kamm und differenziert nicht. Mit ihrer besten Freundin geht sie sehr schlecht um und generell hat sie in meinen Augen ein komisches Verhältnis zu Freundschaft. Auch hat mich gestört, dass es ihr scheinbar wichtiger war, beliebt zu sein, als mit ihrer eigentlich besten Freundin Caro Zeit zu verbringen. Da konnte ich Cara sehr gut verstehen, dass sie sich irgendwann von Valerie abgewandt hat.

Die männliche Hauptfigur, die aber nicht selbst zu Wort kommt, ist Kyle Hamilton. Für mich eine absolut furchtbare Person. Selten habe ich eine Buchfigur erlebt, die so sehr auf Sex fokussiert ist und Valerie quasi nur durch ihren Körper sieht. Er nennt sie „Legs“, da sie lange Beine hat und betrachtet sie bei vielen Stellen eher wie ein Stück Fleisch, statt wie einen Menschen. Am Ende zeigt er zwar ein wenig, dass er auch anders sein kann, aber dennoch hat er einen viel zu oberflächlichen Charakter, den ich nicht nachvollziehen kann.

Zu den restlichen Figuren kann ich kaum etwas sagen, da sie alle ziemlich blass bleiben. Sie wirken ein bisschen wie aus einem Katalog für Buchfiguren entnommen und auch ihre vermeintlichen Ecken sind eigentlich bloß langweilig. Für mich waren die Figuren daher ein weiterer Punkt in „V is for virgin“, der mir nicht gut gefallen hat.

Schreibstil:

Der Schreibstil lässt sich flüssig und schnell lesen, ist dabei aber weder sprachlich noch inhaltlich sonderlich ausgeschmückt. Beschreibungen bleiben viel zu oberflächlich. Ich erinnere mich beispielsweise auch gar nicht daran, wie eine andere Figur außer Valerie einmal äußerlich beschrieben wurde. Für „Kino im Kopf“ reichen weder Schreib- noch Erzählstil leider einfach nicht aus.

Fazit:

Abschließend muss ich gestehen, dass ich mich leider in die Reihe negativer Rezensionen zu „V is for Virgin“ einreihen. Mir war die gesamte Geschichte viel zu oberflächlich. Sowohl der Schreib- und Erzählstil, als auch die Figuren, ganz zu Schweigen von der viel zu einseitigen Auseinandersetzung mit dem Thema Jungfräulichkeit. Ein jüngeres Publikum, das vielleicht ebenfalls den Druck verspürt, Sex haben zu müssen, obwohl es eigentlich noch gar nicht gewollt ist, finden in diesem Buch vielleicht Identifikation, aber für etwas ältere ist das Buch glaube ich eher nicht so gelungen. Ich finde es wirklich schade, denn ich hatte mich auf die Geschichte gefreut. Insgesamt gebe ich zwei von fünf Sternen, da durchaus Potenzial da war und ich es gut fand, dass Valerie sich nicht unterkriegen lässt, für mehr hat es aber leider nicht gereicht.

xoxo Ruth

Habt ihr „V is for Virgin“ schon gelesen?



2 thoughts on “REZENSION: V is for Virgin von Kelly Oram”

  • Ich hatte mich auch mal auf die Geschichte gefreut, aber nach deiner Rezension kann ich mich getrost den anderen Büchern auf meinem SUB zuwenden 🤷🏼‍♀️ es hört sich auf keinen Fall danach an, als ob mir das Buch gefallen könnte und ich fühle mich auch gleich mal zu alt für Young-Adult, das sich nur mit Teenie-Klischees befasst 🙆🏼‍♀️

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