REZENSION: Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag

REZENSION: Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag

Auf der Frankfurter Buchmesse 2019 war ich bei der Autogrammstunde von Anne Freytag. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt erst ein Buch von ihr gelesen, nämlich „Nicht weg und nicht da“ (in meinen Augen auch ihr allerbestes Buch). Meine Liebe für die Autorin war aber bereits entfacht und so habe ich mir noch auf der Messe ein weiteres Buch von ihr gekauft: „Mein bester letzter Sommer“. Bis ich diesen Roman, den ich eigentlich ja als zweites ihrer Bücher lesen wollte, gelesen habe, kamen noch zwei von ihr dazwischen, aber inzwischen habe ich auch ihren ersten Jugendroman gelesen. Meine Rezension gibt es heute.

Infos zum Buch:

Titel: Mein bester letzter Sommer I Autorin: Anne Freytag I Verlag: Heyne fliegt I Genre: Young Adult (Jugendbuch) I Seiten: 368 I Erstveröffentlichung Deutschland: 08.03.2016 I Preis: 14,99€ (Hardcover) I ISBN: 978-3-453-27012-1 I Zum Buch

Darum geht’s:

Wann du die große Liebe triffst, kannst du dir nicht aussuchen. Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind … (Klappentext)

„Ich dachte, sterben ist einfach. Ich dachte, es geht schnell. Wie geboren werden, nur rückwärts. Aber die Wahrheit ist, ich hatte keine Ahnung. Mein ganzes Wissen ist nichts wert. Man lernt in der Schule nicht, wie sterben geht. Man lernt es nicht in Filmen oder Büchern. Wenn es darum geht, ist man allein.“

Freytag, Anne: Mein bester letzter Sommer. München 2016, S. 11.

Handlung:

In „Mein bester letzter Sommer“ wird die Geschichte von Tessa und Oskar erzählt. Tessa und Oskar, die sich unsterblich ineinander verlieben. Tessa und Oskar, die nur einen Sommer zusammen haben, denn Tessa ist krank. Todkrank. Diese Geschichten gibt es oft, todkranke Teenager, die sich ineinander verlieben. Und irgendwie habe ich eine Schwäche für solche Geschichten. Ich weiß nicht genau, wieso, aber seitdem ich „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ gelesen habe, springe ich immer wieder auf solche Geschichten an. Jedenfalls ist auch „Mein bester letzter Sommer“ so eine Geschichte. Hier gibt es nur einen todkranken Teenager, nämlich Tessa. Sie hat einen Herzfehler und bis zu ihrem Tod ist es nicht mehr lange. Sie ist wütend auf ihre Eltern, die ihr nichts davon gesagt habe, wütend auf ihre Schwester und ihre Freundinnen, die ein ganz anderes Leben als sie führen können, wütend auf sich selbst, weil sie nie wirklich gelebt hat, weil sie stets dachte, sie hätte noch Zeit. So beginnen alle diese Geschichten. Dann tritt auf einmal jemand in das Leben der Protagonistin, der ihr in kurzer Zeit ein ganzes Leben schenken möchte. In „Mein bester letzter Sommer“ ist diese Person Oskar. Er macht mit Tessa einen Italienroadtrip.

Wie ihr merkt, ist die Grundgeschichte nicht sonderlich originell. Aber das meine ich gar nicht böse. In diesem Genre gibt es nicht so viel neues zu erzählen, das macht Anne Freytag auch nicht, aber irgendwie habe ich mich doch ganz gut unterhalten gefühlt. Das lag vermutlich besonders an der unglaublichen Italienbeschreibung. Ich war noch nie Italien, aber ich hatte beim lesen tatsächlich das Gefühl, dort zu sein. Alles wurde unglaublich anschaulich beschrieben und die Geschichte hat einfach nur Lust auf Sommer, Pizza und Italien gemacht. Das fand ich auf jeden Fall sehr gelungen.

Ansonsten plätschert die Geschichte so vor sich hin. Wie immer bei Anne Freytag passiert nicht wirklich viel, was mich sonst überhaupt nicht stört, hier aber doch manchmal ein kleines bisschen langweilig war. Nicht so, dass ich mich Seitenlang gefragt habe, wozu ich das Buch eigentlich lese, aber doch so, dass ich mir manchmal gewünscht hätte, in die Handlung käme ein bisschen mehr Fahrt. Das ändert sich mit dem Beginn der Reise aber zum Glück.

Ohne zu Spoilern kann ich sagen, dass es zum Ende hin dann noch recht emotional wird und wenn ihr dazu neigt, bei Büchern zu weinen, werdet ihr das hier sicherlich tun. Da ich nur ganz, ganz selten bei Büchern weine, habe ich das hier auch nicht getan, aber das Ende ist mir dennoch Nahe gegangen.

Figuren:

Die Protagonistin ist Tessa. Sie beschreibt sich selbst ganz gern als „17-jährige Jungfrau ohne Führerschein“, ob die Anspielung auf Cher aus „Clueless“ bewusste gewählt wurde, weiß ich nicht, aber ich fand diese Selbstbeschreibung irgendwie ganz charmant. Ansonsten hatte ich meine Höhen und Tiefen mit Tessa. Ich wusste oft nicht so ganz, ob sie mir sympathisch ist oder nicht, ob ich ihre Handlungen und Entscheidungen verstehen konnte oder nicht. Sie erschien mir oft etwas kalt, im nächsten Moment war das dann aber wieder anders. Vielleicht ist das auch einfach Tessas Charakter, ich weiß es nicht. Insgesamt war es aber angenehm, von ihr durch die Geschichte geführt zu werden.

Kurzer Realitätscheck zu Tessas Beziehung zu ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Larissa: Larissa war in meinen Augen eine Figur, die völlig an der Realität vorbei geschrieben wurde. Sie ist 15, ihre Handlungen und ihr Äußeres schließen aber eher darauf, dass sie wesentlich älter ist. Ich hätte sie auf über 20 geschätzt. Hier fand ich hat das Gefühl für Alter und Verhalten von Jugendlichen gefehlt, das Anne Freytag sonst eigentlich hat.

Oskar ist Tessas Gegenpart. Und er ist wirklich toll! Wirklich, Oskar war mein Highlight in dieser Geschichte, er hat definitiv Bookboyfriend-Potenzial. Er ist so herrlich normal und realistisch, ich konnte ihn mir unglaublich gut vorstellen. Er ist nett, witzig, aber auch ein bisschen arrogant, aber auf eine sympathische Weise. Er sieht gut aus, aber nicht auf diese unrealistische Art, sondern einfach nur gut. Er hat natürlich auch sein Päckchen zutragen, aber geht damit tatsächlich relativ offen um und ist einfach umkompliziert.

Die Eltern von Tessa waren zwar nicht perfekt, aber ich würde sie trotzdem als gute Eltern bezeichnen. Etwas, das solche Bücher definitiv brauchen. Viel zu oft werden Eltern in Jugend- und junge Erwachsenenliteratur als furchtbare Rabeneltern beschrieben, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen und besser keine Eltern bekommen hätten. Bei den Eltern von Tessa und Larissa war das nicht der Fall. Auch sie haben Fehler gemacht, aber ich konnte sie nachvollziehen und ich mochte sowohl ihn als auch sie.

Schreibstil:

Ihr wisst, dass ich Annes Freytags Schreibstil eigentlich absolut liebe, aber man merkt einfach, dass das ihr erster Jugendroman ist. Ihr jetziger Stil lässt sich zwar schon erkennen, aber er ist noch nicht wirklich „ausgewachsen“. Leider hebt sie sich sprachlich und stilistisch daher in „Mein bester letzter Sommer“ nicht so sehr von der Masse ab, wie sie es sonst tut. Dennoch lässt sich das Buch gut und recht schnell lesen und immer mal wieder blitzt ihr unglaubliches Talent für Sprache auch schon auf.

Fazit:

„Mein bester letzter Sommer“ hat mir gut gefallen, aber mich jetzt nicht umgehauen. Die Geschichte reiht sich nahtlos in die Sammlung „Todkranker Teenager“-Geschichten ein, wertet sich durch die wundervollen Italienvibes jedoch selbst auf. Im Großen und Ganzen fühlt man sich wohl in der Geschichte. Die Figuren waren teilweise etwas schwierig zu deuten, doch Oskar hat da viele Ungereimtheiten Tessas wieder gut gemacht. Der Schreibstil ist, für Anne Freytags Verhältnisse, noch nicht ganz ausgereift, lässt sich aber dennoch gut lesen. Insgesamt fühlt man sich doch Wohl in „Mein bester letzter Sommer“. Von mir gibt es vier Sterne. Es ist nicht mein Lieblingsbuch von ihr, aber nach „Das Gegenteil von Hasen“, was mich ja leider ein bisschen enttäuscht hat, war „Mein bester letzter Sommer“ eine gute Versöhnung mit Anne Freytag.

Habt ihr „Mein bester letzter Sommer“ schon gelesen?

xoxo Ruth



2 thoughts on “REZENSION: Mein bester letzter Sommer von Anne Freytag”

  • Für mich war das einzig gute an dem Roman die unglaublich authentische Italien-Beschreibung 🙌🏼 ich war schon so häufig in Italien, an verschiedenen Orten und ich könnte mich direkt reinfühlen! Ein Buch für den Urlaub oder für abends im Bett kurz vorm Einschlafen, aber nicht mehr… so richtig mein Fall war das Buch leider nicht 😑

    • Die war echt total gut, man hat wirklich gemerkt, dass die Autorin schon einmal da war. Was genau hat dich denn so gestört? Du hast das jetzt schon häufiger erwähnt und jetzt, wo ich das Buch auch gelesen habe, würde mich doch mal interessieren, was du eben nicht so gut fandest :)

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