REZENSION: Passagier 23 von Sebastian Fitzek

REZENSION: Passagier 23 von Sebastian Fitzek

Als ich 2019 auf der Frankfurter Buchmesse war, stand ein Autor besonders im Fokus. Er wurde gefeiert wie ein Filmstar. Als ich gerade beim Stand vom Knaur Verlag war, war gerade zufällig seine Autogrammstunde und ich sag euch, es war verdammt voll. Die Rede ist von Sebastian Fitzek. Mittlerweile habe ich auch meinen ersten Fitzek gelesen und daher gibt es heute die Rezension zu „Passagier 23“. Viel Spaß!

Infos zum Buch:

Titel: Passagier 23 I Autor: Sebastian Fitzek I Verlag: Droemer Knaur I Genre: Psychothriller I Seiten: 432 I Erscheinungstermin Deutschland: 29.10.2015 I Preis: 19,99€ (Hardcover) I ISBN:  978-3-426-51017-9 I Zum Buch

Darum geht’s:

Jedes Jahr verschwinden auf hoher See rund 20 Menschen spurlos von Kreuzfahrtschiffen. Noch nie kam jemand zurück. Bis jetzt … 
Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler. 
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm … (Klappentext)

„Das Haus, in dem die tödliche Party steigen sollte, sah so aus wie das, von dem sie früher einmal geträumt hatten. Frei stehend, mit rotem Ziegeldach und einem großen Vorgarten hinter dem Palisadenzaun. Hier hätten sie am Wochenende gegrillt und im Sommer einen aufblasbaren Pool auf den Rasen gestellt.“

Fitzek, Sebastian: Passagier 23. München 2014, S. 15.

Handlung:

„Passagier 23“ beginnt hoch spannend. Schon nach wenigen Seiten war ich in der Geschichte gefangen. Wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Ein Höhepunkt jagten den nächsten und ich muss sagen, dass es mich auch kurz ein bisschen gegruselt hat. Nicht allzu sehr, aber doch ein bisschen. Jedenfalls war ich mir zu Beginn des Romans sicher, ein vier oder vielleicht sogar fünf Sterne Buch zu lesen. Doch dann ist irgendwie der rote Faden verloren gegangen. Vielleicht war ich auch nicht aufmerksam genug, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, die Geschichte laufe in viel zu viele Richtungen. Eine einheitliche Lösung war nicht in Sicht. Ich habe mit meinen Eltern darüber gesprochen, die „Passagier 23“ auch beide gelesen haben. Und mein Vater hat mir direkt zugestimmt. Okay, er ist generell kein Fitzek-Fan, aber trotzdem fand ich es interessant, dass nicht nur ich den roten Faden während des Lesens verloren hatte. Gegen Ende wurde dann wieder ein bisschen besser und ganz am Ende wurden die gefühlt hundert Handlungsstränge auch wieder eingesammelt, aber ich fand nicht wirklich überzeugend. Die Auflösung war mir ein bisschen zu abgedreht, zu unrealistisch. Auch wenn am Ende alle (oder sagen wir fast alle) offenen Fragen geklärt werden, fand ich das Ende nicht befriedigend. Für mich war die Geschichte irgendwie noch nicht so ganz zu Ende, sie war irgendwie nicht zu 100%ig rund.

Die grundsätzliche Idee finde ich aber total gut! Ich habe bisher zwar noch nicht so viele Thriller gelesen, aber dafür früher super viele Krimiserien gesehen und ein Faible für True Crime habe ich ja auch noch, jedenfalls mag ich Geschichten, die sich auf begrenztem Raum (also ein Schiff, ein Flugzeug, ein Museum o.ä.) abspielen, immer total gerne. Daher war ich direkt Feuer und Flamme für die Kreuzfahrtschiff-Idee. Die Atmosphäre an sich hat mir auch gefallen. Ein bisschen düster und geheimnisvoll, aber immer noch nachvollziehbar. Und es war ja direkt am Anfang auch wirklich sehr spannend.

Figuren:

Die zentrale Figur ist der Polizist Martin Schwartz, der hauptsächlich als verdeckter Ermittler arbeitet und die „Sultan“ nur betritt, weil er einen Hinweis erhalten hat, den Fall des ungelösten Tods seiner Familie dort aufklären zu können. Ich würde ihn als typischen Thriller-Protagonisten beschreiben. In Serien und Filmen gibt es auf jeden Fall eine ganze Menge Typen wie ihn und in Büchern ist das vermutlich auch nicht anders. Martin ist ein trauriger, einsamer Ermittler, der den Verlust seiner Frau und seines Sohnes nie verwunden hat und sich daher in die Arbeit stürzt. Seine körperliche und seelische Gesundheit sind ihm dabei völlig egal und gelacht hat er vermutlich vor etlichen Jahren das letzte Mal. Trotzdem mochte ich Martin irgendwie. Er war vielleicht keine besonders originelle Figur, aber er wirkte trotzdem realistisch.

Neben Martin treten noch eine ganze Reihe anderer Figuren auf, die teilweise auch aus ihrer eigenen Sicht erzählen können. Da wären zum Beispiel Julia Stiller und ihre Tochter Lisa, ein Mutter-Tochter-Gespann, das sich auseinander gelebt hat und auf der „Sultan“ hoffen, wieder zueinander zu finden. Jedenfalls hofft das Julia. Die Funktion der beiden hat sich für die Geschichte relativ schnell ergeben und letztlich war sie doch ganz anders als vermutet. Dann gibt es noch den Kapitän Bonhoeffer, bei dem man nicht so richtig weiß, ob er gut oder böse ist und seine Verlobte, die Bordärztin Elena Beck. Es tauchen auch noch andere Figuren auf, bei denen man auch oft nicht weiß, ob sie gut oder böse sind und man teilweise auch auf eine falsche Fährte geführt wird, die erst gegen Ende aufgelöst wird. Da fand ich einige Enthüllungen tatsächlich sehr überraschend, mit denen ich so auch gar nicht gerechnet hätte. Trotzdem waren es mir ein paar Figuren zu viel. Da hätte man ein paar Seiten extra gebraucht, um alle sinnvoll ausschmücken zu können.

Schreibstil:

Fast am schwersten zu beurteilen finde ich den Schreibstil. Er war schon fesselnd und flüssig zu lesen, aber manchmal mit ein paar Schimpfwörtern zu viel gespickt. Es gab jetzt aber keine Formulierungen, über die man stolpern konnte. Insgesamt fällt es mir ziemlich schwer, den Schreibstil zu beurteilen. Er war jetzt sicherlich kein literarischen Meisterwerk, aber definitiv auch keine Katastrophe. Herr Fitzek kann schreiben, aber auch nicht weltbewegend.

Fazit:

„Passagier 23“ hat mir zu Beginn ziemlich gut gefallen, dann aber irgendwie nicht mehr so gut. Der Plot war für mich nicht ganz rund und die Auflösung fand ich ein bisschen zu unrealistisch und zu weit hergeholt. Außerdem hatte man in der Mitte das Gefühl, den roten Faden verloren zu haben, wodurch es schwierig wurde, der Geschichte zu folgen. Der Protagonist Martin Schwartz ist für mich ein Pluspunkt, die anderen Figuren waren überraschend und oft war ihre Intention nicht klar ersichtlich, was ich für einen Thriller nicht schlimm, sondern sogar sehr gut finde. Trotzdem waren es mir, gemessen an der Seitenzahl und dem damit relativ geringen Entfaltungspotenzial, ein paar Figuren zu viel. Der Schreibstil war spannend und flüssig zu lesen, aber kein „literarisches Meisterwerk“. Insgesamt konnte mich „Passagier 23“ nicht zu 100% überzeugen. Da ich kaum Erfahrung mit Thrillern habe, kann ich natürlich keine Vergleichswerte vorlegen. Ich gebe insgesamt drei von fünf Sternen, womit das Buch in die Kategorie „Für zwischendurch“ fällt. Das war es für mich irgendwie auch. Ein Thriller für zwischendurch.

Habt ihr „Passagier 23“ schon gelesen?

xoxo Ruth



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