COMMUNITY POST #1: Lasst uns über SPOILER sprechen

COMMUNITY POST #1: Lasst uns über SPOILER sprechen

Hallöchen, ihr Lieben! Mit diesem Beitrag möchte ich gerne eine neue Unterkategorie des Booktalks einführen, die Community Posts. Diese Beiträge sollen sich um (aktuelle) Themen aus der Buchwelt drehen, bei denen ich euch als meine Community in den Beiträgen einbinden werde. Dies geschieht über Instagram-Umfragen, die ich im Voraus durchführe und dann in den Beiträgen diskutieren möchte. Dadurch erhoffe ich mir, dass zu den ganzen Themen möglichst unterschiedliche Meinungen vertreten werden und die Vielfalt eines Themas so gut wie möglich repräsentiert werden kann. Für den ersten Community Post habe ich mir das Thema „Spoiler in Büchern“ überlegt. Wenn ihr das nächste mal auch an einer Abstimmung teilnehmen möchtet, dann folgt mir doch gerne auf Instagram, falls ihr es nicht sowieso schon tut ;). Viel Spaß beim lesen!

Was ist ein Spoiler überhaupt?

Bevor ich mich in die Diskussion wage, möchte ich erst einmal festmachen, was ein Spoiler überhaupt ist. Der Begriff wird zwar sehr inflationär benutzt, aber es gibt bestimmt auch noch ein paar Menschen da draußen, die ihn nicht kennen. Zunächst einmal ist festzuhalten, dass mit „Spoiler“ in diesem Fall NICHT der Bestandteil eines Autos gemeint ist. Der Begriff ist viel mehr in der Medienlandschaft angesiedelt. Wikipedia definiert ihn wie folgt:

„Ein Spoiler (englisch to spoil, „verderben“) ist eine Information, die wesentliche Handlungselemente eines belletristischen Werks, eines Films, eines Videospiels, eines Hörbuchs, eines Sportereignisses oder Folgen einer Fernsehserie zusammenfasst und dadurch dazu geeignet ist, den Genuss am vollständigen Werk bzw. dessen Ausgang zu verderben.“

via Wikipedia „Spoiler (Medien)“

Zu dieser Definition ist noch hinzufügen, dass Spoiler oft unerwünscht sind und viele Menschen nur ungern gespoilert werden.

Der Umgang mit Spoilern

Stellt euch das Szenario vor, dass ihr ein Buch lest, das euch auch total gut gefällt und auf dessen Ausgang ihr schon total gespannt seid. Ihr redet dann mit einem Freund oder einer Freundin darüber. Dieser bzw. diese hat das Buch bereits gelesen und verrät euch nun, egal ob unbeabsichtigt oder bewusst, wie das Buch ausgeht. Wie reagiert ihr? Brecht ihr ab oder lest ihr das Buch weiter? Diese Frage habe ich auch meiner Instagram-Community gestellt. Es haben knapp 190 Menschen an der Umfrage teilgenommen, 97% der Teilnehmer lesen das Buch dann trotz des Spoilers weiter, 3% brechen jedoch ab. Das Ergebnis zeigt finde ich, dass die meisten Menschen sich durch einen Spoiler nicht in ihrem Lesevergnügen beeinflussen lassen. So ist das bei mir auch. Wenn ich ein Buch lese und ich gerate an einen Spoiler, dann stört mich persönlich das tatsächlich wenig. Im Gegenteil, es steigert irgendwie die Spannung. Wenn mir beispielsweise jemand spoilert, dass Person XY stirbt, dann finde ich es zwar im ersten Moment schade, dass ich diese Information nun nicht mehr direkt aus dem Buch erfahren kann, aber ich weiß ja immer noch nicht, wie genau es zu dem Tod gekommen ist. Denn oft sind Spoiler nur eine einzige Information und keine detaillierte Szenenbeschreibung. Es klingt verrückt, aber ich lese das Buch dann oft sehr viel interessierter und stelle sogar zusätzliche Theorien auf. Wer könnte XY getötet haben? Gibt es Hinweise? Kommt der Tod jetzt schon? Das Leseerlebnis wird dadurch ein ganz anderes und irgendwie interaktiver. Ich bin tatsächlich nicht die einzige, die so mit Spoilern umgeht. Die University of California hat eine Studie zu dem Thema betrieben, in der die Befragten in zwei Gruppen eingeteilt wurden und beide die gleiche Geschichte zu lesen bekamen. Die eine Gruppe wurde dabei gespoilert, die andere nicht. In der Auswertung hat sich dann gezeigt, dass die zuvor Gespoilerten die Geschichte im Schnitt besser bewertet haben als die, die spoilerfrei gelesen haben. Über diesen Link kommt ihr zu der Studie, die das ganze auch mithilfe eines kleinen Videos erläutert. Ich sehe das ganze auch ein bisschen wie Blair Waldorf aus „Gossip Girl“, die sagte, sie sei einfach gerne vorbereitet.

Sich selbst spoilern

Ich muss gestehen, dass ich durchaus dazu neige, mich selbst zu Spoilern. Gerade bei großen Buchreihen kann ich nicht umher, auf Fanseiten etc. unterwegs zu sein und so das ein oder andere mal auch mal auf einen Spoiler zu geraten. So google ich beispielsweise sehr häufig die Stammbäume verschiedener Familien aus den Schattenjäger-Büchern von Cassandra Clare. Und bin dabei natürlich schon das ein oder andere mal auf einen dicken Spoiler gestoßen. Es ist manchmal gar nicht so gut zu wissen, wer die Verwandten deiner Lieblingsfigur sind. Oder eben nicht. In meiner Umfrage hielt sich eure Meinung dazu ziemlich die Waage. 57% von euch Spoilern sich ebenfalls manchmal selbst, 43% machen das nicht. Ich finde, es ist immer etwas anderes, ob man sich selbst spoilert oder ob man von anderen gespoilert wird. Wenn ich die besagten Stammbäume google, dann gehe ich ja bewusst das Risiko ein, eine Information in Erfahrung zu bringen, die mir vorher noch nicht bekannt war. Ich nehme es also billigend in Kauf. Wenn mir aber jemand anderes etwas spoilert, habe ich das ja nicht vorher bewusst herbeigeführt. Daher glaube ich, dass die meisten Menschen besser mit Spoilern umgehen können, wenn sie sie selbst bewirkt haben. Grundsätzlich finde ich aber, dass man, bevor man eventuell spoilert, die Person erst einmal fragt, ob das okay ist. In meinem persönlichen Umfeld gibt es nämlich sowohl Leute, die kein Problem mit Spoilern haben, als auch Leute, für die das die gesamte Geschichte kaputt macht. Solltet ihr wie der erste Typ Leute sein, dann seid doch bitte trotzdem vorsichtig, wenn ihr spoilert. Nicht alle gehen mit dem Thema so um wie ihr.

Sind Triggerwarnungen schon Spoiler?

Triggerwarnungen findet man immer häufiger zu Beginn eines Buchs. Oder auch einfach generell. Während früher sensible Themen wie beispielsweise Selbstmord oder sexuelle Gewalt immer einfach so erwähnt wurden, so wird mittlerweile oft eine Triggerwarnung ausgesprochen. Menschen, die mit den Themen aus unterschiedlichen Gründen nicht umgehen können, sind somit gewarnt. Doch ist das dann nicht eigentlich schon ein Spoiler? Wenn am Anfang des Buchs steht, dass sexuelle Gewalt vorkommen kann, weiß ich dann nicht schon viel mehr, als ich vorher eigentlich wissen will? Schließlich ist, gerade bei New Adult, die erfahrene sexuelle Gewalt eines Charakters oft das typische „dunkle Geheimnis“ und das will man ja eigentlich nicht vorher schon verraten bekommen. Bei meiner Umfrage wart ihr euch relativ sicher. Nur 25% der Teilnehmer empfindet eine Triggerwarnung als Spoiler, die anderen 75% sind da anderer Meinung. Ich persönlich finde das sehr schwierig und bin mir oft selbst nicht sicher, ob Triggerwarnungen immer so zwingend notwendig sind. Ich bin da der Überzeugung, dass das alles sehr stark vom Genre abhängig ist. Für einen Thriller braucht es meiner Meinung nach eigentlich keine Triggerwarnung. Schließlich sind sensible Themen oft charakteristisch für einen Thriller. In Jugendbüchern oder auch in New Adult-Romanen halte ich eine Warnung allerdings für sinnvoll. Schließlich ist aufgrund des Genres nicht davon auszugehen, dass sensible Themen vorkommen. Sollte es dennoch so sein, ist eine Warnung unverzichtbar. Schließlich sollen Bücher auch so etwas wie ein sicherer Hafen sein und nichts, das alte Wunden aufreißt, die wir eigentlich schon für verheilt geglaubt hatten.

Ob eine Triggerwarnung letztlich ein Spoiler ist, kann man pauschal eher nicht so gut sagen. Vielleicht ist der Aspekt der Geschichte, für die die Warnung gilt, nur minimal und verrät ansonsten nichts über das Geschehen, vielleicht aber auch nicht. In Anbetracht der seelischen Gesundheit der Leserinnen und Leser ist ein Spoiler aber immer noch leichter zu verarbeiten als ein wiederentfachtes Trauma.

Spoiler mit Verfallsdatum

Haben Spoiler ein Verfallsdatum? Das ist wohl die große Frage, wenn es darum geht, ob und inwiefern es okay ist, zu Spoilern. Als der letzte Film der Avengers-Reihe „Avengers: Endgame“ letzten April in die Kinos kam, riefen die Schauspieler und Produzenten dazu auf, in sozialen Medien etc. zunächst auf Spoiler zu verzichten. Aus Respekt vor allen, die nicht die Zeit hatten, den Film innerhalb der ersten drei Tage zu sehen. Nach einiger Zeit wurde diese Spoilersperre dann aufgehoben. Die Nutzer in den sozialen Medien haben sich auch tatsächlich recht vorbildlich an die Bitte des Casts gehalten. Danach war es dann okay, zu Spoilern. Ein anderes Beispiel, dieses Mal tatsächlich aus der Buchwelt, dreht sich um „Harry Potter“. Alleine in Deutschland wurden die Bücher über 33 Millionen Mal verkauft, es ist also davon auszugehen, dass die meisten Menschen in Deutschland schon eimal etwas von der Buchreihe gehört haben. Ist es dann okay, etwas von der Handlung zu Spoilern ohne vorher explizit eine Spoilerwarnung auszurufen? Von euch sind 63% der Meinung, dass das völlig okay ist. 37% sehen das anderes. Dieses Ergebnis ist meiner Meinung nach nicht so eindeutig, als dass man pauschal sagen könnte: Klar, es ist absolut kein Problem, etwas aus „Harry Potter“ oder anderen allgemein bekannten Werken zu Spoilern. Für mich sagt das Ergebnis irgendwie eben doch aus, dass man auch bei älteren Büchern auf Spoiler hinweisen könnte. Man weiß ja nie, vielleicht will die Person „Harry Potter“ ja doch noch lesen und dann gespoilert zu werden, ist vielleicht nicht so schön. Ich persönlich wurde bei „Harry Potter und der Halbblutprinz“ übrigens auch gespoilert. Meine Nachbarin verriet mir auf dem Weg zur Schule ein Detail, das sie mir besser nicht verraten hätte, denn es war sehr entscheidend für den Ausgang der Geschichte. Für all diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, Achtung, es folgt jetzt ein Spoiler! Meine Nachbarin hat mir nämlich gespoilert, dass Albus Dumbledore stirbt. Nun ja, letztlich hat es nicht geschadet, denn ich habe das Buch dennoch zu Ende gelesen und tatsächlich ist Teil 6 einer meiner liebsten. Das würde auch die These der University of California erneut bestätigen.

Bei wirklichen Klassikern wird übrigens beispielsweise sehr selten eine Spoilerwarnung ausgesprochen. Ich persönlich wurde durch „Clockwork Angel“ für „Jane Eyre“ gespoilert. Das Buch ist so alt, dass offensichtlich davon ausgegangen wurde, jeder würde die Geschichte kennen. Gerade im Kontext von Intertextualität, also wenn sich innerhalb eines Textes auf ein anderer bezogen wird, sind Spoiler ein häufig auftretendes Problem. Schließlich rechnet man beim lesen eines Buchs, das eigentlich nichts mit einem zweiten zu tun hat, nicht wirklich mit einem Spoiler für eben dieses zweite Buch. Aber es kommt vor.

Ab wann ist ein Spoiler ein Spoiler?

Dieser letzte Abschnitt des Beitrags ist vielleicht der entscheidende. Ab wann ist ein Spoiler ein Spoiler? Auf Instagram habt ihr mir dazu sehr interessante Antworten gegeben. Zur Erklärung der Frage hatte ich drei Situationen beschrieben, die als Spoiler gelten können oder eben nicht. Diese drei Situationen waren: der Ausgang eines Liebesdreiecks, die Lösung eines Mordfalls und der überraschende Tod eines Charakters. Darauf wurde mehrfach geantwortet, dass diese drei Dinge definitiv als Spoiler aufgefasst werden würden. Die Lösung eines Mordfalls wäre für mich definitiv auch ein Spoiler, der mir dann auch das Leseerlebnis verderben würde. Die anderen beiden Punkte würden mich vermutlich zunächst nerven, mich dann aber doch nicht weiter stören. Als Spoiler würde ich sie dennoch bezeichnen. Bezüglich des Liebesdreiecks haben sich aber auch einige von euch geäußert, dass sie das nicht als Spoiler werten würden. Zwei Personen schrieben sogar, dass es für sie kein Spoiler wäre, wenn sie generell erfahren würde, wer mit wem zusammen kommt. Für eine andere Person ist das nur beim Genre New Adult kein Spoiler.

Für viele von euch ist alles, was im Klappentext steht, kein Spoiler. Dem würde ich definitiv zustimmen. Bevor man ein Buch liest, ist es ja schon irgendwie nützlich zu wissen, worum es im Groben geht. Dafür braucht man eben einen Klappentext. Meistens sind die Klappentexte natürlich auch so konzipiert bzw. formuliert, dass sie nicht Spoilern. Außer natürlich bei Klappentexten zu Fortsetzungen, die enthalten oft Spoiler aus dem vorherigen Band.

Ansonsten wurde auch noch genannt, dass die Art des Endes kein Spoiler ist. Also ob es ein gutes oder ein trauriges Ende gibt oder sogar einen Cliffhanger. Das empfinde ich auch nicht unbedingt als Spoiler. Oft geht es ja auch aus dem Genre hervor oder der Tatsache, ob das Buch ein Teil einer Reihe ist oder nicht. Emotionen, die jemand anderes beim lesen empfunden hat, sind für eine Teilnehmerin der Umfrage auch kein Spoiler. Genauso wenig wie zusammenhangslose Informationen von mehreren nicht als Spoiler gewertet wurden.

Fazit

Ich denke, dass dieser Blogpost ganz gut gezeigt hat, wie unterschiedlich Meinungen zum Thema Spoiler sein können. Was für den einen kein Spoiler ist (z.B. der Ausgang der Liebesgeschichte), ist für den anderen auf jeden Fall als Spoiler zu werten. Es ist schwer zu sagen, ab wann ein Spoiler ein Spoiler ist und immer individuell zu beurteilen. Daher sollte man mit Spoilern einfach immer vorsichtig sein und das spoilern entweder ganz lassen oder es vorher ankündigen. Triggerwarnungen empfinden die allermeisten vermutlich nicht als Spoiler, ein Verfallsdatum haben Spoiler für einen relativ großen Anteil der Befragten aber dennoch nicht. Interessant finde ich aber auch, dass die meisten sich doch auch schon einmal selbst Spoilern, wo dann auch der gesamte Umgang mit Spoilern vermutlich ein bisschen entspannter ist. Auch brechen die wenigsten ein Buch aufgrund eines Spoilers ab. Spoiler sind und bleiben ein kritisches Thema, über das es viel zu sagen gibt. Abschließend kann ich nur sagen: solltet ihr doch einmal gespoilert werden, nehmt es nicht zu ernst. Vielleicht steigert das euer Leseerlebnis ja sogar? Wer weiß, es ist jedenfalls nicht ausgeschlossen!

Was denkt ihr über Spoiler?

xoxo Ruth



4 thoughts on “COMMUNITY POST #1: Lasst uns über SPOILER sprechen”

  • Fand es sehr interessant und informativ! Mir ist es schon oft passiert das ich mich versehentlich selbst gesponsert habe. Natürlich ärgere ich ich dann, lese aber trotzdem weiter. Was mich am meisten nervt, sind Spoiler durch andere, da ist es dann egal worum es geht, ich lese es nicht mehr gerne weiter. Bei das Reich der 7 Höfe habe ich leider durch andere Installiert-Stories viel gesehen und konnte mich seitdem nicht überwinden mit Band 2 weiterzumachen.

    • Vielen Dank! Ja, ich habe mich auch schon das ein oder andere Mal versehentlich selbst gespoilert und das hat mich dann auch sehr geärgert! Oh, das ist natürlich sehr ärgerlich. Vor allem weil der 2. Teil von Das Reich der sieben Höfe so viel besser ist als der erste Teil. Vielleicht hast du ja doch irgendwann noch Lust, es zu lesen:)

  • Ein sehr interessanter Blogpost, ich freue mich, wenn mehr Posts dieser Art kommen 😊 ich habe bei deiner Umfrage auf Insta auch tatsächlich teilgenommen und habe schon ganz gespannt auf deinen Beitrag gewartet 😌

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