REZENSION: Terror von Ferdinand von Schirach

REZENSION: Terror von Ferdinand von Schirach

Ich lese selten ein Buch an einem Tag. Und noch seltener ein Buch in einem Rutsch. Wenn mir das dann doch eimal gelingt, dann stammen die Bücher im ausnahmslos von Ferdinand von Schirach. Im Frühling habe ich ja „Der Fall Collini“ von ihm gelesen und geliebt und jetzt habe ich endlich auch „Terror“ von ihm gelesen. Wie mir das niedergeschriebene Theaterstück und die anschließende Rede gefallen haben, möchte ich euch heute in meiner Rezension zu „Terror“ von Ferdinand von Schirach erzählen. Viel Spaß!

Titel: Terror. Ein Theaterstück und eine Rede I Autor: Ferdinand von Schirach I Verlag: btb I Genre: Politischer Thriller I Seiten: 176 I Ersterscheinungsdatum Deutschland: 12. September 2016 I Preis: 10€ (Klappenbroschur) I ISBN: 978-3-442-71496-4 I Zum Buch

Darum geht’s:

Ein Terrorist kapert eine Maschine der Lufthansa und zwingt die Piloten, Kurs auf die voll besetzte Allianz-Arena in München zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug ab, alle Passagiere sterben. Der Mann muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Zuschauer und Leser, sie müssen über Schuld und Unschuld urteilen.

Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015 hat auf schrecklichste Weise gezeigt, wie hoch der Preis sein kann, den wir für unsere Freiheit zahlen müssen. Schirachs Rede auf Charlie Hebdo, die ebenfalls in diesem Band enthalten ist, ist ein Plädoyer für die Freiheit des Wortes, für unsere Zivilisation im Angesicht ihrer Feinde. (Klappentext)

Meine Meinung:

Bevor ich inhaltlich mit meiner Rezension beginne, möchte ich kurz festlegen, dass ich diese heute nicht in Handlung, Figuren und Schreibstil gliedere, wie ich es sonst bei meinen Rezensionen mache. Das ergibt für mich in diesem Fall nämlich nicht so viel Sinn. In dem Stück geht es nicht so sehr darum, ob ich die Figuren sympathisch finde oder nicht und es geht auch nicht so sehr darum, ob die Handlung spannend ist. Hier geht es irgendwie um mehr. Ich kann die einzelnen Aspekte nicht voneinander trennen, sondern muss sie alle als eine Einheit sehen. Ihr bekommt also heute lediglich meine persönliche Einschätzung zu „Terror“. Ich hoffe, das ist für euch okay :)

„Terror“ behandelt, wie der Titel auch schon vermuten lässt, einen Terroranschlag bzw. in diesem Fall die gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Verhindern eines geplanten Terroranschlags. Es geht um Schuld, um Moral und darum, ob man Menschenleben gegeneinander abwiegen kann. Die Ausgangssituation der Handlung habe ich ja etwas weiter oben schon skizziert.

Der Angeklagte Lars Koch hat eine Entscheidung getroffen und die muss er jetzt vor Gericht verantworten. Er hat ein entführtes Flugzeug abgeschossen, wodurch einige Menschen gestorben sind, gleichzeitig hat er damit aber verhindert, dass das Flugzeug in die volle Allianz-Arena in München fliegt, wodurch noch mehr Menschen gestorben werden. Der Konflikt ist also klar. Durfte Lars Koch das? Darf man Menschenleben gegeneinander abwiegen? Wie handelt man angesichts einer terroristischen Bedrohung?

Für all diese Fragen liefert „Terror“ verschiedene, alle sehr gut nachvollziehbare, Argumente. Die Staatsanwaltschaft und einige Zeugen argumentieren sehr überzeugend und nachvollziehbar in die eine Richtung, die Verteidigung nicht weniger überzeugend in die andere Richtung. Wortgewaltig und intelligent hat Schirach es hier geschafft, über diese rechtliche, aber vor allem auch ethische Frage nachzudenken.

Spoiler: er kommt dabei zu keinem Schluss – aber das muss er auch nicht. Er macht deutlich, wie schwer es ist, in so einer Situation zu urteilen und überlässt das Urteil im Grunde dem Zuschauer bzw. dem Leser selbst. Ich sollte an dieser Stelle vielleicht erwähnen, dass ich die TV-Verfilmung von „Terror“ mit Florian David Fitz in der Rolle des Lars Koch bereits kannte. Die Verfilmung hat bei ihrer Erstausstrahlung damals die Möglichkeit gegeben, dass die Zuschauer im Anschluss über Anrufe dafür stimmen durften, ob der Angeklagte verurteilt wird oder nicht. Die Option fand ich damals sehr spannend, denn sie hat noch einmal weiter zum Nachdenken angeregt. Diese Option bietet das Buch auch. Dadurch, dass Schirach zu keinem Schluss kommt, ist „Terror“ nicht unvollständig, es ist in seiner Bedeutung sogar noch größer.

Mich hat „Terror“ auf jeden Fall zum nachdenken gebracht und ich bin auch noch nicht zu einem Schluss gekommen. Steht uns das als Mensch überhaupt zu? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass mich „Terror“ beeindruckt hat und ich es weiterempfehlen möchte.

Ebenfalls sehr beeindruckt hat mich Schirachs Rede am Ende von „Terror“, die aber unabhängig zu dem Theaterstück gelesen werden sollte. Hier philosophiert der Autor über die Frage, was eine Karikatur darf und wie man sich angesichts drohender Terroranschläge zu verhalten hat. Dieses Mal kommt er auch zu einem Schluss, den ich auch sehr gut finde. Was er da genau feststellt, solltet ihr aber am besten selbst nachlesen!

„Terror“ hat mich voll und ganz von sich überzeugt, aber damit hatte ich auch schon gerechnet. Das Stück regt zum Nachdenken an und hat insgesamt einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Wer gerne etwas lesen möchte, das politisch und gesellschaftlich relevant ist und sich auf ethische und rechtliche Diskussionen einlassen möchte, der ist bei „Terror“ und eigentlich generell bei Ferdinand von Schirach definitiv an der richtigen Adresse! Aber auch alle anderen, die gerne mal „was neues“ lesen möchten, die sollten sich Schirach nicht entgehen lassen.

Habt ihr „Terror“ schon gelesen?

xoxo Ruth



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