REZENSION: Verbrechen – Echte Kriminalfälle aus Deutschland von Sabine Rückert (Hg.)

REZENSION: Verbrechen – Echte Kriminalfälle aus Deutschland von Sabine Rückert (Hg.)

REZENSIONSEXEMPLAR I Ihr wisst sicherlich, dass ich totaler Fan von True Crime-Podcasts bin. In Deutschland kommt man da um einen ganz bestimmten Podcast absolut nicht vorbei. Die Rede ist von „ZEIT Verbrechen“, dem True Crime-Podcast der Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Zu genau diesem Podcast ist jetzt ein Buch erschienen, und zwar „Verbrechen. Echte Kriminalfälle aus Deutschland“, herausgegeben von Sabine Rückert, die, gemeinsam mit einem Kollegen, auch den Podcast moderiert. Im Buch sind einige Zeitungsartikel über wahre Kriminalfälle in Deutschland von Frau Rückert abgedruckt. Wie mir das Buch gefallen hat, erfahrt ihr heute. Danke an dieser Stelle auch noch einmal an Eichborn für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars!

Infos zum Buch:

Titel: ZEIT Verbrechen. Echte Kriminalfälle aus Deutschland I Herausgeberin: Sabine Rückert I Genre: Sonstige Belletristik I Seiten: 208 I Ersterscheinung Deutschland: 30.10.2020 I Preis: 16,00€ (Paperback) I ISBN: 978-3-8479-0063-4 I Zum Buch

Darum geht’s:

Tödliche Mutterliebe – Die letzten Szenen einer Ehe – Tod im Vorüberfahren: Spannende Kriminalfälle wie diese beschreibt Sabine Rückert im Buch zum beliebten Podcast Zeit Verbrechen. Dabei erweckt sie sachliche Gerichtsurteile zum Leben, stellt Fragen an unsere Gesellschaft, nimmt das Justizsystem genau unter die Lupe und beschäftigt sich intensiv mit Kriminalpsychologie. Vor allem aber sieht sie immer die Menschen hinter einem Fall – ob Täter oder Opfer. Lehrreich und aufrüttelnd!  (Klappentext)

„Kein Blut, keine Leiche, keine Spur: In Lübeck geht ein spektakulärer Mordprozess in die nächste Runde.“

Rückert, Sabine: Die letzte Szene einer Ehe. In: Rückert, Sabine (Hg.): ZEIT VERBRECHEN. Echte Kriminalfälle aus Deutschland. Köln: Bastei Lübbe AG 2020, S. 11.

Aufbau:

Es gibt, samt Epilog, 13 Kapitel in „ZEIT Verbrechen“. Jedes Kapitel erzählt einen anderen Kriminalfall. Alles echte Fälle. Alle aus Deutschland. Dabei werden unterschiedliche thematische Schwerpunkte gesetzt. Es geht zwar so gut wie immer um Mord und Totschlag, aber es gibt auch inhaltliche Schwerpunkte wie „Zeugen“ oder „Jugendgewalt“, die dann in den einzelnen Kapiteln auch noch einmal genauer erläutert werden. Dazu kommen verschiedene Expertenmeinungen hinzu, die den Fällen psychologische und juristische Dimensionen geben. Diese unterschiedliche thematische Unterteilung hat mir gut gefallen, da sie das Buch so deutlich strukturiert hat und man auch immer schon ein bisschen wusste, in welche Richtung der Fall geht. Im Inhaltsverzeichnis ist zusätzlich noch vermerkt, welche Podcastfolge es zu den entsprechenden Fällen gibt.

Die Fälle:

Die dargestellten Fälle waren alle insgesamt sehr unterschiedlich. Wie immer bei True Crime waren sie schockierend und faszinierend zu gleich. Schockierend, weil einige von ihnen wirklich sehr brutal oder grausam waren. Faszinierend, weil, nun ja, Verbrechen haben nun einmal eine faszinierende Wirkung auf Menschen. Sonst wären Thriller, Krimis und True Crime nicht so beliebt. Jedenfalls empfinde ich die grundsätzliche Auswahl der Fälle als gelungen. Thematisch unterscheiden sie sich stark und es gibt definitiv keine Wiederholungen diesbezüglich. Alle Fälle sind individuell.

Ich fand sie auch unterschiedlich spannend oder interessant. Das habe ich aber immer bei True Crime, manche Fälle packen einen mehr, lassen einen nicht mehr los. Andere berühren einen kaum, man vergisst sie. In „ZEIT Verbrechen“ gab es auch solche und solche Fälle. Sehr spannend fand ich die Fälle „Eskalation (1). Ein ganz privater Friedhof“, „Eskalation (2). Die Frauen des Organisten“ und „Jugendgewalt. Zur falschen Zeit am falschen Ort“. Die Fälle haben mich irgendwie gefesselt, ich habe danach noch fleißig gegoogelt und weiter recherchiert, um mehr zu erfahren. Welche Fälle man jetzt als spannend oder eben nicht spannend empfindet, ist jedoch denke ich Geschmacksache.

Bei manchen Fällen, besonders die aus älteren ZEIt-Artikeln stammen, hätte ich mir jedoch eine neue und zusätzliche kritische Beleuchtung gewünscht. Sicherlich würde man eine Tat aus 2001 beispielsweise heute anders erzählen und anders aufarbeiten, als man es vielleicht 2001 noch getan hat. Aber diese kritische Reflexion hat leider nicht stattgefunden. Die Artikel bleiben unkommentiert.

Erzähl- und Schreibstil:

Zum Erzähl- und Schreibstil lässt sich erst einmal festhalten, dass dieser anders ist als im Podcast. In diesem unterhalten sich Sabine Rückert und ihr Kollege Andreas Sentker über die Fälle, stellen sich gegenseitig (Rück)Fragen und berichten nicht so sehr wie eine zusammenhängende Geschichte. Im Buch ist das anders. Es gibt einige Fälle, die sind wirklich wie eine Geschichte erzählt. Man folgt, mehr oder weniger chronologisch, der Tat und ihrem Hintergrund – das hat mir persönlich sehr gut gefallen. Dadurch konnte man den entsprechenden Fällen gut folgen und sie verstehen. Andere Fälle sind jedoch sehr sprunghaft erzählt. Erzählen mehrere Nebengeschichten und ich wusste manchmal nicht so wirklich, worum es überhaupt geht. Das war dann nicht so gelungen. Insgesamt hätte ich mir da mehr Einigkeit gewünscht, auch wenn die Texte teilweise natürlich schon relativ alt sind. Sie sind schließlich alte Zeitungsartikel und der Stil von Frau Rückert hat sich vermutlich auch einfach geändert mit der Zeit.

Der Schreibstil an sich war aber wirklich brilliant. Frau Rückert versteht es, mit Sprache umzugehen und kann gut und anschaulich berichten. Ich mochte auch die minimale Wertung der Fälle, die herauszulesen ist. Die lässt das ganze nicht so wie einen kalten Bericht wirken.

Bezug zum Podcast:

Ich höre den „ZEIT Verbrechen“-Podcast zwar, aber nicht ganz so regelmäßig wie zum Beispiel „Mordlust“ und ich kenne daher auch nicht alle Folgen. Das war für dieses Buch allerdings definitiv ein Vorteil. Denn so konnte ich die Fälle neu „erleben“ und wusste noch nicht, worum es ging, was das Motiv oder wer der Täter/die Täterin war. Wer allerdings jede Folge des Podcast kennt, der wird hier überwiegend auf bereits bekannte Fälle stoßen. Zwar ist beispielsweise der Fall „Eskalation (1). Ein ganz privater Friedhof“ noch nicht als Podcast erschienen, aber das ist hier wirklich eine Ausnahme. Ich kann mir vorstellen, dass das dann insgesamt eher enttäuschend für Podcasthörer*Innen sein kann.

Fazit:

„ZEIT Verbrechen. Echte Kriminalfälle aus Deutschland“ ist durch und durch ein Buch für True Crime-Fans. Spannende und abswechslungsreiche Fälle treffen hier auf großartige journalistische Arbeit. Insgesamt fand ich nicht alle Fälle gleich spannend und bin auch nicht mit allen Erzählweisen zurecht gekommen, konnte aber dennoch eine positive Bindung zu dem Buch aufbauen. Wer schon alle Podcast-Folgen kennt, könnte allerdings enttäuscht werden. Insgesamt bekommt „ZEIT Verbrechen“ vier von fünf Sternen von mir. Wenn ihr True Crime mögt, schaut euch das Buch doch gerne mal an!

Seid ihr True Crime Fans? Kennt ihr das Buch?

xoxo Ruth

Rezension: Verbrechen - Echte Kriminalfälle aus Deutschland von Sabine Rückert



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