USA Update #4: der zweite Monat – eure Fragen, meine Antworten

USA Update #4: der zweite Monat – eure Fragen, meine Antworten

Mein letztes USA-Update ist zwar gefühlt gestern erst online gegangen, aber der zweite Monat ist jetzt tatsächlich auch schon um, sodass es Zeit für ein neues Update wird. Ich kann es wirklich selbst noch nicht glauben, aber ich bin schon über zwei Monate in den USA. Über die Hälfte meines Praktikums ist bereits vorbei. Nächsten Monat geht es tatsächlich nach New York. Und dann schon nach Hause. Unglaublich! Ich habe mir für dieses Update überlegt, dass ich euch erst einen kurzen Überblick darüber gebe, wie ich mich aktuell fühle und wie der letzte Monat war und dann beantworte ich eure Fragen, die ihr mir fleißig auf Instagram gestellt habt! Also, viel Spaß mit USA-Update #4 über den zweiten Monat!

Was im zweiten Monat alles passiert ist:

Das Praktikum hat sich im zweiten Monat deutlich mehr nach Alltag angefühlt. Generell ist das Leben in Salt Lake City im Oktober deutlich alltäglicher gewesen als noch im September. Nach einem Monat kennt man sich einfach deutlich besser aus und hat sich auch einfach eingelebt. Dennoch war der zweite Monat nicht langweilig: ich bin relativ viel gereist, war auf einer amerikanischen Hausparty und habe angefangen, selbst zu unterrichten. Im Oktober gab es eine Woche Herbstferien, die ich genutzt habe, um in den Yellowstone National Park und nach Seattle zu reisen. Beides hat mir wirklich unglaublich gut gefallen. Zu Yellowstone gibt es ja bereits einen Beitrag hier auf dem Blog, zu Seattle kommt auch noch einer – versprochen! Es war schön, noch mehr von den USA zu sehen und gerade Seattle ist auch nicht unbedingt eine Stadt, die man in einen typischen USA-Urlaub einplant. Schade eigentlich, denn die Stadt ist wirklich sehr sehenswert. Die amerikanische Hausparty war, naja, ehrlich gesagt ziemlich langweilig, haha. Aber ich war auch nüchtern, betrunken hätte es sicherlich mehr Spaß gemacht. Und falls ihr euch fragt, ob solche Partys wirklich wie im Film sind, ist hier die Antwort: ja, sind sie. Es ist chaotisch und laut und klebrig und voll und überall stehen rote Becher rum.

Dann durfte ich auch endlich selbst unterrichten. An der Uni. Ich muss sagen, Grammatik zu unterrichten ist schwerer als gedacht und auch Zeitplanung ist im Unterricht schwierig, aber langsam habe ich den Dreh raus. Und ich bin ja auch hier, um zu lernen! Ich bin auf jeden Fall sehr froh, dass ich hier schon so viel unterrichtspraktische Erfahrung sammeln kann, im Praxissemester, das im Master ansteht, wäre ich sonst glaube ich ziemlich aufgeschmissen.

Außerdem habe ich im Oktober Halloween gefeiert, eine sehr schöne, aber auch sehr anstrengende Wanderung durch die Berge gemacht, verschiedene Fitnesskurse ausprobiert (Spinnig, Zumba, Body Pump) und an der Highschool einen Vortrag über den Mauerfall gehalten. Ich mochte den Oktober!

Eure Fragen:

War der zweite Monat genauso aufregend wie der erste Monat?

Der zweite Monat war auf jeden Fall auch aufregend, aber anders als der erste. Und vielleicht dann auch nicht ganz so aufregend. Im September war alles neu und wir haben wahnsinnig viele Sachen zum ersten Mal gemacht. Da war sogar das Einkaufen spannend. Das ist nach einer gewissen Zeit natürlich nicht mehr so. Trotzdem haben wir noch aufregende Sachen gemacht. Die beiden Reisen waren sehr spannend und auch amerikanisches Halloween zu erleben oder selbst zu unterrichten ist natürlich eine aufregende und neue Erfahrung. Zusammenfassend kann man sagen, dass der zweite Monat immer noch aufregend war, der erste aber aufregender.

Was war bisher die beste und was die schlechteste Erfahrung?

Das ist echt eine schwere Frage, da so vieles so toll war! Ich würde aber trotzdem sagen, dass die Reisen bisher die beste Erfahrung waren, also Los Angeles, Seattle und Yellowstone. Ich bin noch nie so viel in so kurzer Zeit umhergereist und habe hier wirklich schon unglaublich viel gesehen – and there is more to come! Eine wirklich schlechte Erfahrung habe ich bisher, zum Glück, noch nicht gemacht. Die Highschool, an der wir Freitags immer den Unterricht beobachten dürfen, ist nicht so spannend. Aber es können einem deutlich schlimmere Sachen passieren, als Langeweile. An einem Tag war allerdings an der Highschool, a der ich an diesem Tag war, ein Amoklaufverdacht. Der hat sich letztlich als unbegründet herausgestellt, aber ich hatte da echt Angst und durfte auch nach Hause gehen. Auch nicht so schön war, als eine Person, von der wir dachten, uns hier wirklich gut angefreundet zu haben, nichts mehr wirklich mit uns zu tun haben wollte. Das war schade und hat auch ein bisschen wehgetan, aber so ist es eben manchmal.

Wie stark ähnelt die Highschool den typischen Highschool-Filmen?

Nun ja, optisch sehen die Highschools natürlich schon aus wie in Filmen. Lange Gänge mit Schließfächern, eine riesige Mensa mit runden Tischen, Football-Felder, überall das Schullogo. Gerade die West High in Salt Lake sieht ziemlich genauso aus, wie man sich eine Highschool vorstellt. Die East High natürlich auch, ist ja schließlich die Schule aus „Highschool Musical“, aber die habe ich bisher nur von außen gesehen. Es gibt natürlich auch Football Games, Prom und Formal Dances. Außerdem merkt man auch viel vom „School Spirit“. Fast alle Schüler sind irgendwie stolz auf ihre Schule, interessieren sich für die Sportveranstaltungen, tragen Kleidung mit dem Schullogo. Offizielle Ansagen, die über eine Fernsprechanlage ausgerufen werden, enden mit „Go Hawks“ oder „Go Panthers“ (je nachdem, wie das Football-Team heißt) und Cheerleader laufen in ihren Cheerleading-Outfits durch die Schule. Das alles ist schon wie im Film. Aber ansonsten ist auch eine amerikanische Highschool einfach nur eine Schule. Und es gibt definitiv keine Hackordnung in der Mensa a la „Mean Girls“. Ach ja, die Schüler*innen sehen auch ganz normal aus und nicht so, als würden sie alle neben der Schule modeln. Außerdem werden Schüler*innen in den Filmen meistens von deutlich älteren Schauspieler*innen gespielt.

Was mir allerdings ganz allgemein aufgefallen ist, ist dass der Unterricht deutlich spielerischer verläuft und die Schüler*innen sich mehr erlauben als in Deutschland. Ich muss gestehen, ich habe kein sonderlich gutes Bild von der Unterrichtsqualität in den USA bekommen.

Ist es so, wie du es dir vorgestellt hast?

Nein. Es ist deutlich besser! Ich bin wirklich, wirklich gerne hier und genieße die Zeit sehr. Ich habe mich schneller als erwartet an die größten Unterschiede gewöhnt und mich auch rasch eingelebt. Mit Heimweh hatte ich bisher auch keine Probleme, allerdings bin ich jetzt, im dritten Monat, an dem Punkt angelangt, an dem ich mich auch schon wieder auf Deutschland freue. Das war anfangs gar nicht so, da dachte ich mir noch so „Ach, ich könnte auch noch drei Monate länger bleiben“, das denke ich mir jetzt nicht mehr, haha. Natürlich gibt es im Praktikum auch mal Sachen, die mir nicht so gut gefallen (Highschool!), aber insgesamt ist mein ganzer Aufenthalt hier doch nochmal deutlich besser als ich ihn mir vorgestellt habe.

An welche Unterschiede zu Deutschland konntest du dich schnell gewöhnen, an welche nicht?

Ich konnte mich sehr schnell an die anderen Öffnungszeiten der Supermärkte gewöhnen, sonntags einkaufen gehen zu können, hat schon was. Trotzdem ist das nichts, was ich in Deutschland zwingend brauche. Auch an die Tatsache, dass man sich in den USA beim Busfahrer für die Fahrt bedankt (finde ich sehr gut!) konnte ich mich rasch gewöhnen oder daran, dass man auf öffentlicher Straße keinen Alkohol trinken darf. An die tausend US-Fahnen überall habe ich mich auch recht schnell gewöhnt, die sind aber auch wirklich überall. Immer noch staune ich manchmal über die riesigen Autos oder die Tatsache, dass hier wirklich kaum jemand zu Fuß geht. Wobei das in Salt Lake City noch recht gut geht, je nach dem, wo man sonst in den USA ist, steht man schon mal 30 Minuten an der roten Ampel. An die seltsamen Preise habe ich mich bisher noch nicht wirklich gewöhnt. Und an die Tatsache, dass die blöde Mehrwertsteuer immer erst an der Kasse berechnet wird. Woran ich mich nur schwer gewöhne, ist die Sache mit dem Trinkgeld. Ich gebe immer Trinkgeld, aber mir gefällt das Konzept in den USA einfach nicht. Kellner*innen verdienen hier nicht selten nur 2$ die Stunde (das sind ca. 1,70€), sodass sie auf das hohe Trinkgeld einfach angewiesen sind. Das will ich ihnen auch nicht verwehren, der/die Kellner*in kann schließlich nichts dafür. Aber mich regt einfach auf, dass die Restaurants ihre Mitarbeiter über die Kund*innen bezahlen, das ist in meinen Augen nicht gerecht. Außerdem ist das Trinkgeld geben hier unnötig kompliziert. Wenn man im Restaurants bezahlen möchte, bekommt man eine schwarze Mappe gebracht, in der die Rechnung klebt. Man legt dann seine Kreditkarte (in den USA wird hauptsächlich mit Kreditkarte bezahlt!) hinein und das Personal nimmt die Mappe mit. Die Karte wird dann im System gespeichert und man bekommt noch einmal zwei neue Rechnungen. Die eine behält man, auf der anderen rechnet man noch das Trinkgeld drauf (es wird meistens ein Trinkgeld vorgeschlagen) und unterschreibt. Das fand ich am Anfang echt verwirrend und unnötig kompliziert erscheint es mir immer noch.

Was vermisst du am meisten an Deutschland?

Brot! Und das ist kein Witz! Ich bin zwar auch in Deutschland niemand, der ausschließlich Vollkornbrot isst, aber das Brot hier ist einfach absolut furchtbar. Alles ist wabbelig und viel zu weich, einfach schlimm. In Salt Lake City gibt es zwar eine deutsche Bäckerei, aber die ist relativ weit entfernt von unserem täglichen Radius. Hier kann man sich auch nicht einfach mal ein belegtes Brötchen oder eine Laugenbrezel oder so holen, das gibt es so nämlich auch einfach nicht. Laugenbrezeln schmecken hier absolut ekelhaft (trocken und vieeel zu viel Salz) und Brötchen gibt es in den USA generell nicht.

Natürlich vermisse ich auch meine Familie, meine Freunde und einfach mein ganzes Leben in Deutschland, aber das ist ja eigentlich klar.

Welche typischen amerikanischen Klischees sind wahr?

Puuh, viele würde ich sagen. Was definitiv stimmt, ist dass Amerikaner*innen freundlich, locker und entspannt sind (also die meisten). Die Freundlichkeit mag manchmal oberflächlich sein, aber das finde ich nicht so schlimm. Die Freundlichkeit gibt einem einfach ein gutes Gefühl! Viele Menschen sind hier auch einfach deutlich entspannter und lockerer, kommen eher aus sich raus als in Deutschland. Was aber leider auch stimmt, ist, dass Amerikaner*innen unzuverlässig sind. Und das nervt mich wirklich sehr! Ich bin jemand, auf den man sich verlassen kann. Hier muss man die Menschen allerdings echt auf etwas festnageln, auf ein „Klar, können wir gerne machen!“ oder „Ja, ich kann nächstes Wochenende, komm vorbei!“ kann man sich leider meistens nicht wirklich verlassen. Es ist auch wahr, dass hier deutlich mehr Fast Food konsumiert wird, als in Deutschland. Es gibt hier tausend verschiedene Ketten, von denen man in Deutschland meistens noch nie etwas gehört hat und dazu ist Fast Food auch einfach echt günstig. Vor allem im Vergleich zu normalen Restaurants oder den Preisen für gesunde Nahrungsmittel im Supermarkt. Leider sind daher auch viele Menschen deutlich zu dick. Also so, dass es wirklich schon krankhaft ist. In Utah geht es tatsächlich noch, hier sind die Menschen eher schlank, aber gerade Kalifornien hat mich diesbezüglich sehr schockiert.

In den USA ist auch tatsächlich alles größer, aber das habe ich ja schon mehrfach erwähnt. Für spezifische Klischees und ob diese wahr sind, werde ich dann demnächst mal eine Fragerunde auf Instagram veranstalten. Da könnt ihr dann all eure Vorurteile loslassen!

Was machst du mit dem Rest des Semesters, wenn du wieder in Deutschland bist? Hast du Kurse?

Ich komme ja am 18. Dezember wieder zurück – da ist das Semester schon fast zu 3/4 rum. Ich kann also in keine Kurse mehr, das wäre auch einfach zu viel Nachbereitung. Allerdings belege ich von hier aus eine Vorlesung, die asynchron online stattfindet. Aus dem letzten Semester habe ich noch eine Hausarbeit übrig, die ich dann ab Januar schreiben werde. Außerdem trete ich ab Januar einen neuen Job an, der dann auch an der Uni ist. Ich habe mich übrigens ganz bewusst dagegen entschieden, ein Urlaubssemester für das aktuelle Wintersemester zu nehmen. Ich bin ja nicht mal das ganze Semester weg und könnte dann, wenn ich wieder da bin, auch die Hausarbeit nicht schreiben, da man keine Prüfungsleistungen ablegen darf, wenn man beurlaubt ist. Zusätzlich hätte ich auch mein Bahnticket bis zum nächsten Sommersemester nicht mehr benutzen können und das wäre wirklich sehr ärgerlich gewesen!

Wie kann man sich für das Praktikum bewerben?

Für dieses Praktikum kann man sich (leider) nur bewerben, wenn man an der Uni Köln in einem Lehramtsstudiengang eingeschrieben ist. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen der Uni Köln und der University of Utah, die im Rahmen des in NRW im Lehramtsstudiengang verpflichtenden Berufsfeldpraktikum stattfindet. Andere Unis ermöglichen aber sicherlich ähnliche Praktika mit anderen Unis oder Schulen im Ausland. Und es gibt ja auch immer noch die Möglichkeit, mit einer Organisation zu gehen. Über die dort herrschenden Bedingungen etc. kann ich allerdings keine Infos geben, da ich mich schlichtweg nicht auskenne. Ich würde empfehlen, sich bei den Organisationen (z.B. AIFS oder EF) selbst zu organisieren. Eine gute Informationsquelle sind auch immer Auslandsmessen – einfach mal googeln!

Welche Frage/Antwort fandet ihr am interessantesten?

xoxo Ruth

Die Fotos aus diesem Beitrag wurden übrigens auf Bainbridge Island, Washington aufgenommen!

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