UNPOPULAR OPINION: buchige Themen, die ich anders sehe als die meisten Menschen

In letzter Zeit habe ich oft gemerkt, dass meine Meinung zu bestimmten buchigen Themen nicht unbedingt immer der Meinung der breiten Masse entspricht. Das mag nicht auf alles zutreffen, so gibt es viele geyhpte Bücher, die auch mir gut gefallen haben und auch ich mag keine Leserillen, aber in verschiedenen Bereichen habe ich dann doch eine „unpopular opinion“. Genau die möchte ich heute gerne mit euch teilen. Ich lese oder sehe das auch super gerne bei anderen und dachte mir daher, warum teile ich nicht auch einfach mal selbst meine unpopular opinions? Ich wünsche euch viel Spaß und hinterlasst gerne eure Meinungen!

Es gibt zu viele Signieraktionen

Signieraktionen sind ja aktuell, gerade in einem bestimmten Genre, überall präsent und meine Meinung diesbezüglich hat sich in den letzten Monaten stark verändert. Anfangs fand ich das nämlich auch ziemlich cool. Wer mag signierte Bücher denn nicht gerne? Doch nachdem ich das ein oder andere Mal ein Buch bei einer solchen Aktion bestellt hatte, habe ich eins festgestellt: es ist nicht vergleichbar mit dem Gefühl, wenn ein*e Autor*in, von dem und der ich ein richtiger Fan bin, ein Buch, das ich richtig liebe, live vor dir signiert. Autogramme in Büchern verlieren für mich ihren Wert. Auch weil sie, so jedenfalls mein Gefühl, oft auch dazu genutzt werden, Vorverkaufszahlen künstlich zu steigern und sich auf Bestseller-Listen zu platzieren. Zusätzlich spielen sie mit einem Gefühl, für das ich persönlich sehr anfällig bin: FOMO (fear of missing out, dt.: die Angst, etwas zu verpassen). Oft werden Signieraktionen nämlich durch weitere Extras wie streng limitierte Postkarten o.ä. begleitet. Und das führt unweigerlich zu dem Gefühl, man würde etwas verpassen, wenn man das Buch jetzt nicht signiert bestellt. Was, wenn sich das Buch zu meinem absoluten Lieblingsbuch entwickelt? Dann werde ich es ja total bereuen, dass ich es nicht signiert habe! Tja, aber die Wahrheit ist: wie viele, von den Büchern, die man sich im Jahr kauft, vor allem von denen, die man unter Druck oder aus Impulsen heraus gekauft hat, entwickeln sich wirklich zu absoluten Lieblingsbüchern? Ziemlich wenige.

Keins von den Büchern, die ich mir ungelesen signiert bestellt habe, ist mein absolutes Lieblingsbuch geworden. Einige von denen haben mir sogar nur sehr mittelmäßig gefallen und stehen jetzt mit meinem Namen und einer Unterschrift darin in meinem Regal. Einige habe ich noch gar nicht gelesen. Ich will mit diesem Aspekt nicht sagen, dass solche Signieraktionen grundsätzlich schlecht sind oder dass man bei ihnen nicht bestellen sollte, aber ich würde mir wünschen, es würde wieder etwas sparsamer und achtsamer damit umgegangen werden. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, nur noch bei Lieblingsautor*innen bei solchen Aktionen mitzumachen.

Deutsche Cover sind (meistens) gar nicht so hässlich

Manchmal habe ich das Gefühl, es gibt Leute, die finden direkt alles, was deutsch ist, doof, schlecht und hässlich. Seien es Filme, Serien oder Bücher. Ich will gar nicht bestreiten, dass amerikanische oder britische Filme und Serien in vielen Fällen besser sind als Produktionen aus Deutschland, aber eben auch nicht in allen. Und ich mag diese grundsätzliche Abwehr- und Ablehungshaltung einfach nicht. Bei Büchern gibt es ein ähnliches Problem und das bezieht sich oft auf die Cover (oder Titel) der deutschen Übersetzungen englischsprachiger Bücher. Gerade auf Booktok sehe ich ständig Videos, in denen sich Creater*innen über die angeblich so furchtbaren Cover der deutschen Übersetzungen aufregen. In manchen Fällen muss ich zugeben, ja das stimmt, aber oft finde ich die Cover wirklich nicht so schlimm, wie sie dargestellt werden. Sie sind vielleicht anders, aber deshalb nicht direkt schlecht. Und gerade in den letzten Jahren hat sich diesbezüglich einiges getan! In einigen Fällen finde ich sogar das deutsche Cover deutlich schöner.

Bei veränderten Titeln ist das immer so die Sache: wenn ein anderer englischer Titel anstelle des Originaltitels gewählt wird, dann finde ich das auch blöd, wenn der Titel aber übersetzt oder durch einen Untertitel ergänzt wurde, dann finde ich das ehrlich gesagt nicht so schlimm. Nicht alle Leser*innen sind des Englischen mächtig und so machen Übersetzungen durchaus Sinn. Aber das vergessen viele offensichtlich.

Kurz gesagt: nur weil ein Titel oder ein Cover anders ist als in der englischsprachigen Version, sind Titel oder Cover nicht direkt hässlich. Sie sind halt anders und das ist okay!

Ich brauche kein smut/spice

Smut oder Spice bezeichnen Szenen in Büchern, in denen sexuelle Handlungen beschrieben und durch die Figuren vollzogen werden. Solche Szenen finden sich nicht nur in New Adult- und Erotikbüchern, sondern auch in vielen Fantasyromanen gewisser Autor*innen. Es gibt viele, viele Leser*innen, die genau das lieben und am liebsten 100 Seiten dazu lesen würden. Ich gehöre nicht dazu. Nicht falsch verstehen, ich mag Liebesgeschichten und ein Fantasyroman ganz ohne Romance ist dann doch ein bisschen trocken, aber für mich muss nicht alles immer so explizit sein. Das New Adult-Genre versucht ja immer so dagegen anzukämpfen, nicht als „Erotik“ wahrgenommen zu werden, was ich grundsätzlich auch unterstütze, aber viele der Geschichten fühlen sich dann doch so an, als wäre das einzig ausschlaggebende in der Geschichte die Sexszene. Das finde ich schade. Ich überblättere die Sexszenen oft, weil sie sich doch irgendwie alle gleich lesen und sie selten etwas zur eigentlichen Handlung beitragen. Natürlich ist es in einer Liebesgeschichte wichtig, dass die Figuren auch intim miteinander werden, aber für mich bedarf es einfach keiner expliziten Schilderung. Es darf gerne angedeutet werden, aber ich brauche keine 20 Seiten-Beschreibung sexueller Handlung.

Enemies to lovers funktioniert nur in den seltensten Fällen

Unter all den Tropen, die es da draußen gibt, ist kaum eine so beliebt wie „Enemies to lovers“ – also Personen, die sich am Anfang der Geschichte nicht mögen und sich am Ende lieben. Ich persönlich kann der Trope deutlich weniger abfinden als vermutlich die meisten anderen. Das liegt daran, dass die Trope in meinen Augen nur sehr selten funktioniert. Den Wandel von Hass zu Liebe gut und authentisch zu schreiben, empfinde ich als höchst kompliziert und es gelingt leider nur wenigen Autor*innen. Oft kann ich den Hass (oder dann auch die Liebe) nicht nachvollziehen, gerade bei Romance wirkt das oft viel zu gestellt. In Fantasyromanen funktioniert es deutlich besser, aber da kann das Konzept des „Feindes“ auch einfach besser ausgearbeitet werden. In Romance geht es mir auch oft zu schnell und die Feinde werden nach 100 Seiten schon zu Liebenden. „Friends to lovers“ funktioniert in meinen Augen einfach für deutlich mehr Geschichten und deutlich mehr Genre.

Männliche Stimmen sind in Hörbüchern angenehmer

Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt eine Unpopular Opinion ist, aber ich dachte, dieser Beitrag ist eine gute Gelegenheit einmal allgemein darüber zu sprechen: ich finde Hörbücher in 80% der Fälle deutlich angenehmer, wenn sie von Männern gelesen werden. Ich habe wirklich absolut keine Ahnung, woran das liegen könnte, aber männliche Stimmen passen in meinen Augen (oder Ohren, haha) einfach deutlich besser in die Erzählerposition als weibliche Stimmen. Es gibt durchaus Hörbuchsprecherinnen, die ich gerne mag, zum Beispiel Andrea Sawatzki oder Sascha Icks, aber meistens ziehe ich männliche Stimmen den weiblichen vor. Ganz schlimm finde ich allerdings die Stimmen, die gerne bei New Adult-Romanen eingesetzt werden. Vielleicht liegt es auch an den Geschichten, die sie lesen, aber ich finde das leider selten so richtig gut umgesetzt.

Auktoriales Erzählverhalten > Ich-Erzähler*innen

Es ist nicht so, dass ich Ich-Erzähler*innen gar nicht mag, aber ich bevorzuge einfach auktoriales Erzählverhalten. Ich mag die klassische Erzählinstanz einfach total gerne. Erzähltechnisch gibt es so einfach viel mehr Optionen und auch die unterschiedlichen POVs können viel besser ausgearbeitet werden. Natürlich ist man dann auch immer ein bisschen distanzierter von den Protagonist*innen, aber das stört mich gar nicht. Insgesamt bieten sich aber natürlich nicht alle Geschichten für alle Erzählten an, manchmal ist das eine Verhalten eben passender als das andere, aber ich würde mir wünschen, dass mehr Autor*innen wieder das auktoriale Erzählverhalten verwenden würden. Ich habe nämlich den Eindruck, dass das ein bisschen verloren geht.

Was sind eure Unpopular Opinions?

xoxo Ruth

Unpopular Opinion

2 Replies to “UNPOPULAR OPINION: buchige Themen, die ich anders sehe als die meisten Menschen

  1. Hallo Ruth,

    ich komme mir auch immer total schlecht vor, bevorzuge männliche Leserstimmen bei Hörbüchern aber auch oft. Im New Adult Bereich sind mir die Stimmen der Leserinnen oft zu hoch einfach, ich glaube daran liegt es, dass ich manche davon sehr ungerne höre. Andrea Sawatzki mag ich als Sprecherin auch sehr gerne! Eine ganz tolle Stimme hat aber auch Yesim Meisheit :)

    1. Liebe Laura,
      jaa, die Stimmen sind auch oft super hoch und auch super ähnlich untereinander. Da mag ich weder die Erzählstimme, noch die Stimmen, die den Figuren gegeben wird, wobei da ja auch häufig wenig Varianz herrscht. Yesim Weisheit kenne ich noch gar nicht, vielleicht begegnet mir ihre Stimme aber ja demnächst mal, ich höre aktuell relativ viel Hörbuch :)
      Liebe Grüße
      Ruth

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