REZENSION: Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens

REZENSION: Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens

Es gibt immer mal wieder Bücher, die erreichen mich trotz gigantischen Hypes erst später. Dann, wenn der erste Hype eigentlich schon längst abgeebbt ist und sich langsam, aufgrund einer Verfilmung, Übersetzung oder sonstigen Gründen, ein zweiter Hype bildet. So war es bei mir mit „Der Gesang der Flusskrebse“ (engl. OT: Where the Crawdads Sing) von Delia Owens. Auf einmal war das Buch wirklich überall – der Trailer flutete YouTube, das Buch wurde auf sämtlichen Sozialen Netzwerken wieder neu vermarktet und auch in meinem privaten Umfeld schwärmten immer mehr Leute von eben diesem Roman. Meine Neugierde war geweckt, weswegen ich euch heute die Rezension zu „Der Gesang der Flusskrebse“ präsentieren kann. Let’s go!

Infos zum Buch:

Titel: Der Gesang der Flusskrebse I Autorin: Delia Owens I Verlag: hanserblau I Genre: Roman/Belletristik I 464 Seiten I Erscheinungsdatum Deutschland: 22.07.2019 I Preis: 22€ (Hardcover) I ISBN: 978-3-446-26419-9 I Zum Buch

Darum geht’s:

Chase Andrews stirbt, und die Bewohner der ruhigen Küstenstadt Barkley Cove sind sich einig: Schuld ist das Marschmädchen. Kya Clark lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Als zwei junge Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, öffnet Kya sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen (Klappentext).

„Marschland ist nicht gleich Sumpf.“

Owens, Delia: Der Gesang der Flusskrebse. München: hanserblau in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2019, S.11.

Handlung:

„Der Gesang der Flusskrebse“ beschreibt das Leben von Kya Clark, die als Kind von ihrer Familie verlassen wurde und sich alleine im Marschland und den Salzwiesen zurechtfinden muss. Erzählt wird auf zwei Handlungs- bzw. Zeitebenen. Die erste Ebene berichtet von Kyas Leben ab dem Moment an, in dem ihre Mutter und dann auch nach und nach die anderen Familienmitglieder sie verlassen. Die zweite Ebene spielt etwas weiter in der Zukunft und beschäftigt sich mit den Ermittlungen rund um den Tod von Chase Andrews. Die beiden Ebenen werden irgendwann auch zusammengefügt, sodass der Handlungsstrang von da an kontinuierlich fortgesetzt wird.

Besonders charakteristisch für diese Geschichte sind die vielen und sehr detaillierten Naturbeschreibungen. Dadurch wirkte die ganze Welt von Kya, diese endlose Weiten der Marsch mit Sümpfen, Salzwiesen und vielen Tieren sehr lebendig und authentisch. In jeder Beschreibung konnte man die Faszination und die Liebe Kyas, aber auch die der Autorin Delia Owens, dieser besonderen Natur North Carolinas gegenüber spüren. Die Natur wird mitunter auch sehr geheimnisvoll und mysteriös beschrieben, was die allgemeine Atmosphäre von „Der Gesang der Flusskrebse“ ganz ähnlich gestaltet hat.

Zwei große Handlungen stehen im Vordergrund: es gibt zum einen die Kriminalgeschichte rund um den Tod von Chase Andrews und andererseits gibt es aber auch eine sehr berührende, schöne Liebesgeschichte in diesem Roman, die sich fast über die komplette Handlung zieht. Insgesamt passiert aber alles in recht langsamen Tempo. Für mich persönlich in der Mitte etwas zu langsam, sodass ich mich fast schon ein bisschen gelangweilt habe. Das letzte Viertel und dann vor allem das Ende des Romans haben mich dann aber noch einmal so richtig gecatcht. Es wird mitunter richtig spannend und emotional und mir ist da erst bewusst geworden, wie sehr mir die Figuren ans Herz gewachsen sind.

Figuren:

Klare Protagonistin von „Der Gesang der Flusskrebse“ ist Kya. Auf mich hatte sie eine faszinierende Wirkung, auch wenn sie und große Teile ihres Charakters im Verborgenen und unverständlich bleiben. Natürlich ist die Geschichte auch darauf ausgelegt, Mitleid mit Kya zu empfinden und das hat auch sehr gut funktioniert. Ich habe aber neben Mitleid auch Bewunderung für sie empfunden.

Ich kann nicht so viel zu den anderen Figuren sagen, da das ein wenig zu viel von der Geschichte wegnehmen würde, daher versuche ich es über allgemeine Beschreibungen ohne Namen: Also, es gibt recht viele verschiedene Figuren, die auftauchen. Nicht alle treten in direkten Kontakt mit Kya und nicht alle sind ihr wohlgesonnen. Die Geschichte spielt größtenteils in den 1960er Jahren und dazu in den USA – die Menschen in der Kleinstadt sind von Vorurteilen und Rassismus geprägt, Kya begegnen viele der Erwachsenen feindselig und voreingenommen. Aber es gibt auch Figuren, die sich um Kya und ihr Wohlergehen sorgen, für sie da sind, so gut es geht. Und dann gibt es Figuren, die man als Leser*in nicht so richtig durchschaut. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Figuren gut zur Geschichte passen und ihr einen menschlichen Schliff verleihen.

Schreibstil:

Den Schreibstil fand ich unglaublich interessant. Bildungsgefälle zwischen den Figuren werden vor allem über Sprache deutlich gemacht. Die Marsch wird sehr detailliert und atmosphärisch beschrieben, Menschen bekommen oft nur wenig zu sagen. Ich denke, im Original kommt das noch ein bisschen besser rüber, aber in ihrer Sprache konnte man sehr gut merken, wie Kya sich im Laufe der Geschichte verändert. Zunächst spricht sie sehr simpel, mit starkem Dialekt und kleinem Wortschatz. Doch je mehr Wissen sie aufnimmt, desto gebildeter wird auch ihre Sprache. Das fand ich sehr geschickt und gut umgesetzt.

Was mich an der Übersetzung bzw. am übersetzen Titel gestört hat, ist folgendes: wenn man den Originaltitel wortwörtlich übersetzt, würde das „Wo die Flusskrebse singen“ ergeben – ein grandioser Titel, der so auch in der Handlung oft auftaucht. Die Übersetzung machte daraus aber „Der Gesang der Flusskrebse“, was ich sehr schwierig finde, da sich dadurch die Bedeutung verschiebt. Es geht nämlich garnicht um den tatsächlichen Gesang der Flusskrebse (oder den Fakt, dass sie überhaupt singen), sondern viel mehr geht es um den Ort, an dem sie singen. Daher finde ich es hier sehr schade, dass der Titel in der Übersetzung so verändert wurde.

Fazit:

„Der Gesang der Flusskrebse“ hat mir gut gefallen, auch wenn ich sagen muss, dass der Funke dann dennoch nicht zu 100% übergesprungen ist. Handwerklich ist der Roman einwandfrei und ich mochte auch sehr, sehr viele Aspekte, aber zwischendurch hat mir die Verbindung etwas gefehlt, wodurch ich mich doch an Stellen gelangweilt habe. Ich persönlich hätte auch nicht so viele Naturbeschreibungen gebraucht, aber ich verstehe schon, warum hier so viel mit ihnen gearbeitet wurde. Insgesamt aber dennoch ein sehr gelungener Roman, der sich vor allem auch durch die letzten 30 Seiten auszeichnet. Ich freue mich sehr auf die Verfilmung und gebe vier Sterne!

Bewertung: 4 von 5.

Habt ihr „Der Gesang der Flusskrebse“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Der Gesang der Flusskrebse


2 thoughts on “REZENSION: Der Gesang der Flusskrebse von Delia Owens”

  • Eins der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Bin sehr begeistert von den Charakteren, der tragischen aber auch schönen Geschichte und der wunderbar beschriebenen Natur und Landschaft. Finde gerade das macht das Buch aus.

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