REZENSION: Good Girl, Bad Blood von Holly Jackson

Das letzte Buch, das ich 2020 beendet habe, war „A Good Girls Guide To Murder“ von Holly Jackson. Ich dachte damals, es handelt sich um einen Einzelband, habe dann aber schnell gelernt, dass die Geschichte noch in zwei Folgebände erhalten hat. Jetzt, ca. 1,5 Jahre später, habe ich Teil 2 („Good Girl, Bad Blood“) gelesen und habe daher heute die passende Rezension für euch. Let’s go! Wie immer bei Rezensionen zu Fortsetzungen bitte beachten, dass die Kenntnis von Teil 1 innerhalb dieser Rezension vorausgesetzt wird.

Infos zum Buch:

Titel: Good Girl, Bad Blood I Autorin: Holly Jackson I Verlag: Harper Collins I Genre: YA Mystery/Crime I 432 Seiten I Erscheinungsdatum (englische Ausgabe): 01.05.2020 I Sprache: Englisch I ISBN: 978-1-4052-9775-2 I Zum Buch

Darum geht’s:

Pip Fitz-Amobi is not a detective anymore. With the help of Ravi Singh, she released a true-crime podcast about the murder case they solved together last year. The podcast has gone viral, yet Pip insists her investigating days are behind her. But she will have to break that promise when someone she knows goes missing. Jamie Reynolds has disappeared but the police won’t do anything about it. And if they won’t look for Jamie then Pip will, uncovering more of her town’s dark secrets along the way& and this time EVERYONE is listening. But will she find him before it’s too late? (Klappentext)

„You’d think you’d know what a killer sounds like.“

Jackson, Holly: Good Girl, Bad Blood. London: Harper Collins 2020, S. 1.

Handlung:

„A Good Girls Guide To Murder“ endete ja bekanntlich damit, dass Pip herausgefunden hat, wie und durch wen Andie Bell ums Leben kam – ihr Dasein als Detektivin ist für sie damit abgeschlossen. Aber wie geht es einem eigentlich damit, wenn man gerade einen Mord aufgeklärt hat? Pip veröffentlicht einen Podcast, den sie „A Good Girls Guide To Murder“ nennt, in dem sie die ganze Geschichte erzählt und genau da werden die Leser*innen in „Good Girl, Bad Blood“ dann auch abgeholt. Im Danach. Der kurze Rückblick und die Beschreibung von den neuen Lebensumständen von Pip, Ravi, Cara und Co. haben mir gut gefallen. So war es nämlich gar nicht schlimm, dass ich den ersten Teil im Dezember 2020 gelesen hatte und mich demnach nicht mehr an jedes einzelne Detail erinnern konnte.

Relativ schnell wird Pip dann aber mit einem neuen Auftrag konfrontiert: der Bruder ihres Kumpels Connor, Jamie, wird vermisst. Da er über 18 ist und noch keine 24 Stunden verschwunden ist, wird der Fall für die Polizei mit sehr geringer Priorität behandelt, weswegen Connor sich auch an Pip wendet. Pip, die ein bisschen traumatisiert ist von den Geschehnissen aus Band 1 hat aber eigentlich gar keine richtige Lust, wieder zu ermitteln, lässt sich dann letztlich aber doch überreden.

Die ersten 150 Seiten sind sehr zäh und mir hat irgendwie der Zugang zu dem Fall gefehlt. Das hat in meinen Augen viel mit Pip und ihrer Rolle in dem Fall zu tun. Ihr fehlt hier vollkommen die intrinsische Motivation, sie hat eigentlich überhaupt keine Lust darauf und von ihrer Liebe zu True Crime aus dem ersten Buch ist auch nichts mehr zu spüren. Wenn also nicht einmal die Protagonistin eine Verbindung zum Haupthandlungsstrang des Romans aufbauen kann, wie kann ich als Leserin das dann? Mir ist es leider überhaupt nicht gelungen.

Zwischendurch gab es durchaus ein paar Twists, die mir gefallen haben und für ein paar Seiten die Spannung hochgetrieben haben, aber dauerhaft konnte die Spannung leider absolut nicht gehalten werden und ist viel zu schnell wieder abgeflacht. Auch mit dem Ende bzw. der Auflösung bin ich nicht glücklich. Auf den letzten 100 Seiten werden so viele neue Fässer aufgemacht, die vorher überhaupt keine Rolle gespielt haben. Alles geht auf einmal total schnell und ist absolut nicht mehr nachvollziehbar. Das fand ich super schade!

Figuren:

Zu Pip habe ich ja bereits oben ein wenig gesagt, möchte das hier aber gerne noch fortführen. Die Pip aus „Good Girl, Bad Blood“ hat in meinen Augen leider gar nichts mehr mit der Pip aus „A Good Girls Guide To Murder“ zu tun. Als Protagonistin ist sie unglaublich blass, fast schon bedeutungslos. Im Grunde ist es vollkommen egal, dass sie diejenige ist, die ermittelt. Es hätte auch irgendeine andere Person sein können, die die Leser*innen vorher nicht gekannt haben. Natürlich belasten Pip die Geschehnisse aus dem ersten Teil, aber damit wird dann auch gar nicht richtig umgegangen. Am Anfang und auf den letzten 100 Seiten merkt man immer mal wieder kurz, was sie erlebt hat und was sie alles zu verarbeiten hat, aber überzeugend war das insgesamt leider gar nicht.

Dann wäre da natürlich noch Ravi. Im ersten Teil hatte er natürlich eine entscheidende Rolle: er war der Bruder von Sal Singh, der angeblich Andie Bell ermordet hat. Hier hat er keinerlei persönlichen Bezug mehr zu dem Fall und konnte mich nicht wirklich von sich überzeugen. Wer ist er eigentlich? Was mag er? Und warum mag er Pip nochmal? Die romantische Beziehung zwischen Pip und ihm hat sich auch überhaupt nicht weiterentwickelt. Ja, „Good Girl, Bad Blood“ ist kein Liebesroman, aber hier hätte man sich die Liebesbeziehung auch ganz sparen können, da sie quasi überhaupt keine Rolle spielt und sich wie gesagt auch gar nicht entwickelt.

Cara, Pips beste Freundin und Tochter des Täters aus Teil 1, taucht am Anfang auf und verschwindet dann. Wohin? Also entweder ich habe es vergessen oder es wird einfach nicht erklärt und sie ist gar nicht mehr da. Auch Pips Familie spielt kaum noch eine Rolle.

Connor hat mir hingegen eigentlich ganz gut gefallen. Er hatte wenigstens Motivation, an dem Fall zu arbeiten, schließlich wird sein Bruder vermisst. Ihn und sein Familiengefüge fand ich spannend und waren dann immer eine Art Highlight für mich, wenn sie vorkamen.

Schreibstil:

Da ich den ersten Teil auf deutsch und den zweiten Teil jetzt auf englisch gelesen habe, wirkt der Schreibstil durchaus ein wenig anders auf mich. Aber nicht unbedingt schlechter. Das Englisch fand ich etwas komplexer als in anderen Geschichten. Ich muss aber auch sagen, dass ich britisches Englisch nicht mehr so gewohnt bin und daher immer ein bisschen länger brauche, um mich zurecht zu finden als bei amerikanischem Englisch.

Was ich aber wieder sehr mochte, waren die Interviews, Notizen, Fotos und Zeitungsartikel, die in die Geschichte eingewoben wurden. Das macht eine Leseerfahrung immer ein Stück weit besonders und sorgt definitiv für Auflockerung.

Fazit:

„Good Girl, Bad Blood“ war für mich leider eine Enttäuschung. Mir haben sowohl die Spannung als auch die Verbindung zum Fall gefehlt. Pip war als Protagonistin absolut blass und ersetzbar und von der Pip aus Teil 1 war nichts mehr zu spüren. Viele Chancen wurden nicht genutzt oder einfach schlecht umgesetzt. Das Ende war zu abrupt und die Auflösung eher schlecht als recht. Trotzdem gab es immer mal wieder doch den ein oder anderen spannenden Moment und Connor mochte ich. Die Interviews etc. haben mir auch wieder gut gefallen. Der Schreibstil war solide, wenn auch sprachlich ein bisschen komplexer, wenn man britisches Englisch nicht so gewöhnt ist. Als Einzelband mit Connor als Protagonist hätte das Buch sicherlich besser funktioniert und insgesamt frage ich mich auch, warum hier überhaupt eine Reihe entstanden ist. Vielleicht lese ich Teil 3 noch, vielleicht aber auch nicht. Von mir gibt es wohlwollende drei Sterne.

Bewertung: 3 von 5.

Habt ihr „Good Girl, Bad Blood“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Rezension

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