REZENSION: Forever, Interrupted von Taylor Jenkins Reid

Vor dem Rückflug aus meinem diesjährigen USA-Urlaub habe ich mir am Flughafen von Las Vegas noch ganz spontan ein Buch gekauft, das ich dann auch tatsächlich noch im Flugzeug angefangen habe. Die Rede ist von „Forever, Interrupted“ von Taylor Jenkins Reid, die ja bekanntermaßen mittlerweile zu meinen Lieblingsautorinnen gehört. Jedenfalls kommt heute die Rezension zu exakt diesem Buch – ich wünsche euch viel Spaß!

Infos zum Buch:

Titel: Forever, Interrupted I Autorin: Taylor Jenkins Reid I Verlag: Washington Square Press I Genre: Contemporary Romance I Sprache: Englisch I Seiten: 352 I Ersterscheinung: 09.07.2013 I ISBN: 978-1-4767-1282-6 I Zum Buch I Deutscher Titel: Neun Tage und ein Jahr

Darum geht’s:

Elsie Porter is an average twentysomething and yet what happens to her is anything but ordinary. On a rainy New Year’s Day, she heads out to pick up a pizza for one. She isn’t expecting to see anyone else in the shop, much less the adorable and charming Ben Ross. Their chemistry is instant and electric. Ben cannot even wait twenty-four hours before asking to see her again. Within weeks, the two are head over heels in love. By May, they’ve eloped. Only nine days later, Ben is out riding his bike when he is hit by a truck and killed on impact. Elsie hears the sirens outside her apartment, but by the time she gets downstairs, he has already been whisked off to the emergency room. At the hospital, she must face Susan, the mother-in-law she has never met—and who doesn’t even know Elsie exists (Klappentext).

„Have you decides if you’re going to change your name?, Ben asks me.“

Jenkins Reid, Taylor: Forever, Interrupted. New York: Washington Square Press 2013, S. 7.

Handlung:

In „Forever, Interrupted“ werden Leser*innen mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte konfrontiert. Die Originalausgabe der englischen Fassung trug noch den Untertitel „Not your average lovestory“ und das passt wirklich ausgesprochen gut auf „Forever, Interrupted“. Die Leser*innen verfolgen die Handlung auf zwei Zeitebenen, die immer abwechselnd vorkommen. Die erste Zeitebene beschäftigt sich mit den Monaten Januar bis Juni; die zweite Zeitebene mit den Monaten Juni bis Dezember. Auf der ersten Zeitebene erfahren wir wie Elsie und Ben sich Hals über Kopf ineinander verliebt haben und schließlich sogar durchgebrannt sind. Auf der zweiten Ebene erfahren wir wie Elsie und Bens Mutter Susan mit dem plötzlichen Tod ihres Ehemanns und Sohns umgehen. Das ist eine ziemlich ungewöhnliche Erzählweise, die ich aber eigentlich zunächst ganz gut gewählt fand. Der Tod von Ben geschieht direkt im ersten Kapitel, weswegen ich ihn zunächst zwar als traurig, aber nicht als so berührend wahrgenommen habe. Ich kannte schließlich weder Ben noch Elsie zu diesem Zeitpunkt. Während dann aber die Kennenlerngeschichte der beiden mit Elsies Trauerprozess verwoben wird, wird die Tatsache, dass Ben gestorben ist, mit jeder Seite schlimmer.

Nichtsdestotrotz hat mir der Umgang mit dem Thema Tod und Sterben nicht so gut gefallen. Ich habe schon einige Romane gelesen, die sich eben damit beschäftigen, aber ich habe sie dabei ganz selten bis nie als deprimierend wahrgenommen. Hier war das anders. Die Geschichte war irgendwie so frustrierend. Klar, das hätte man bei dem Klappentext schon ahnen können, aber ich hatte gehofft, dass sie an einigen Stellen etwas hoffnungsvoller und lebendiger wird. So wie ich es von anderen Romanen mit dieser Thematik finde.

Ansonsten hat mich auch noch ein wenig gestört, dass es im Grunde wenig Plot gab. Das, was als Plottwist hätte durchgehen können, nämlich Bens Tod, wird schon direkt im ersten Kapitel verraten. So gibt es keinen Höhepunkt oder ähnliches, auf den man „hinarbeitet“. Die Idee der oben bereits beschriebenen Plotführung war also neu und interessant, aber jenseits von der immer stärker werdenden emotionalen Bindung an Ben hat sie eher für Langeweile gesorgt.

Figuren:

Geschichten über Trauer stehen und fallen mit den Figuren, die die Trauer verarbeiten müssen. Und irgendwie auch mit den Personen, weswegen die Trauer überhaupt erst entsteht. Das wäre in diesem Fall Ben. Ich kann sehr gut nachvollziehen, warum man seinen Tod betrauert. Abgesehen von der Tatsache, dass es einfach schrecklich ist, wenige Tage nach der eignen Hochzeit aus dem Leben gerissen zu werden, war Ben einfach eine liebenswerte Person. In Elsies Erzählung aber auch in Susans Erinnerung wirkte er sehr lebendig. Er muss ein Mensch gewesen sein, den andere Menschen fast sofort mögen. Aufgeschlossen, lustig, irgendwie besonders. Ben war also nicht das Problem.

Das war viel mehr Elsie. Ich fand sie furchtbar anstrengend, und das auch auf der ersten Zeitebene, in der sie Ben kennenlernt. Ihr Verhalten ihrer besten Freundin Ana gegenüber fand ich an vielen Stellen sehr gemein und unangemessen und trotz ihrer Trauer und ihres furchtbaren Verlusts konnte ich nicht das nötige Mitleid mit ihr empfinden. Das tut mir leid, aber es hat hier einfach wirklich nicht gut geklappt. Natürlich gab es kleine Momente der Empathie, aber ich konnte einfach nicht genug Sympathie für Elsie aufbringen, als dass mir ihr Schicksal wirklich am Herzen gelegen hat. Zunächst fand ich es auch etwas fraglich, ob man für einen Menschen, den man erst sechs Monate kennt, wirklich so tiefe Trauer empfinden kann. Da wurde ich dann aber eines besseren belehrt. Allerdings nicht von Elsie selbst, sondern von einer anderen Person: Bens Mutter Susan.

Susan und Elsie kennen sich zu Beginn gar nicht, da Ben es nie geschafft hat, seiner Mutter von Elsie zu erzählen. Sie lernen sich also erst im Krankenhaus kennen. Susans Reaktion auf Elsie mag auf den ersten Blick kalt und gemein erscheinen, aber letztlich war sie eigentlich zutiefst menschlich. Ich konnte ihre Wut, die sich in Susans tiefe Trauer gemischt hat, sehr gut verstehen, da sie sehr authentisch geschildert wurde. So konnte ich zu Susan eine viel bessere Verbindung aufbauen als zu Elsie, die ja die Geschichte sogar erzählt hat. Susans Schicksal lag und liegt mir auch viel mehr am Herzen.

Schreibstil:

Obwohl es sich um ihr Debüt handelt, ist der Schreibstil von Taylor Jenkins Reid in „Forever, Interrupted“ bereits sehr flüssig und anschaulich. Szenen sieht man auch hier wieder wie in einem Film vor sich und kann sich dadurch alles sehr gut vorstellen. Natürlich fehlen noch gewisse Feinheiten und Kniffe, die sich in Jenkins Reids jüngeren Werken finden, aber für ein Debüt ist das wirklich absolut gelungen und gut!

Fazit:

Letztlich bin ich froh, „Forever, Interrupted“ gelesen zu haben. Gleichzeitig bin ich aber auch erleichtert, dass es nicht der erste Roman von der Autorin war, den ich gelesen habe. Dann wäre sie nämlich vermutlich nicht so schnell meine Lieblingsautorin geworden. Schon in ihrem Erstlingswerk beweist Taylor Jenkins Reid ihr Talent für ungewöhnliche und besondere (Liebes)Geschichten mit einem starken Fokus auf den Figuren. In „Forever, Interrupted“ war vieles davon jedoch noch nicht ganz ausgereift. Ein guter Start, aber dann doch noch mit einiges an Luft nach oben. Dass sie diese Luft ausfüllen kann, hat Taylor Jenkins Reid dann aber spätestens mit „The Seven Husbands of Evelyn Hugo“ bewiesen. Für „Forever, Interrupted“ gibt es von mir drei Sterne.

Bewertung: 3 von 5.

Habt ihr „Forever, Interrupted“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Rezension Forever Interrupted

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