Rezension: Die Sechs Kraniche von Elizabeth Lim

Als Kind habe ich Märchen geliebt. Ich habe alles verschlungen, was auch nur im entferntesten mit Märchen zu tun hatte. Diese Liebe hat sich fortgesetzt und auch wenn, das gebe ich zu, manche Märchen etwas fragwürdige Lehren fördern, bin ich immer noch ein großer Fan. So lese ich auch gerne Fairytale Retellings, also Neuerzählungen von bekannten Märchen. „Die Sechs Schwäne“ der Brüder Grimm war eines meiner Lieblingsmärchen und so war ich sehr gespannt auf Elizabeth Lims Retelling „Die Sechs Kraniche“, wozu ihr heute die Rezension zu lesen bekommt. Ich wünsche euch ganz viel Spaß!

Infos zum Buch:

Titel: Die Sechs Kraniche I Autorin: Elizabeth Lim I Verlag: Carlsen I Genre: High Fantasy I 480 Seiten I Erscheinungstermin Deutschland: 18. März 2022 I Preis: 16€ (Paperback) I ISBN: 978-3-551-58455-7 I Zum Buch

Darum geht’s:

Prinzessin Shiori hat ihre verbotenen magischen Kräfte bisher sorgfältig verborgen. Doch am Morgen ihrer arrangierten Hochzeit verliert sie die Kontrolle über ihre Magie. Ihre Stiefmutter Raikama wittert in ihr eine gefährliche Konkurrentin. Sie verbannt die Prinzessin, verwandelt ihre Brüder in Kraniche und belegt Shiori mit einem Fluch: Sobald ein Wort über ihre Lippen kommt, wird ein Bruder sterben. Auf der Suche nach den Kranichen entdeckt Shiori eine Verschwörung mit dem Ziel, den Thron zu übernehmen. Um das zu verhindern, braucht sie ausgerechnet die Hilfe ihres unbekannten Bräutigams – und sie ist auf alles gefasst, aber nicht darauf, sich zu verlieben … (Klappentext)

„Der Grund des Sees schmeckte nach Schlamm, Salz und Reue.“

Lim, Elizabeth: Die Sechs Kraniche. Hamburg: Carlsen Verlag, S. 7.

Handlung:

„Die Sechs Kraniche“ nimmt seine Leser*innen ab der ersten Seite voll mit ins Geschehen. Ich war tatsächlich ab dem ersten Satz hin und weg und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Die Spannung wird auch nach dem Anfang noch aufrecht erhalten. Ab der zweiten Hälfte sackt sie zwischenzeitig ein kleines bisschen ab, nimmt dann aber schnell wieder fahrt auf. Alle Stationen, die wir mit der Protagonistin Shiori erleben, werden kurzweilig erzählt, sodass eigentlich kaum Längen entstehen. Ich muss zugeben, dass ich zuvor vor einigen Stellen ein wenig Angst hatte, besonders vor dem Teil, in dem Shiori nicht sprechen kann, aber es war wirklich alles andere als langweilig. Kommunikation konnte auf geschickte Art und Weise dennoch stattfinden und so hat man eigentlich gar nicht gemerkt, dass Shiroi nicht spricht.

Den Umgang mit der Märchenvorlage fand ich sehr kreativ. Es war immer wieder spannend zu lesen, wie das Märchen in die Geschichte mit eingearbeitet und die Vorlage umgestaltet wurde. Trotz der gerade zu Beginn wirklich engen Nähe zur Vorlage gelingt es Elizabeth Lim aber auch, etwas völlig neues zu erschaffen, das vor Magie und Geheimnissen nur so strotzt. Das World Building hat mir unglaublich gut gefallen und ich habe es als sehr gelungen wahrgenommen. Das (Magie)System war ausgeklügelt, aber nicht zu komplex und durch die Märchenvorlage hatte man gerade zu Beginn der Geschichte eine hervorragende Orientierung. So kam es nicht zu dem typischen High Fantasy-Problem, dass man zunächst hunderte von Seiten braucht, um das (Magie)System zu verstehen.

Generell mochte ich auch das Setting sehr. Asien interessiert mich persönlich eigentlich nicht so sehr (das ist wirklich nur eine persönliche Präferenz!), mit einer Ausnahme: altes, mythisches China. Wen das ebenfalls interessiert, wird hier zu 100% auf seine Kosten kommen. Ich konnte mir die Welt aus „Die Sechs Kraniche“ dank der guten Beschreibungen hervorragend vorstellen und fand sie schlichtweg magisch.

Die Liebesgeschichte ist zunächst nur ganz zart und man sollte auch im weiteren Verlauf der Geschichte nicht vergessen, dass die Alterszielgruppe ab 14 Jahren ist. Ich mochte die zarte Romantik und brauche in einer solchen Geschichte auch keine Liebesgeschichte im Stil von Sarah J. Maas. Wenn das für euch aber eine zwingende Bedingung ist, dann solltet ihr das bedenken, wenn ihr „Die Sechs Kraniche“ lesen möchtet.

Figuren:

Protagonistin und Erzählerin vereinen sich in Shiori, die uns sicher durch ihre Geschichte führt. Mir war sie von der ersten Seite an sympathisch. Sie ist klug, aufgeweckt, neugierig und auch ein bisschen frech. Im Laufe der Geschichte kann man an ihr starkes Wachstum erkennen. Sie ist am Ende definitiv nicht mehr die Shiroi, die sie am Anfang der Geschichte war. Ich mag solche Entwicklungen sehr gerne, da sie den Figuren mehr Tiefe geben.

Shiori hat auch ein Sidekick, was ich super süß fand: ein Papierkranich namens Kiki, den sie mittels Magie zum Leben erweckt hat. Kiki ist manchmal so etwas wie Shirois Stimme der Vernunft. Die beiden kommunizieren über Gedanken, wodurch auch in Zeiten, in denen Shiori einsam und ohne Stimme ist, Dialoge zustande kommen, die die Geschichte auflockern.

Großer Fan war ich auch direkt von Seryu, einem Drachenjungen, dem Shiroi quasi direkt zu Beginn begegnet. Er war irgendwie so besonders und lustig, ich habe mich immer gefreut, wenn er vorkam! Aber auch Takkan, den wir erst später kennenlernen, mochte ich gerne.

Es gibt noch viele andere wichtige Figuren, die ich hier nicht alle nennen kann. Aber ich kann euch sagen: macht euch auf ein recht großes Figurenensemble gefasst!

Schreibstil:

Der Schreibstil hat die Magie der Geschichte ganz wunderbar transportiert und erheblich dazu beigetragen, dass ich so schnell in die Geschichte gesogen wurde. „Die Sechs Kraniche“ ist flüssig und einfach sehr schön geschrieben. Beschreibungen, Dialoge und Co. wirken immer authentisch, niemals platt oder konstruiert, sie passen immer zu der jeweiligen Szene. Ich mochte den Schreibstil hier wirklich sehr!

Fazit:

Ich habe schon länger kein Fantasy mehr gelesen, bin aber sehr froh, es mit „Die Sechs Kraniche“ von Elizabeth Lim wieder getan zu haben. Es gibt hier alles, was eine gelungene (High) Fantasy-Geschichte verlangt: ein gelungenes, nicht zu kompliziertes World Building, viel Magie, die man durch die Seiten spürt, mutige, aber sympathische Figuren, eine sanfte Liebesgeschichte und viel Spannung. Für mich ist das Buch zu einem kleinen Monatshighlight, wenn nicht Jahreshighlight geworden und ich freue mich sehr auf die Fortsetzung, die ja leider erst im Januar erscheinen wird.

Bewertung: 5 von 5.

Habt ihr „Die Sechs Kraniche“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Rezension: Die Sechs Kraniche

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