Ich reagiere auf eure Unpopular Opinions

Nachdem ich in diesem Blogpost meine eigenen Unpopular Opinions mit euch geteilt habe, möchte ich heute gerne auf eure Unpopular Opinions reagieren! Dazu habe ich auf Instagram dazu aufgerufen, mir (vermeintlich) weniger beliebte/häufige Meinungen zu buchigen Themen zu schreiben. Auf einige habe ich bereits auf Instagram reagiert, die besonders kontroversen habe ich mir aber für diesen Beitrag aufgehoben. Falls ihr in Zukunft auch so interaktiv an Blogbeiträgen mitwirken wollt, dann folgt mir sehr gerne auf Instagram. Jetzt geht’s aber los mit den Unpopular Opinions, let’s go!

„Ich mag spicy Szenen nicht wirklich“

Das zählt auch zu meinen Unpopular Opinions und ich war sehr froh, dass eine*r von euch die gleiche Meinung vertritt! Ich habe grundsätzlich natürlich nichts dagegen, wenn Figuren miteinander schlafen, aber für mich, und den*die Verfasser*in dieser Opinion, braucht es einfach keine seitenlange Beschreibung von Sex in Büchern. Gerade auf Booktok habe ich das Gefühl, dass es einige Leser*innen gibt, die Bücher daran bewerten, wie viel Spice/Smut es gibt. Dabei ist mehr Spice/Smut immer gleichbedeutend mit einer besseren Bewertung. Das finde ich schade, denn in meinen Augen sind Sexszenen in den meisten Romanen etwas, das weder für die Entwicklung der Figuren noch für die Entwicklung des Plots wirklich wichtig sind. Natürlich ist die sexuelle Komponente wichtig für Liebesgeschichten, aber die Länge, die die Szenen annehmen, sind unnötig lang. Ich muss aber noch dazu sagen, dass mir spicy Szenen auf Englisch etwas mehr zusagen als auf Deutsch. Auf Deutsch klingt vieles einfach total seltsam und unnatürlich, auf Englisch kann ich das besser aushalten. Letztlich überblättere ich Sexszenen aber auch total oft und hoffe, dass das Buch nicht aus ausschließlich solcher Szenen besteht.

„Mir sind gut gestaltete Charaktere wichtiger als der Plot“

Unterschreibe ich zu 100%! Eine gute Geschichte steht und fällt nicht mit dem Plot, sondern mit den Charakteren. Wenn ich lese, muss es mir gelingen, eine Verbindung zu den Figuren herstellen zu können. Das bedeutet nicht zwingend, dass mir alle Figuren sympathisch sein müssen, ganz im Gegenteil. Aber ich muss sie als Menschen mit Handlungsmotivationen wahrnehmen können. Ihre Entscheidungen müssen verständlich sein, egal ob man sie jetzt selbst auch so treffen würde oder nicht. Der Plot kann dann schon mal in den Hintergrund rücken. Über Logikfehler oder Vorhersehbarkeit kann ich beispielsweise viel leichter hinwegsehen als über schlecht gestaltete Charaktere.

„Das Cover-Design ist mir ganz egal“

Ich persönlich würde nicht behaupten, dass es mir ganz egal ist, aber es ist mir jetzt auch nicht so unglaublich wichtig. Und wenn ich das Buch mag, mag ich irgendwann tatsächlich auch das Cover. Egal, ob ich es vorher total hässlich fand. Ich muss aber schon sagen, dass Cover, die zumindest ansprechend gestaltet sind, mir einfach eher ins Auge fallen als solche, die ich optisch jetzt erstmal nicht so schön finde. Insgesamt ist mir bei Covern aber einfach wichtig, dass es zumindest so wirkt, als hätte sich jemand Mühe gegeben. Oder Ahnung von Gestaltung. Es gibt da draußen nämlich einige Verlagsbücher deren Cover aussehen, als hätte sie der*die Schülerpraktikant*in mit Word erstellt.

„New Adult ist verkitscht und setzt unrealistische Standards“

Dem stimme ich teilweise zu. Das Problem ist allerdings, dass der Begriff „New Adult“ total schwierig zu fassen ist. Im deutschsprachigen Bookstagram weiß man ziemlich genau, was darunter zu verstehen ist. Man meint die Bücher aus Verlagen wie LYX, Kyss oder Knaur, die meistens pastellige Cover haben, Liebesgeschichten über Anfang Zwanzigjährige erzählen und explizit in der Darstellung von sexuellen Handlungen werden. Im internationalen Vergleich ist es dann aber etwas schwieriger, die Bücher einzuordnen und englischsprachige Pendants zu unseren deutschen New Adelt-Romanen gibt es kaum. Klar, es gibt Brittany C. Cherry oder Emma Scott, aber die werden in den USA ganz anders verkauft und vermarktet als hier bei uns. Ich halte New Adult in unserem Verständnis für ein deutschsprachiges Phänomen. Worauf ich eigentlich hinaus will: das Genre ist schwer abzugrenzen und das macht die Kommunikation darüber schwer. Ich denke, ich weiß aber dennoch genau, auf welche Art von New Adult der*die Verfasser*in hier hinaus möchte und da stimme ich schon zu.

Viele New Adult-Geschichten sind verkitscht und setzen unrealistische Standards. Ich selbst lese kein New Adult mehr. Die Gründe dafür würden diesen Beitrag sprengen. Aber dadurch, dass ich das Genre nicht mehr lese, kann ich nicht viel dazu sagen, ob und inwiefern nicht doch eine Entwicklung in diesem Genre stattgefunden hat. Autor*innen dieses Genres sind in den Social Media ja immer ganz groß darin, genau das zu behaupten. Und das ist auch okay! Ich kann das nicht auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen, da ich die Bücher nicht lese. Ich kann aber sagen, dass die NA-Bücher, die ich gelesen habe, durchaus (unangenehm) kitschig waren und auch falsche Standards gesetzt haben. Mit dieser Problematik habe ich mich aber auch hier einmal genauer auseinandergesetzt.

„e-Books bevorzuge ich gedruckten Büchern“

Da kann ich nicht anders als zu widersprechen. Ich verstehe, warum Menschen lieber e-Books lesen: es ist platzsparend, man kann unendlich viele Bücher auf einmal transportieren, man kann die Schriftgröße ändern, beleuchtete e-Book-Reader ermöglichen das Lesen unabhängig von anderen Lichtquellen und besser für die Umwelt ist es vermutlich auch (da bin ich mir aber nicht zu 100% sicher, Papier wird aber auf jeden Fall eingespart). Dennoch mag ich das Lesen auf e-Readern einfach nicht. Mir fehlt da einfach die Haptik. Als ich letztes Jahr in den USA gelebt habe, hatte ich meinen Reader dabei, da ich ja schlecht mein halbes Bücherregal mitschleppen konnte. Ich habe zwei Bücher auf dem Reader gelesen und fand es bei beiden nicht schön. Für den Rest des Aufenthalts habe ich dann einfach Bücher gelesen, die ich vor Ort gekauft habe. Außerdem stört mich persönlich an e-Books, dass man sie nicht ins Regal stellen kann. Ich gucke meine Bücher im Regal einfach gerne an. Ach ja, Bookstagram-Fotos kann man auch leichter mit gedruckten Büchern machen ;). Letztlich ist e-Book oder gedrucktes Buch aber einfach eine Frage der persönlichen Präferenz!

„Taschenbücher lese ich lieber als Hardcover“

Ich stimme zu, dass es angenehmer ist, ein Taschenbuch/Paperback/Soft Cover zu lesen. Die Bücher sind deutlich leichter, sind meist günstiger, es gibt keinen Umschlag der verrutschen oder reißen kann und die Seiten bleiben schneller offen liegen. Da kommt aber natürlich direkt das zweite Problem zur Stelle: Leserillen. Mich persönlich stören sie nicht mehr so sehr wie früher, aber ich weiß, dass es einige Menschen da draußen gibt, die ihre Bücher stets nur halb öffnen, nur um ja keine Leserillen zu produzieren. Im Regal (und für Fotos) finde ich aber Hardcover wieder deutlich schöner. Letztlich kann ich mich da irgendwie nicht so richtig positionieren.

„Farbschnitte sind overrated und nehmen mittlerweile Überhand“

Ja, ja und noch mal ja! Ich weiß nicht genau, wann das angefangen hat, aber mittlerweile hat ja gefühlt jedes zweite Buch (in gewissen Genres) einen Farbschnitt. Und wenn der nicht vom Verlag selbst kommt, dann gibt es externe Online-Shops, die eine begrenzte Anzahl an Special Editions anbieten. Ich finde das sehr schade, da ich oft das Gefühl habe, es steht nur noch das Äußere eines Buchs im Vordergrund. Es geht nur noch um haben, haben, haben und wehe ich hab nicht die Special Edition mit Farbschnitt und Postkarte und Unterschrift. Postkarten verstehe ich ja noch, Illustrationen von Charakteren sind immer schön, sie erwecken irgendwie die Fantasie zum leben. Unterschriften verstehe ich auch noch, wobei ich auch hier sagen muss: ein Autogramm von einer*m Autor*in, das man live in ein Buch bekommt, das man liebt, ist (emotional) viel mehr wert, als ein signiert bestelltes Buch, das man Ende entweder gar nicht liest oder doof fand. Aber Farbschnitte? Im Regal sieht man die sowieso nicht. Die meisten Farbschnitte sind auch einfach von der Gestaltung her nicht mein Fall. Aber letztlich ist es mir auch egal, ob die Kanten meiner Buchseiten jetzt rosa, weiß oder gepunktet sind. Das Cover ist mir da optisch wichtiger. Aber mein Hauptpunkt ist eben, dass ich das Gefühl habe, dass das Bücher kaufen und besitzen wichtiger geworden ist als das Bücher lesen. Und dass ein Buch nichts mehr Wert zu sein scheint, wenn es keinen Farbschnitt hat. Das Besondere, das ein Farbschnitt mal an sich hatte, geht dabei komplett verloren. Und, und das ist mein grundsätzliches Problem mit so exklusiven Sachen: es wird extrem mit dem Verlangen der Menschen gespielt, dazu gehören zu wollen. Wenn du kein Buch mit Farbschnitt hast, gehörst du nicht dazu, also nötigen wir dich, das Buch zu kaufen, damit zu dazugehören kannst. In den exklusiven Club der Menschen, die ein Buch mit Farbschnitt haben, über das in einem Jahr sowieso keiner mehr spricht. Weil es dann neue Bücher mit neuem Farbschnitt gibt. Versteht ihr, was ich meine?

„Ich mag es, in Büchern zu markieren und zu schreiben, wenn man das Buch richtig liebt“

Ich selbst mache das nicht, da ich zu faul bin (🤪), finde das aber auch total schön, wenn Leute das machen! Generell mag ich Bücher, die so richtig gelesen aussehen, mittlerweile immer mehr. Ich war zum Beispiel am Anfang traurig, dass meine Ausgabe von „The Seven Husbands of Evelyn Hugo“ mittlerweile so abgeranzt aussieht, aber inzwischen liebe ich diesen Look. Denn es zeigt die Reise, die ich mit dem Buch unternommen habe. Ich mag, dass es gebraucht aussieht. Dass es geliebt aussieht.

„Wenn ein Buch nicht auf Goodreads erfasst ist, lese ich es eher nicht. Es zählt dann ja nicht zur Lesechallenge“

Ja, same. Zum Glück war ich aber noch nie in der Situation, dass ein Buch, das ich wirklich lesen wollte, (noch) nicht bei Goodreads erfasst war. Aber ich zähle auch die meisten meiner Unilektüren mit in die Challenge. Hallo, ich hab so so viel Zeit damit verbracht, dieses Buch zu lesen, dann muss es bitte auch in meine Jahreschallenge zählen, haha. Gerade 2020 findet man bei mir sehr viele kleine gelbe Reclam-Heftchen in der Challenge, da ich in dem Jahr mehrere Seminare in Neue deutsche Literaturwissenschaften belegt habe und einiges lesen musste.

Wie steht ihr zu diesen Unpopular Opinions?

xoxo Ruth

Unpopular Opinions

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