Rezension: My Policeman von Bethan Roberts

Wenn Menschen mich kennenlernen, dann dauert es nicht lange, bis sie merken, dass ich ein riesiger Harry Styles-Fan bin. Und so ist es kein Wunder, dass ich mich nicht nur für seine Musik, sondern auch für seine Filme interessieren. Dieses Jahr wurden wir diesbezüglich ja auch sehr verwöhnt. Nach „Don’t Worry Darling“ kommt am 4. November „My Policeman“ auf Amazon Prime raus. Der FIlm hat eine Buchvorlage. Und daher gibt es heute die Rezension zu „My Policeman“ von Bethan Roberts für euch!

Infos zum Buch:

Titel: My Policeman I Autorin: Bethan Roberts I Genre: Historical Fiction, Drama I Verlag: Vintage I 352 Seiten I Erscheinungstermin: 02.08.2012 I Preis: 12,50€ I ISBN: 978-0-09-955525-4 I Zum Buch I auf Deutsch erschienen unter „Der Liebhaber meines Mannes“

Darum geht’s:

It is in 1950s‘ Brighton that Marion first catches sight of Tom. He teaches her to swim in the shadow of the pier and Marion is smitten – determined her love will be enough for them both. A few years later in Brighton Museum Patrick meets Tom. Patrick is besotted with Tom and opens his eyes to a glamorous, sophisticated new world. Tom is their policeman, and in this age it is safer for him to marry Marion. The two lovers must share him, until one of them breaks and three lives are destroyed (Klappentext).

„I considered starting with these words: I no longer want to kill you – because I really don’t – but then decided you would think this far too melodramatic.“

Roberts, Bethan: My Policeman. Vintage: 2012, S. 9.

Handlung:

Der Einstieg in „My Policeman“ ist furchtbar. So viel sei zu Beginn gesagt. Er ist zäh, trocken und mitunter langweilig. Und das, obwohl der erste Satz eigentlich richtig gut ist. Durch die ersten 70 Seiten musste ich mich dann aber sehr durchkämpfen. Die Erzählung ist einseitig und aneinandergereiht. Die Protagonistin schwierig und so naiv, dass ich sie am liebsten schütteln würde. Dann wechselt die Erzählperspektive und die Geschichte wird schlagartig besser. Der Schreibstil verändert sich und entwickelt sich fast in Richtung stream of consciousness. Und dann beginnt auch schon die Tragödie und der ganze Herzschmerz, den „My Policeman“ für seiner Leser*innen bereithält.

Die Geschichte spielt in Brighton Ende der 1950er Jahre und beschäftigt sich mit dem Thema Homosexualität. Es entsteht eine Art Dreiecksbeziehung, in die nicht alle Teilnehmer*innen gleichermaßen eingeweiht sind. Es beginnt eine Lüge, ein Versteckspiel, eine große Tragödie. Das Buch zeigt eindringlich, wie unfair die 50er waren und wie schwer es gewesen sein muss, zu dieser Zeit nicht der heterosexuellen Norm zu entsprechen. Es gab so viele Stellen, die mich wütend und fassungslos gemacht haben. Nicht auf das Buch, das ich nach Überwindung der ersten 70 Seiten dann doch ins Herz schließen konnte. Sondern auf diese furchtbare Ungerechtigkeit und die Gesellschaft. „My Policeman“ hat mich auf der Handlungsebene sehr zum Nachdenken gebracht. Auch wenn ich nicht gelesen habe, hat mich die Geschichte nicht richtig losgelassen und ich habe viel gegrübelt.

Figuren

Es gibt drei zentrale Figuren: Marion, Tom und Patrick. Erzählt wird „My Policeman“ allerdings nur von Marion und Patrick. Mit Marion möchte ich beginnen.

Sie ist nicht wirklich sympathisch und ich fand ihre Teile der Geschichte zunächst sehr anstrengend zu lesen. Als junge Lehrerin Ende der 50er hat sie es nicht ganz leicht und die Gesellschaft schreibt ihr vor, einen Ehemann zu finden. Sie verliebt sich unsterblich in Tom, einen jungen Polizisten, der ihr das schwimmen beibringt. Die Warnungen von Toms Schwester ignoriert sie und stürzt sich Hals über Kopf in eine Beziehung. Wie naiv sie eigentlich ist, zeigt sich hier bereits, wird aber an anderen Stellen noch einmal viel deutlicher. Im Laufe der Geschichte tut Marion etwas, das ich ihr einerseits nicht verzeihen kann, andererseits aber auch doch irgendwie nachvollziehen kann.

Hier zeigt sich die Stärke der Figur. Sie wirkt menschlich. Obwohl sie etwas unverzeihliches tut, kann man ihr nicht so richtig böse sein. Man versteht sie irgendwie, auch wenn man sie für ihr Handeln verurteilt. Marion ist nicht einfach nur die Böse, sie ist ebenfalls ein Opfer. Ein Opfer der Zeit, in der sie lebt. Und ein Opfer ihrer eigenen Gefühle für einen Mann, der sie nicht so lieben kann, wie sie ihn liebt.

Dann hätten wir Patrick. Patricks Sicht wird in Form von Tagebucheinträgen vermittelt, die sehr einnehmend sind. Man bekommt so einen sehr detaillierten Einblick in seine Gefühlswelt und ist praktisch live dabei, als er Tom das erste Mal sieht. In Patricks Perspektive ergibt sich auch die Bedeutung hinter dem Buchtitel. An dieser Stelle sei angemerkt: wie unklug ist bitte die deutsche Übersetzung? „Der Liebhaber meines Mannes“ verschiebt die gesamte Perspektive und die Bedeutung, die der Originaltitel hat. Da bin ich froh, dass die Buchausgabe zum Film mit „My Policeman. Der Liebhaber meines Mannes“ vermarktet wird. Zurück zu Patrick: man konnte gut mit ihm mitfühlen und er war ein sehr einnehmender Charakter, aber ich empfinde manche Dinge dennoch als etwas problematisch.

Erstens wird mittels seiner Figur Romantik/Liebe oft mit sexuellem Verlangen gleichgesetzt. Man hat zeitweise das Gefühl, es ginge ihm nicht um die zwischenmenschliche Verbindung zu Tom, sondern lediglich um seine eigene Lust. Das finde ich etwas kritisch. Zweitens äußert er sich Marion gegenüber sehr misogyn. Seine Beschreibung von seiner ersten Begegnung mit Marion ist widerlich. Sämtliche Antipathie, die er gegen sie hat, basiert nicht auf ihr als Person, sondern lediglich auf ihrer Existenz als Frau. Das finde ich schade und unnötig für die Geschichte.

Ja, und dann wäre da noch Tom. Er ist der Grund, warum sich sowohl Patrick als auch Marion in schwierige Situationen stürzen und den sie beide gleichermaßen anbeten. Und ganz ehrlich, ich hab nicht unbedingt verstanden, warum. Es fehlt einfach Toms Perspektive. Wir kennen ihn nur aus den Erzählungen von Marion und Patrick und das macht ihn als Person austauschbar und schwer greifbar. Ich bin gespannt, wie die Verfilmung damit umgeht.

Schreibstil

Der Schreib- und Erzählstil sind sehr interessant. Man merkt sehr, dass zwei unterschiedliche Personen erzählen. Das gelingt nicht jede*r Autor*in und ist hier definitiv positiv hervorzuheben. Die Wortwahl und den sprachlichen Stil würde ich auch als eher gehoben bezeichnen. Man muss sich beim lesen etwas mehr konzentrieren. Nach anfänglichen Problemen bin ich dann aber doch gut mit dem Schreibstil zurecht gekommen und bewerte ihn als gut.

Fazit

Mit „My Policeman“ hat Bethan Roberts eine Tragödie geschaffen, die körperliche Schmerzen auslöst. Sie beschreibt eine Geschichte von drei Menschen, die in ihrer eigenen Situation gefangen und Opfer ihrer Zeit sind. Ungerechtigkeiten im Hinblick auf homosexuelle Menschen werden eindrücklich vermittelt. Die Handlungen der Figuren sind teilweise furchtbar und zu verurteilen, aber gleichzeitig gelingt es Roberts, ein gewisses Verständnis für die Entscheidungen zu schaffen. Patrick und Marion wirken sehr echt, Tom bleibt leider etwas blass. Insgesamt hat mich „My Policeman“ doch sehr von sich überzeugen können. Ich habe sehr viel gefühlt und nachgedacht, während ich das Buch gelesen habe. Und das schafft nicht jedes Buch. So gebe ich trotz einiger Kritikpunkte noch vier Sterne, da der Roman etwas in mir ausgelöst hat, das schon lange kein Buch mehr geschafft hat. Ich bin sehr gespannt auf die Verfilmung!

Bewertung: 4 von 5.

Habt ihr „My Policeman“ schon gelesen?

xoxo Ruth

My Policeman von Bethan Roberts

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