Rezension: Alles, was ich in dir sehe von Kyra Groh

Ich habe es getan. Ich habe nach etwas mehr als einem halben Jahr wieder einen klassischen New Adult Roman gelesen. Meine Beziehung zu diesem Genre ist ja bekanntermaßen etwas komplex. Es gibt viele, sehr viele Dinge, die ich mag. Aber es gibt eben auch viele, sehr viele Dinge, die nicht mag. Der Hype auf TikTok und die Aussicht auf eine persönliche Signatur auf der Buchmesse haben mich dann aber schließlich dazu bewegt „Alles, was ich in dir sehe“ von Kyra Groh zu lesen. Ob dieser Ausflug in die New Adult-Welt aus der Feder von Kyra Groh erfolgreich verlaufen ist, lest ihr in der heutigen Rezension!

Infos zum Buch:

Titel: Alles, was ich in dir sehe I Autorin: Kyra Groh I Verlag: Loewe Intense I Genre: New Adult Romance I 464 Seiten I 1. Auflage 2022 I Spice Rating: 🌶🌶 I 14,95€ (Paperback) I ISBN: 978-3-7432-1149-0 I Zum Buch

Darum geht’s:

Luxusurlaub in Portugal – das perfekte Geschenk zum Abi, oder? Nicht für Anna. Doch da sie ihre eigenen Wünsche immer zurückstellt, findet sie sich kurzerhand an der Algarve wieder. Zwischen Models und Fotografen begegnet sie Helena, die sie zu ihrer Hundefarm mitnimmt. Dass Anna dort ausgerechnet auf den Typen trifft, der letzte Nacht ihren strahlenden Ritter spielen wollte – als ob sie den bräuchte! –, muss ein schlechter Scherz sein. Obwohl er sich schon verdammt süß um die verstoßene Hunde kümmert … Aber nein, Fynn ist überhaupt nicht Annas Typ. Oder vielleicht doch? (Klappentext)

„Ich sitze auf der steinernen Einfassung eines Blumenkübels, in dem nur ein paar vertrocknete Sträucher vor sich hin vegetieren, und kann nur eines denken: Bälle sind etwas komplett Hirnverbranntes.“

Groh, Kyra: Alles, was ich in dir sehe. München: Loewe Verlag 2022, S. 9.

Handlung:

„Alles, was ich in dir sehe“ erzählt die Geschichte von Anna, die auf der Suche nach sich selbst ist. Im Instagram-Fitnessimperium der Familie möchte sie nicht mehr mitwirken und als sie im Portugalurlaub auf die Hundefarmbesitzerin Helena trifft, ergreift Anna die Chance, ihr Leben endlich einmal selbst in die Hand zu nehmen. Diesen Selbstfindungs- und -erfüllungsaspekt der Geschichte fand ich direkt sehr überzeugend. Das lag vor allem an der Authentizität, mit der dieser Handlungsstrang erzählt wurde. Annas Gefühlswelt wurde sehr anschaulich und nachvollziehbar geschildert.

Die Liebesgeschichte beginnt relativ langsam, was ich aber sehr mag und bedient ein wenig das Enemies/Haters to Lovers-Trope. In der Umsetzung fand ich das auch sehr gelungen. Die anfängliche Antipathie zwischen Anna und Fynn war gut geschrieben und überzeugend. Außerdem war sie zunächst begründet. Wie sich zwischen den beiden langsam mehr entwickelt, war dabei sehr gefühlvoll und prickelnd. Man hat sich ein bisschen mit Anna in Fynn verliebt. Leider waren mir aber einige Aspekte der Liebesgeschichte zu schematisch. Hier hätte man durchaus mit ‚Regeln‘ der Handlungsschemata des Genres spielen können. Anna und Fynn hätten das hinbekommen, da bin ich mir sicher! Alles in allem war die Liebesgeschichte aber dennoch sehr überzeugend und man hat als Leserin auch das Gefühl, dass sich da zwei gefunden haben, die zusammengehören.

Das Setting, das größtenteils auf der Hundefarm in Portugal angesiedelt war, hat mich sehr von sich überzeugen können. Man konnte sich den Hof von Helena sehr gut vorstellen. Obwohl ich kein Hundemensch (oder eigentlich generell kein Tiermensch bin), hat mir die Anwesenheit der Vierbeiner sehr gut gefallen. Sie haben der Geschichte tatsächlich einen besonderen Touch und der Verbindung zwischen Anna und Fynn Tiefe gegeben.

Figuren:

Anna ist die Protagonistin der Geschichte. Ich habe ja bereits beschrieben, dass ihre Probleme anschaulich und verständnisvoll vermittelt wurden. Ich mochte Annas Entwicklung sehr. Vor allem weil sie an ihren Herausforderungen wächst. Ihre Geschichte veranschaulicht einige wichtige Botschaften, die gerade für junge Leser*innen wichtig sind: Yes doesn’t make you a slut, no doesn’t make you a bitch. Dieser Aspekt von Annas Geschichte scheint der Autorin sehr wichtig gewesen zu sein. Die Botschaft wird eindringlich vermittelt, was ich wichtig finde!

Fynn hatte mich eigentlich schon für sich gewonnen, als sein Äußeres beschrieben wurde. Laut Annas Freundin Anouk sieht er nämlich aus wie Heath Ledger in „Ritter aus Leidenschaft“ und hallo? Besser gehts ja fast gar nicht. Zunächst lernen wir Fynn dann allerdings sehr distanziert kennen und Annas Antipathie kann man gut verstehen. Er scheint gegen alles zu sein, für das sie dachte zu stehen. Doch er hilft ihr auch irgendwo zu verstehen, dass sie mehr als Social Media ist. Dennoch hat mich Fynns Dickkopf manchmal wahnsinnig gemacht. Er war dennoch eine gut geschriebene Figur.

Was ich sehr, sehr mochte war die Dynamik zwischen den drei Freundinnen Anna, Polly und Anouk. Die Freundschaft wirkte sehr lebendig und gesund. Polly und Anouk waren stets zur Stelle und haben Anna bei ihren Problemen geholfen. Außerdem haben sie für Auflockerung und Humor gesorgt. Gerade Polly ist mir sehr ans Herz gewachsen, aber auch Anouk fand ich sehr interessant. Auf die Geschichten der beiden in den Folgebänden bin ich daher sehr gespannt.

Helena und ihre kleine Familie waren ein weiteres Highlight für mich. Besonders ihr Sohn Louìz hat mich begeistern können. Kleinkinder können nervig oder liebenswert in Geschichten sein. Hier haben wir aber ein liebenswertes Kleinkind, das immer wieder für schöne Momente, und Lacher, gesorgt hat.

Schreibstil:

Was mir direkt positiv aufgefallen ist, ist die Leichtigkeit des Erzähl- und Schreibstils. Dadurch wirkt auch die ganze Geschichte leichter. Und es gab eine ganze Menge Humor! Die Szenen mit der David Attenborough-Stimme in Annas Kopf haben mich laut auflachen lassen. Das war schön und erfrischend. Dann, wenn auch die Geschichte etwas schematisch wird, lässt leider auch der Schreibstil etwas nach und orientiert sich an Vorbildern anderer bekannter New Adult-Romane. Das fand ich persönlich etwas schade, aber insgesamt konnten mich Schreib- und Erzählstil dennoch von sich überzeugen.

Fazit:

„Alles, was ich in dir sehe“ ist eine erfrischende und humorvolle Geschichte über Liebe, Selbstfindung und super süße Hunde. Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht. Schade fand ich lediglich das Abdriften in altbekannte Schemata im letzten Drittel. Das hätte die Geschichte nicht nötig gehabt, sie hätte auch ohne Drama ganz wunderbar funktioniert. Aber Anna, Fynn und die Hunde konnten mich dennoch von sich überzeugen. Der Ausflug in die New Adult-Welt hat sich also gelohnt und ich bin schon sehr gespannt auf die anderen Bücher der Alles-Reihe.

Bewertung: 4 von 5.

Habt ihr „Alles, was ich in dir sehe“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Rezension: Alles was ich in dir sehe

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