Rezension: Alles, was du von mir weißt von Kyra Groh

Mein kleiner Ausflug zurück in das New Adult-Genre ist noch nicht vorbei! Nach „Alles, ich in dir sehe“ war nun der zweite Teil der NA Trilogie von Kyra Froh dran: „Alles, was du von mir weißt“. Polly hat mir schon in der Geschichte ihrer Freundin Anna unglaublich gut gefallen und ich war sehr, sehr gespannt auf ihre eigene Lovestory. Wie mir die gefallen hat, und ob ich sie noch besser fand als die von Anna, das lest ihr in der heutigen Rezension!

Infos zum Buch:

Titel: Alles, was du von mir weißt I Autorin: Kyra Groh I Verlag: Loewe Intense I Genre: New Adult Romance I 1. Auflage 2022 I 480 Seiten I 14,95€ (Paperback) I ISBN: 978-3-7432-1150-6 I Spice: 🌶🌶,5 I Zum Buch

Darum geht’s:

Polly will ausziehen, Jura studieren und nie mehr einen dummen Spruch darüber hören, welche Kleidung sie bei ihrer Figur angeblich tragen darf und welche nicht. Gleich im ersten Semester ergattert sie einen Job in einer renommierten Kanzlei, nur das mit der Wohnung hat sie gewaltig unterschätzt. Kurzerhand quartiert ihre beste Freundin Anna sie in der WG ihres Bruders Jonas ein. Doch in der Kanzlei verläuft es alles andere als erhofft: Pollys Figur gibt den Angestellten allerhand Gesprächsstoff. Sie will Stärke beweisen und erzählt niemandem davon. Selbst Jonas nicht, obwohl die beiden einander immer näherkommen … (Klappentext)

„‚Du hast doch gesagt, dass du das Auto bekommst'“.

Groh, Kyra: Alles, was du von mir weißt. München: Loewe Intense 2022, S. 11.

Handlung:

Kyra Groh widmet sich in „Alles, was du von mir weißt“ einem überaus dringlichen Thema. Es geht um Body Shaming und die Identifikation mit dem eigenen Körper. Dies wird zunächst hauptsächlich über Polly thematisiert, die eine der wenigen Plus Size-Protagonistinnen in NA-Büchern ist. Sie bietet wahnsinnig viel Identifikationsfläche, die es so sonst eher weniger gibt. So werden tolle Aussagen vermittelt und ich kann mir gut vorstellen, dass Pollys Art viele Menschen da draußen ermutigen kann, mehr für sich und den eigenen Körper einzustehen. es gibt aber noch eine weitere Figur, die sich mit dem Thema auseinandersetzt und das fand ich ganz toll. Ich kann nicht darüber schreiben, ohne zu spoilern, aber die letzten Seiten tragen so unglaublich viel zu Body Positivity bei. Denn es wird hier noch ein Facette der Bewegung deutlich, die von vielen oft vergessen wird.

Die Liebesgeschichte zwischen den Figuren Polly und Jonas fand ich einfach nur unbeschreiblich schön. Es hat so richtig zwischen den beiden geknistert und Slow Burn wurde hier sehr erfolgreich umgesetzt. Zwar reden die beiden zunächst oft aneinander vorbei, aber die Gründe dafür wurden so überzeugend geschildert, dass es mich gar nicht gestört hat. Im Gegenteil, es hat die Freude beim Lesen gesteigert. Ja, sie haben mich aufgeregt, aber ich habe sie dafür abgöttisch geliebt! Miscommunication kann ganz schön nach hinten los gehen als Trope, da es oft einfach nur völlig dämlich wirkt. Hier war es aber irgendwie begründet. Man konnte nachvollziehen, warum die Kommunikation manchmal schief gelaufen ist und dadurch wirkte die Liebesgeschichte einfach sehr echt.

Außerdem möchte ich kurz anmerken, wie gelungen die Sexszene(n) war(en). Sehr gefühlvoll und auf die Figuren zugeschnitten, ohne komische Ausdrücke oder Verhaltensweisen, die den Charakteren widersprechen. Die Szenen habe ich tatsächlich sehr gerne gelesen. Auch weil sie wirklich zur Handlung beigetragen haben.

Schauplatz von „Alles, was du von mir weißt“ war Köln, was mir sehr gut gefallen hat. Ich bin ja selbst aus Köln und ich freue mich immer, wenn die Stadt Schauplatz von Geschichten ist. Positiv aufgefallen ist mir diesbezüglich auch die Einbindung des 11.11. in die Handlung. Einzig die Beschreibungen der Kölner Uni fand ich etwas, nun ja, falsch. Ich hänge mich vielleicht etwas daran auf, da ich selbst an der Uni Köln studiere, aber dort gibt es einfach keinen Audimax. Bei uns heißt der größte Hörsaal Aula. Hörsaal B gibt es zwar (da hatte ich schon maßig Vorlesungen), aber wie man den gigantischen Raum mit den fest in den Boden verankerten Sitzen in den Austragungsort einer Karnevalsparty umwandeln möchte, ist mir schleierhaft. Aber nun gut, da drüber sehe ich hinweg und macht die Geschichte nicht schlechter!

Figuren:

Polly mochte ich ja bereits in Teil 1 der Trilogie und als Protagonistin konnte sie dann ihr volles Potenzial erschöpfen. Sie ist eine clevere, humorvolle und starke Frau, die für sich und ihre Ziele im Leben einstehen kann. Ich mochte den Fokus auf ihr sehr. Die Liebesgeschichte ist an einigen Stellen tatsächlich in den Hintergrund gerutscht, was ich aber nicht schlimm fand. Denn so konnte man sich auf Polly und ihre Entwicklung konzentrieren. Ihre Probleme wurden nicht einfach nur oberflächlich ‚abgefrühstückt‘, sondern sich überzeugend mit ihnen auseinandergesetzt, um sie ebenso überzeugend lösen zu können.

Und dann wäre da noch Jonas. Er ist Annas Bruder und lässt die zu Beginn der Geschichte noch wohnungslose Polly bei sich wohnen. Jonas ist höflich, liebevoll und einfach durchweg sympathisch. Er war ein tolles Love Interest. Auch wenn wir ihn nur durch Pollys Augen gesehen haben, wirkte er sehr lebendig und echt. Die Gründe für seine Entscheidungen und sein Verhalten waren sehr verständlich und am Ende hätte ich ihn gerne einfach mal umarmt und ihm gesagt, wie toll er ist.

Pollys Freundinnen Anna und Anouk kommen natürlich auch hier wieder vor. Gerade Anouk wird viel Raum gegeben. Ihre Geschichte erzählt „Alles, was wir jemals waren“ (liegt schon auf meinem SuB), aber es scheint mir, als müsse man „Alles, was du von mir weißt“ auf jeden Fall vorher gelesen haben. Es war aber auch sehr schön, Anna und Fynn wiederzusehen!

Schreibstil:

Kyra Groh erzählt auch hier wieder mit viel Gefühl und einer ordentlichen Prise Humor. Der Schreibstil hat eine fesselnde Wirkung auf mich gehabt und ich bin förmlich durch die Seiten geflogen. Da Polly in deutlich weniger Anglizismen redet als ihre Freundin Anna, war der Anteil an englischsprachigen Ausdrücken hier auch deutlich geringer. Das hat mir viel besser gefallen!

Fazit:

Kyra Groh hat es mit „Alles, was du von mir weißt“ geschafft, sich in mein Herz zu schreiben. Ich habe das Lesen so genossen, Polly und Jonas so sehr geliebt. Die Liebesgeschichte war packend und emotional, hat mich ganz viel fühlen lassen. Polly war eine wahnsinnig tolle Protagonistin, bei der ich mir wünschte, es gebe sie tatsächlich. Und Jonas? Jonas war sogar noch toller als Fynn, den ich ja auch schon sehr geliebt habe. Zusätzlich schafft es die Autorin eindringlich, aber niemals aufdringlich, ihre so, so wichtige Message zu vermitteln. Andere für ihre Körper zu verurteilen ist uncool! Egal, wie der Körper aussieht. Gäbe es keine Sexszenen, auch wenn ich sie sehr gelungen geschrieben fand, wäre „Alles, was du von mir weißt“ nochmal eine tolle Schullektüre!. Polly könnte vielen jungen Menschen eine Stimme geben, bei der diese glauben, sie sei nicht existent. Insgesamt gibt es daher von mir wohlverdiente 5 Sterne!

Habt ihr „Alles, was du von mir weißt“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Rezension Alles was du von mir weißt

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: