Rezension: In unserem Universum sind wir unendlich von Sarah Sprinz

Es ist mal wieder passiert. Ich habe ein im deutschsprachigen Bookstagram super beliebtes Buch gelesen und es absolut überhaupt nicht gemocht. Auf Goodreads gibt es lediglich drei andere Bewertungen, die das Buch mit der gleichen Anzahl an Sternen bewertet haben wie ich. 459 von insgesamt 560 Bewertungen sind 5-Sterne-Ratings. Hab ich irgendwas falsch gemacht? Jedenfalls möchte ich euch in meiner Rezension wiedergeben, warum ich „In unserem Universum sind wir unendlich“ von Sarah Sprinz leider überhaupt nicht mochte.

Infos zum Buch:

Titel: In unserem Universum sind wir unendlich I Autorin: Sarah Sprinz I Verlag: Thienemann Esslinger I Genre: Jugendbuch I 432 Seiten I Erschienen am 27.07.2022 I Preis: 16€ (Hardcover) I ISBN: 978-3-522-20278-7 I Zum Buch

Darum geht’s:

Emil wird sterben. Es ist das Erste, was Ansel über ihn erfährt, als er ihn bei seinem Praktikum auf der Intensivstation kennenlernt. Eine Tatsache, die sich nur zu leicht ignorieren lässt, während sich die beiden Hals über Kopf ineinander verlieben und sich in ihrem gemeinsamen Universum verlieren. Da zählt nur noch Emils Wunsch, den Ansel erfüllen möchte: einen Roadtrip bis nach Schottland. Auf dieser Reise wächst Ansel über sich hinaus und ist schließlich doch kein bisschen bereit für das Unausweichliche… (Klappentext)

„Alles war möglich nach dem Abitur.“

Sprinz, Sarah: In unserem Universum sind wir unendlich. Stuttgart: Thienemann-Esslinger 2022, S. 6.

Handlung:

Ich habe schon viele, wirklich sehr viele Bücher gelesen, in denen es um sterbenskranke Teenager geht, die ihre große Liebe am Ende ihres viel zu kurzen Lebens finden. Das prominenteste Beispiel ist wohl das von mir sehr geliebte „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Aber auch Geschichten wie „Drei Schritte zu dir“ oder „Mein bester letzter Sommer“ habe ich gelesen und ich mochte sie alle. Und vor allem hatte ich bei allen Geschichten das Gefühl, das Trope wurde in etwas individuelles, eigenständiges verwandelt. Alle hatten ihren eigenen Charakter, die Geschichten waren unterschiedlich, obwohl sie ähnliche Geschichten erzählen. Bei „In unserem Universeum sind wir unendlich“ war dies leider absolut nicht der Fall.

Man erkennt ganz klar Einflüsse und Vorbilder. Dabei gelingt es der Autorin nie (!) der Geschichte einen eigenen, individuellen Charakter zu geben. Klar, es gab wenig solcher Romane über zwei Jungs, aber das sollte im Jahr 2022 kein Alleinstellungsmerkmal mehr sein.

Stattdessen wirkt das Buch eher, als hätte man verschiedene Stellen anderer Romane genommen und aneinandergeklebt. Und heraus kommt eine Geschichte ohne Ecken und Kanten, die nichts wagt, nichts probiert und nicht berührt. Also mich jedenfalls nicht. Und das, obwohl gerade am Ende ordentlich auf die Tränendrüse gedrückt wird.

Darüber hätte ich ja noch hinwegsehen können, wäre die Liebesgeschichte nicht so absolut schlecht gewesen. Mit dem Insta-Love-Trope kann man mich ja sowieso jagen, aber hier war es wirklich absolut grausam. Ansel und Emil kennen sich keine zwei Sekunden, Ansel stalkt Emil regelrecht und schwupps, sind die beiden so schwer ineinander verleibt, dass Emil seine letzten Monate lieber mit Ansel verbringen möchte, als mit seiner Familie. Ich habe keinerlei Funken zwischen den beiden gespürt. Es war alles super schnell und plötzlich. Und vor allem ohne richtiges Kennenlernen. Was weiß Emil eigentlich über Ansel? Eher weniger. Tja, aber Ansel weiß viel über Emil, weil er statt mit ihm zu sprechen, lieber das Internet nach Informationen über Emil durchforstet hat.

Was ich dann doch irgendwie mochte, war das Setting. Sowohl die Szenen, die in Deutschland gespielt haben, als auch die, die in verschiedenen anderen Ländern Europas gespielt haben. Das war schön, auch wenn es mich dann doch stark an „Mein bester letzter Sommer“ erinnert hat.

Figuren:

Ich habe ja bereits etwas zu den Figuren gesagt, möchte hier aber nochmal genauer auf sie eingehen. Zunächst einmal: warum muss Ansel ausgerechnet Ansel heißen? Ich denke, es soll eine Hommage an Ansel Elgort sein, der ja den Protagonisten aus „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ in dessen Verfilmung gespielt hat. Leider wirkt es hier einfach ein bisschen peinlich, wenn man bedenkt, wie wenig sich „In unserem Universum sind wir unendlich“ von seinen Vorbildern abheben kann.

Insgesamt kommen mir Ansel und Emil aber auch generell sehr generisch vor. Sie sind die wandelnden Klischees queerer Figuren: der eine ist super selbstbewusst und total mit sich und seiner Sexualität im reinen. Und der andere kann sich und seine Sexualität nicht mal vor seinem besten Freund verteidigen. Die beiden treffen aufeinander und natürlich sorgt das bei der einen Figur dafür, mehr für sich einstehen zu wollen. Ach und dass der, der super mit sich im reinen ist, auch noch Schauspiel studiert und sich für Kunst begeistert, muss ich nicht noch extra erwähnen, oder?

Natürlich müssen auch Geschichten über solche Figuren erzählt werden, aber ich finde, die müssen (aktuell) nicht unbedingt von heterosexuellen Frauen (ich möchte hier nicht die Sexualität der Autorin vorhersagen oder zum Thema machen, aber sie legt die Vermutung nahe, nicht queer zu sein) erzählt werden. Ich verstehe, dass man ein allseits beliebtes Genre einmal mit Jungs erzählen wollte, um mehr Identifikation zu schaffen, aber ich bezweifle doch sehr, dass das Ziel wirklich erreicht wurde.

Figuren, die ich tatsächlich mochte, waren die Familienfiguren. Sowohl Emils Eltern und Schwester als auch Ansels Bruder fand ich gelungen in ihrer Funktion.

Schreibstil:

An sich war der Schreibstil okay, aber es gab mir dann doch den ein oder anderen Kalenderspruch zu viel. Generell hatte ich das Gefühl, alle Sätze, die tiefgründig wirken sollten, schon mal irgendwo gelesen zu haben. Mir hat das Buch absolut nichts Neues erzählt und ich sehe auch keinen Mehrwert in der Geschichte. Ach und an dieser Stelle möchte ich dann auch nochmal anmerken, dass jedes verdammte Mal, wenn in diesem Buch von einer ‚Metapher‘ die Rede ist, es sich in Wirklichkeit um einen Vergleich handelt. Es gibt da so ein tolles Kennzeichen, an dem man Vergleiche erkennt: das Wörtchen ‚wie‘. Klar, Vergleich klingt nicht so intellektuell wie Metapher, aber so lange sich niemand eine Zigarette in den Mund steckt und sie nicht anzündet, handelt es sich nun mal nicht um eine Metapher. Lektorat, das müsstet ihr eigentlich wissen?!

Fazit:

Ich habe insgesamt fünf Bücher von Sarah Sprinz gelesen. Die drei Teile der What if-Reihe, Band eins der Dunbridge Academy und jetzt eben dieses. Und ich habe entschieden, es damit sein zu lassen. „In unserem Universum sind wir unendlich“ hat etwas über die Autorin bestätigt, das ich schon länger vermutet habe. Ihre generischen Geschichten ohne Ecken und Kanten, die haargenau auf ein spezielles Publikum auf Instagram und TikTok ausgerichtet sind, sind einfach nichts mehr für mich. „In unserem Universum sind wir unendlich“ hat mir einfach absolut nicht gefallen und die Gründe konntet ihr hier lesen. Es ist eine schlechte Kopie von deutlich besseren Vorbildern, mit Figuren so blass wie Gespenster und einem Schreibstil, der fast nur aus Kalendersprüchen besteht. Ich gebe zwei Sterne. Verdient hätte das Buch eigentlich nur einen, aber da ich wirklich schon viele Bücher mit dem Trope gelesen habe, möchte ich das mal als mildernden Umstand beschrieben.

Bewertung: 2 von 5.

Habt ihr das Buch schon gelesen?

xoxo Ruth

In unserem Universum sind wir unendlich

2 Replies to “Rezension: In unserem Universum sind wir unendlich von Sarah Sprinz

    1. Freut mich, dass dich die Rezension so gut unterhalten hat :) Was das häufige von Büchern enttäuscht sein angeht: ich weiß, dass ich manchmal kritischere Phasen habe, in denen ich Bücher einfach tendenziell negativer bewerte. Andererseits ist es aber glaube ich auch, weil viele Bücher immer wieder dasselbe Muster bedienen – das wird schnell langweilig und führt zu Enttäuschung

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