Rezension: Friends, Lovers and the Big Terrible Thing von Matthew Perry

Rezensionsexemplar I Meine mit Abstand allerliebste Figur aus „Friends“ ist Chandler Bing. Er war immer die Figur, die auf mich am realsten gewirkt hat. Bei Chandler konnte ich mir am ehesten vorstellen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die so sind. Die anderen Figuren, die ich dennoch sehr liebe, waren immer ein wenig überspitzt. Vielleicht rührt das ‚reale‘ an Chandler daher, dass sein Darsteller Matthew Perry das meiste von seiner Persönlichkeit in seine Figur gesteckt hat. Ob diese Vermutung der Wahrheit entspricht, konnte ich mithilfe von „Friends, Lovers and the Big Terrible Thing“ – der Autobiografie von Matthew Perry, herauszufinden. Die Rezension dazu lest ihr heute! An dieser Stelle noch einmal herzlichsten Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Infos zum Buch:

Titel: Friends, Lovers and the Big Terrible Thing I Autor: Matthew Perry I Genre: Autobiografie I Verlag: Bastei Lübbe I 304 Seiten I Ersterscheinung: 01.11.2022 I 22€ (Hardcover mit Schutzumschlag) I ISBN: 978-3-431-05038-7 I Zum Buch

Darum geht’s:

Durch sein Mitwirken in der US-Kultserie FRIENDS erreichte der Schauspieler Matthew Perry Weltruhm. Erstmals erzählt er nun seine eigene außergewöhnliche Geschichte und spricht offen über private Suchtkämpfe und darüber, was sich tatsächlich hinter den Kulissen der erfolgreichsten Sitcom aller Zeiten abspielte. Der TV-Star gewährt tiefe Einblicke in seine langjährige Erkrankung und reflektiert gewohnt humorvoll und selbstkritisch, was die Süchte eines Mannes befeuert hat, dem es an nichts zu mangeln schien (Klappentext).

„Hi, ich heiße Matthew, aber Sie kennen mich vielleicht unter einem anderen Namen.“

Perry, Matthew: Friends, Lovers and the Big Terrible Thing. Köln: Bastei Lübbe 2022, S. 13.

Friends

Matthew Perry berichtet über sein bisheriges Leben und orientiert seine Erzählung dabei an den titelgebenden Punkten. So geht es um sein Mitwirken bei „Friends“, um seine vielen Liebschaften und natürlich um seine Alkohol- und Tablettenabhängigkeit, was er „the Big Terrible Thing“ nennt. „Friends“ nimmt dabei den geringsten Anteil an der Erzählung ein. Für Fans der Serie, so wie mich, war es dabei wirklich schön, ein paar (neue) Behind the Scenes-Infos zu gelangen. Wer Angst hat, Perry würde hier mit der Serie abrechnen und sie in den dunkelsten Farben zeichnen, den kann ich beruhigen. Er äußert sich wirklich durchweg positiv und stellt mehrmals heraus, dass seine Zeit bei „Friends“ eigentlich die beste seines Lebens war. Was will man als Fan mehr hören?

Allerdings muss ich sagen, dass er die Serie und sein Wirken darin auch ein bisschen überhöht. Ja, „Friends“ hat die Popkultur des späten 20. und frühen 21. Jahrhundert geprägt und es mag sein, dass sich die Art, wie Chandler Bing spricht („Could it be anymore…?) auch außerhalb der Serie etabliert hat. Aber so wie Perry es darstellt, wirkt es ein bisschen so, als hätte es nie etwas wichtigeres auf der Welt gegeben als eine Fernsehserien und den Typen, der sich selbst spielt. Das fand ich etwas überheblich, sind aber vermutlich typische Star Allüren einer Autobiografie.

Lovers

Die „Lovers“ nehmen einen ziemlich großen Anteil des Buchs ein. So erfahren Leser*innen sehr viele Details über die Beziehung Perrys mit Julia Roberts, Mitte der 90er. Auch wenn er dabei leider nicht aufklärt, warum es Paparazzi Fotos von ihnen beiden gibt, auf denen sie keine Schuhe tragen, sondern auf Socken über die Straße laufen. Anfangs fand ich die Liebesgeschichten noch ganz spannend und als es um Perrys Schwärmerei um Jennifer Aniston ging auch noch sehr amüsant. Irgendwann wird es dann aber etwas eintönig, nervig und irgendwie auch unangenehm. Es wirkt auf mich so, als wolle Perry sich damit profilieren, dass er mit „jeder Frau in ganz Los Angeles geschlafen hat“ (frei dem Sinn nach zitiert).

Gleichzeitig wird aber auch deutlich, und das fand ich gut, wie einsam er doch eigentlich ist. Und wie bindungsphobisch. Perry neigt zu Selbstzerstörung. Nicht nur aufgrund seiner Alkohol- und Tablettensucht, sondern auch in Bezug auf seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Er hat Angst, verlassen zu werden und verlässt die Menschen, insbesondere die Frauen, daher bevor sie ihn verlassen können. Ihm ist das aber auch bewusst und ich bewundere ihn für seine Offenheit. Was ich sehr herzzerreißend fand, waren seine Äußerungen hinsichtlich seiner Familienplanung. Matthew Perry scheint sich nichts sehnlicher zu wünschen, als eine eine Frau und eigene Kinder. Dass er das mit seinen 53 Jahren nicht erreicht hat, scheint ihm sehr zuzusetzen. Darüber zu lesen fand ich sehr bewegend und ich wünsche mir für ihn, dass er seinen Frieden mit der Sache finden kann. Auf welchem Weg auch immer.

the Big Terrible Thing

Matthew Perry macht eins deutlich: Abhängigkeit ist absolut furchtbar. Das Thema zieht sich durch sein Leben wie ein roter Faden und so auch durch dieses Buch. Er erzählt, dass er schon als Baby Beruhigungstabletten bekommen hat, von seinem ersten Drink als Teenager, von seinen zahllosen Aufenthalten in Entzugskliniken. Und davon wie er es nie geschafft hat, dauerhaft trocken und clean zu bleiben. Bis jetzt. Und da ist auch mein größter Kritikpunkt. Perry war erst Anfang 2022 das letzte Mal in einer Entzugsklinik, er ist noch nicht mal ein Jahr clean und schreibt darüber, als hätte er seit Jahren keine Drogen (egal in welcher Form) mehr konsumiert. Aber an dem Punkt war er schon. Er war schon mehrmals über kürzere Zeiträume hinweg clean, dann ist aber immer wieder etwas passiert, das ihn zurück in die Abhängigkeit getrieben hat. Für mich wirkt es einfach nicht überzeugend, dass es dieses Mal anders sein sollte. Ich wünsche es ihm natürlich, aber habe dennoch seine Bedenken. Vielleicht liegt es an den Gründen, die er aufführt, warum es dieses Mal anders ist, vielleicht an etwas anderem. Wir werden sehen.

zwei problematische Aspekte

Der Keanu Reeves-Vorfall

Bevor ich zum Fazit komme, möchte ich noch gerne auf zwei Aspekte des Buchs aufmerksam machen, die ich als problematisch empfunden habe. Zunächst einmal wäre da etwas, das ich den Keanu Reeves-Vorfall nenne. Perry äußert sich hier deutlich problematisch, in dem er wünscht, Keanu Reeves wäre gestorben und nicht River Phoenix oder Heath Ledger. Ich finde das ziemlich geschmacklos. Natürlich, Perry war mit Phoenix befreundet, hat seinen Tod stark betrauert. Und ich denke auch, dass es irgendwo natürlich ist, in Trauer und Verzweiflung zu wünschen, jemand anderes wäre an der Stelle des geliebten Menschen gestorben. Aber man nennt da einfach keine Namen. Zumal Keanu Reeves wirklich nichts für den Tod von Phoenix oder Ledger kann. River Phoenix ist an einer Überdosis Heroin und Kokain gestorben und Heath Ledger starb an einer Überdosis von Medikamenten gegen Angststörungen und Panikattacken.

Die Obsession mit Schönheit

Ein weiterer Aspekt, der mir negativ aufgefallen ist, ist Perrys Besessenheit mit Schönheit. Ich glaube, „schön“ ist das Wort, das am häufigsten in diesem Buch verwendet wurde. Er scheint sich nur mit Menschen zu umgeben, die wunderschön sind und reduziert sie dann darauf. Statt Charaktereigenschaften zu nennen, sind die Menschen einfach nur schön. Das scheint zu reichen. Seine wunderschönen Eltern, der atemberaubend schöne River Phoenix, die unwiderstehliche Julia Roberts, die schönen Frauen aus dem „Friends“-Cast Jennifer Aniston, Courtney Cox und Lisa Kudrow. Ich weiß ja nicht, aber das fand ich dann doch irgendwie etwas seltsam.

Fazit:

Insgesamt hat mich „Friends, Lovers and the Big Terrible Thing“ mal mehr, mal weniger gut gefallen. Der Einstieg war super, aber irgendwann verstrickt Perry sich in der wiederholenden Erzählung seiner zahlreichen Affären sowie seiner Sucht. Dabei hat sich mir auch die Chronologie nicht immer ganz erschlossen und ich fand es teilweise schwierig, Aspekte der Sucht zeitlich zu rahmen. Dennoch schätze ich Perrys Ehrlichkeit sehr und nehme ihm sämtliche Ereignisse auch als wahr ab. Er zeigt sehr eindringlich wie furchtbar (einsam) Sucht ist und wie sehr man seinen Körper damit zerstört. Insgesamt gebe ich dem Buch drei Sterne. Damit bewerte ich aber natürlich ausdrücklich nicht Perrys Leben als solches, sondern lediglich die von ihm gewählte Darstellung dessen.

Bewertung: 3 von 5.

Habt ihr „Friends, Lovers and the Big Terrible Thing“ schon gelesen?

xoxo Ruth

Rezension Matthew Perry

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